Hörspielrezension: «Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen» (Hörgespinste Folge 4; Pandoras Play)


Es ist faszinierend, welche Wegstecke mitunter manche Stoffe zurücklegen, um dann schließlich doch wieder dort anzukommen, wo sie ihre Reise begonnen haben. Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen ist ein Beispiel für einen rastlosen Stoff. Ursprünglich war Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen ein Hörspielskript, verfasst von Dane Rahlmeyer für das Label Pandoras Play. Das Licht der Öffentlichkeit erblickte die Story 2012 jedoch in Form einer Novelle, zu der Rahlmeyer sein Dialogbuch zwischenzeitlich erweitert hatte (ich rezensierte sie seinerzeit hier). Diese Novelle wiederum erschien Anfang 2017 bei Audible als von Tim Gössler gelesenes Hörbuch. Und seit dem 25. Mai diesen Jahres liegt Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen nun auch in jenem Medium vor, für das die Geschichte einstmals geschrieben worden war: Als Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 65 Minuten, veröffentlicht von Pandoras Play als Folge 4 der Reihe Hörgespinste.

Kai Hellmann ist Privatdetektiv der besonderen Art: Seine Auftraggeber sind Vampire, Feen, Kobolde, Geister und andere Vertreter der Nachtvölker – dabei wünscht sich Kai nichts sehnlicher als einen ganz normalen Klienten. Doch Geld von Untoten ist besser als gar kein Geld. Und Geld braucht er dringend. Als die Vampirin Lucretia ihn beauftragt, den Mord an ihrem Mann aufzuklären, beginnt Kai sofort mit den Ermittlungen – und gerät in einen Strudel aus Sex and Crime, Rassismus und großen bösen Wölfen. (Klappentext)


Bei seinem Ausflug in die die Urban Fantasy kombiniert Dane Rahlmeyer Elemente klassischer Hard-Boiled-Krimis mit Aspekten des Vampir- bzw. Werwolfmythos. So bietet er mit Kai Hellmann einen finanziell klammen Privatermittler auf, der nie ohne seinen Fedora das Haus verlässt und seinen neuesten Auftrag selbstredend von einer betörend schönen Klientin erhält. Bei dieser Klientin – und damit wären wir dann im Bereich der Fantasy – handelt es sich um die Vampirin Lucretia Herzog, deren Lebensgefährte Vadim Zagan offenbar Opfer eines Machtkampfs zwischen den Nachtvölkern geworden ist. An Verdächtigen mangelt daher es nicht, doch Lucretia kann Kai Hellmann zumindest ein paar Hinweise auf den möglichen Täter geben. Der Mitternachtsdetektiv macht sich an die Arbeit, kann dabei auf die Unterstützung seiner Freundin Jenny zählen und kommt dem Mörder Stück für Stück auf die Spur. Für das Finale, in dem der Schuldige für Vadim Zagans „Ableben“ enthüllt wird, hat Rahlmeyer sich einen interessanten Twist ausgedacht, der die Geschehnisse in der Mordnacht in einem neuen Licht erscheinen lässt und ihnen eine durchaus tragische Note gibt. Bis dahin hat der Hörer einen zwar kurzweiligen, gleichzeitig aber auch recht gradlinigen Fall für Kai Hellmann mitverfolgt, der seinen Reiz zu großen Teilen aus der Schilderung der Zustände in der Welt der Nachtvölker bezieht - und wie sich zeigt, unterscheidet sich die Welt der Vampire, Werwölfe, Kobolde usw. in Sachen Ressentiments, Machtgelüste und Intrigen gar nicht so sehr von der Welt der Menschen. Ob nun bei Tag oder bei Nacht: Wenn es um Macht und Einfluss geht, dann findet sich offenbar immer jemand, der dafür im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen bereit ist.

Als Kai Hellmann ist Hennes Bender zu hören, der den Protagonisten sehr bodenständig verkörpert, womit ein deutlicher Kontrast zu abgebrühten, eher wortkargen Ermittlern wie Dashiell Hammetts Sam Spade geschaffen wird. Hellmann hat zwar schon einige Jobs für Auftraggeber aus dem Kreise der Nachtvölker erledigt, ist aber im Umgang mit den Sitten und Regeln in der Nachtwelt immer noch ein Stück weit unerfahren und entsprechend unsicher. Gerne wäre er sicherlich so abgebrüht wie seine Vorbilder, doch für deren coole Pose braucht es eben mehr als einen Fedora, der Hellmann nach Ansicht seiner Freundin Jenny noch nicht einmal steht, weil er aus ihrer Sicht einfach keinen Hutkopf habe. Hellmanns Unsicherheit hat für ihn allerdings auch Vorteile, denn ihretwegen neigen seine Gesprächspartner dazu, den Mitternachtsdetektiv sowie dessen Kombinationsgabe zu unterschätzen und äußern sich relativ offen, weil sie in ihm für sich keine Gefahr sehen. Ein Fehler, denn auf den Kopf gefallen ist Hellmann nicht. Für die Rolle der Lucretia Herzog konnte man Karen Schulz-Vobach gewinnen, die ihrer Figur Verletzlichkeit verleiht, ohne ihr dabei die Würde zu nehmen. Dadurch bleibt eine Aura des Unnahbaren und Mysteriösen um die Vampirin stets erhalten. Abgerundet wird der Cast durch Elga Schütz, Sabine Kuse, Christoph Tiemann und Katja König, die durch die Bank einen positiven Eindruck hinterlassen, da sie ihre Rollen souverän im Griff haben. Das Sounddesign schafft einen gefälligen akustischen Rahmen für das Geschehen, kann sich dabei weitgehend auf dezente Effekte verlegen, da die Handlung etwas anderes nicht fordert. Was die eingesetzten Musikstücke angeht, so unterstreichen sie zwar den Charakter des Hörspiels als Detektivgeschichte, bleiben ansonsten jedoch auch eher unauffällig. Die Abmischung ist im Großen und Ganzen sauber ausgeführt – nur scheinen manche Zwischenmusiken lauter abgemischt als die vorangegangene oder sich anschließende Spielhandlung. Kein Beinbruch und daher auch kein wirklicher Makel dieser insgesamt recht erfreulichen Produktion.


Als kurzweilige Urban Fantasy/Detektivgeschichte weiß Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen durchaus zu gefallen. Die Story vollzieht sich zwar etwas zu gradlinig, um als großer Wurf gelten zu können, besitzt jedoch die ca. 65 Minuten Laufzeit über genug Unterhaltungswert, um einen als Hörer bei der Stange zu halten. Nicht zuletzt durch die zahlreichen Informationen über die Zustände in der Gemeinde der Nachtvölker würde die dieses Hörspiel eine gute Pilotfolge für eine Serie über den Mitternachtsdetektiv abgeben. Doch bislang sieht es nicht danach aus, als würde Kai Hellmann für einen weiteren Fall zurückkehren. Schade, denn diesen Detektiv würde man gerne noch bei weiteren Ermittlungen begleiten.



Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen (Hörgespinste Folge 4) ist ein Hörspiel von Pandoras Play. Seit dem 25. Mai 2017 ist es im Handel erhältlich.



0 Kommentare: