Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken Live: Jasmin» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Heute, am 26. Mai 2017, feiert ab 20:00 Uhr mit Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin im Webradio von hoerspielprojekt.de ein weiteres Hörspiel aus der Feder von Frank Hammerschmidt seine Premiere. Anschließend steht die Produktion zum kostenfreien Download zur Verfügung. 43 Minuten Spielzeit hat der neue Eintrag in die Annalen von Morgen, der den Hörer dieses Mal in eine düstere Zukunft entführt.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...

Wenige Jahre in der Zukunft hat ein Virus große Teile der Menschheit ausgelöscht. Du begleitest Jasmin durch diese trostlose Zeit, teilst Freud und Leid mit ihr und bist ihr wichtigster Gesprächspartner. Du bist ihre letzte Hoffnung! (Klappentext)

Vom Plot her wirkt Frank Hammerschmidts neueste Geschichte auf den ersten Blick ein Stück weit konventionell: Um das Jahr 2040 hat das mysteriöse RP-Virus nahezu die gesamte Weltbevölkerung ausgelöscht, die Zivilisation ist zusammengebrochen. Zu den wenigen Überlebenden, die aus irgendeinem Grund gegen den Krankheitserreger immun sind, gehört die junge Jasmin Möller gespielt von Lisa Müller), die sich nach dem Tod ihrer Eltern sowie ihres Bruders gen Norden ausmacht, um bei ihrem Onkel und seiner Familie Unterschlupf zu finden. Unterwegs begegnet sie dem Arzt Dr. Rudolf Hofmeister (Werner Wilkening), dessen Forschungen Ergebnisse zur möglichen Bekämpfung des Virus ergeben haben, gerät in die Fänge des enthemmten Proleten Simon (Dennis Oberhach) und der ihm unterwürfigen Melanie (Alexandra Begau), kann Simon entkommen, findet neue Freunde, wird von Simon aber wieder aufgespürt, usw. Immer wieder kommen post-apokalyptische Geschichten in Form von Road Trips daher - und Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin hält es ebenso. Seinen besonderen Reiz verdankt das Hörspiel jedoch der Perspektive, aus der die Geschehnisse erzählt werden: Jasmin trägt ein Gerät namens OroTech, optisch an ein Hörgerät erinnernd, das ursprünglich für Audio-Chats entwickelt wurde. Eine Diode zeigt an, wenn jemand mit einem Kontakt aufnehmen möchte. Und tatsächlich leuchtet eines Tages die Diode an Jasmins Gerät auf. Durch einen technischen Fehler empfängt sie zwar nur Rauschen, beginnt jedoch, dem ihr unbekannten Teilnehmer, den sie Lauscher nennt, von sich und ihren Erlebnissen zu berichten. Lauscher ist dabei niemand anderes als der Hörer, der die Geschichte im Stile einer improvisierten Live-Berichterstattung oder Raw Footage miterlebt: Da bricht die Übertragung schon mal unvermittelt ab, die Lautstärke variiert, Umgebungs- und/oder Störgeräusche sind deutlich zu hören. Die Inszenierung verringert die Distanz zwischen der Protagonistin und dem Hörer auf ein Minimum und ebnet auf diese Weise den Weg für ein möglichst intensives Miterleben der Ereignisse. Indem der Autor darauf verzichtet, seine Hauptfigur weder als Toughe Heldin noch als hilfloses Opfer ständig am Rande der Verzweiflung zu charakterisieren, kann das Publikum schnell eine Beziehung zu Jasmin entwickeln. Die junge Frau geht zwar keineswegs gefühllos, doch recht pragmatisch mit ihrer Situation um: Irgendwie muss es ja weitergehen, und Jasmin nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand. In Dr. Hofmeister findet Jasmin so etwas wie einen Seelenverwandten, der für jenen Teil der Überlebenden steht, der auch nach der Katastrophe die Werte der Zivilisation hochhält. Simon dagegen verkörpert den Rückfall in die Barbarei, während Melanie den Gegenbegriff zu Jasmin bildet: Zwar hat sie in Simon einen Beschützer gefunden hat, dafür aber ihre Würde und Selbstständigkeit geopfert. In der Glaubwürdigkeit der Charaktere liegt eine weitere große Stärke dieses Hörspiels, das außerdem mit einem konsequent aufgezogenen Handlungsbogen punkten kann und so seine ca. 43 Minuten Spielzeit mit einem spannenden, kurzweiligen Abenteuer in einer post-apokalyptischen Welt von Morgen auszufüllen versteht. Schnitt und Regie lagen dieses Mal in den Händen von Marek Schaedel, dem man nicht nur bescheinigen kann, die beteiligten Sprecherinnen und Sprecher mit sicherer Hand durch den Plot geführt zu haben, sondern auch, in Sachen Abmischung jederzeit Herr der Lage gewesen zu sein.

Eine spannende, abwechslungsreiche Geschichte, ein engagiert agierender Cast und eine überzeugende Inszenierung zeichnen Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin aus, womit sich dieses Hörspiel gekonnt in die Riege der bisherigen, ebenfalls sehr ansprechenden Zukunfts-Chroniken-Folgen einreiht. Wer sich für Produktionen abseits des Hörspiel-Mainstreams interessiert, sollte definitiv ein Ohr riskieren.



Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin ist eine Produktion von Frank Hammerschmidt in Zusammenarbeit mit hoerspielprojekt.de . Das Hörspiel hat am 26. Mai 2017 um 20:00 Uhr Premiere und steht anschließend zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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