Review: «Doctor Who – Der Film» (ab dem 31. März 2017 auf DVD & Blu-ray im Handel)


1989 verordnete die BBC Doctor Who nach 26 Staffeln eine kreative Pause. De facto kam der Schritt zwar einer Absetzung gleich, doch dieses Wort wollten die Verantwortlichen des Senders nach den wütenden Fanprotesten, die sie sich wenige Jahre zuvor mit dem ersten Versuch eingehandelt hatten, die Serie aus dem Programm zu nehmen, dieses Mal nicht in den Mund nehmen. Ein cleverer Schachzug, denn auf diese Weise hielten sich die BBC-Oberen die Whovians ein Stück weit vom Hals, während diese die Hoffnung auf eine Rückkehr des Time Lords nicht aufzugeben brauchten. Und sieben Jahre später kehrte er tatsächlich auf die Bildschirme zurück – als Fernsehfilm mit einem neuen Doctor und als Koproduktion der BBC mit dem amerikanischen Network Fox. Am 31. März 2017 veröffentlicht Pandastorm mit Doctor Who – Der Film das TV-Abenteuer des achten Doktors nun erstmals auf DVD und als Blu-ray.

Der Doktor (Sylvester McCoy) soll die sterblichen Überreste des zum Tode verurteilten Masters (Eric Roberts) auf den Planeten Gallifrey bringen. Doch die Mission scheitert, die Tardis landet auf der Erde des Jahres 1999. Während der Doktor von einer Straßengang niedergeschossen wird, gelingt es dem Master einen anderen Körper zu übernehmen. Im Krankenhaus trifft der Doktor die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook). In seiner neuen Inkarnation (Paul McGann) muss er die Kontrolle über die Tardis zurückgewinnen und seinen Erzfeind von einem teuflischen Plan abhalten. Die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel und die Zeit läuft gegen ihn... (Klappentext)

Bei seiner Ausstrahlung 1996 kam der als als Backdoor-Pilot angelegte Fernsehfilm beim Britischen Publikum sehr gut an. Doch jenseits des großen Teichs war das Echo hingegen deutlich verhaltener, weshalb Fox davon absah, weitere Folgen in Auftrag zu geben. Und ohne die finanzielle Beteiligung der Amerikaner konnte und wollte sich die BBC eine Neuauflage von Doctor Who nicht leisten. Erst neun Jahre später sollte es sie dann schließlich doch geben. Somit ist der Film mit Paul McGann als achtem Doktor allein dem Urteil der Nachwelt unterworfen. Und mit den Augen von heute betrachtet erweist er sich dabei als prototypisch für vieles, das in der New Series mittlerweile zum Standard gehört: Der Film präsentiert einen dynamisch auftretenden, dabei auch zu romantischen Gefühlen fähigen Time Lord, besitzt mit Grace Holloway bereits einen Companion auf Augenhöhe mit dem Doktor, der mehr ist als ein bloßes Anhängsel und wartet mit Sets auf, welche die Weitläufigkeit der TARDIS im Innern endlich visuell erlebbar machen. Nicht zuletzt bewegt er sich im Hinblick auf die CGI-Effekte auf der Höhe seiner Zeit. Die Unterschiede zwischen der klassischen Serie und diesem Film sind groß – und dennoch stellt er sich in die Chronologie der Doctor Who-Mythologie, wenn zunächst Sylvester McCoy als siebter Doktor nach sieben Jahren noch einmal zum Einsatz kommt, um nach einer standesgemäßen Regenerationsszene den Stab an Paul McGann weiterzugeben. Der achte Doktor findet auf der Suche nach Kleidung in einem Spind dann nicht nur einen Schal, der verblüffend an den des vierten Doktors Tom Baker erinnert, sondern auch eine Tüte Jelly Babies. Mit dem Schal kann er zwar nichts anfangen, mit den Süßigkeiten hingegen schon.

Es sind Details wie diese, mit denen der Film die Brücke zur Vergangenheit der Serie schlägt, während er sich in mehrfacher Hinsicht neu ausrichtet, um der Saga um den Time Lord eine neue Zukunft zu ermöglichen. Eine Melange aus Klassik und Moderne ist auch der Gegenspieler des Doktors in diesem Film: Mit dem Master wird zwar ein Feind aufgeboten, der den bestehenden Fans nur allzu gut bekannt ist, doch auch diese Figur wird etwas anders interpretiert als früher und erweist sich als eine echte Herausforderung für den Zeitwanderer, den es am Vorabend der Jahrtausendwende unerwartet nach San Francisco (für die Dreharbeiten gedoubelt von Vancouver) verschlägt. Im Setting und in der ausgedehnten Verfolgungsjagd, in der Master dem auf auf einem Motorrad fliehenden Doktor nachsetzt, wird der amerikanische Einfluss auf diese Produktion deutlich, die sich ansonsten so britisch wie möglich geben möchte. Unterm Strich geht der Mix auf und der Fernsehfilm kommt als spannendes wie unterhaltsames Doctor Who-Abenteuer daher. Die Frischzellenkur des Jahres 1996 hat dem Time Lord sichtbar gut getan und es wäre Paul McGann zu wünschen gewesen, dass auf seinen gelungenen Einstand noch weitere Fernsehfolgen mit ihm als achten Doktor gefolgt wären. Erst 2013 war er noch einmal in der Rolle zu sehen, als sich in einer Mini-Episode, die als zur Einstimmung auf das Special zum 50. Geburtstag der Serie gesendet wurde, der sein achter Doktor zum War Doctor regenerierte.

Dieses Special ist Bestandteil der umfangreichen Zusatzaustattung, mit der Doctor Who – Der Film von Pandastorm aufwartet. Neben dem Film mit ca. 86 Minuten Spielzeit und einem informativen Booklet werden dem Doctor-Who-Fan 297 Minuten an Bonusmaterial geboten – von mehreren Featurettes, welche die Entstehung des Films wie auch das weitere Leben des achten Doktors in den Comics und in Hörspielen eingehend beleuchten, über alternative Takes und Audiokommentare, bis hin zu Infotexten erstreckt sich die Palette an Zugaben. Ein echtes Fan-Paket, das kaum Wünsche offenlassen lassen dürfte.


Nach der Veröffentlichung des Specials Die fünf Doktoren sowie der Staffeln mit dem sechsten und dem siebten Doktor schließt Pandastorm mit Doctor Who – Der Film eine weitere Lücke, indem man nun auch den Auftritt des achten Doktors in Deutschland erstmals auf DVD und Blu-ray zugänglich macht. Und es ist ein reizvolles Kapitel in der Chronologie der Serie, das sich auf jeden Fall zu entdecken lohnt. Somit ist diese Veröffentlichung für bestehende Whovians und jene, die es werden möchten, gleichermaßen empfehlenswert.


Doctor Who – Der Film ist ab dem 31. März 2017 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.


Fotos: © BBC

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