Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx» (Maritim)


Nachdem er zuletzt im indischen Dschungel den verschlagenen Robur zur Strecke bringen konnte, verschafft sich Phileas Fogg in Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx erst einmal Abkühlung – und zwar in der Antarktis. Pinguinen begegnet er dort zwar nicht, dafür aber jede Menge Gefahren. Das Hörspiel aus dem Hause Maritim ist mit einer Laufzeit von ca. 71 Minuten seit dem 12. August 2016 im Handel.

Ein unheimlicher Fremder bittet Phileas Fogg, nach Spuren der Antarktis-Expedition des Arthur Gordon Pym zu suchen, die seit einiger Zeit als verschollen gilt. Phileas Fogg lässt sich dazu hinreißen, als er in dem Mann den berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe erkennt. Zusammen mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Diener Passepartout begibt sich Fogg auf eine Reise, die voller Gefahren und Strapazen steckt. Was hat es mit den unheimlichen Rufen auf sich, die des Nachts über das Eis hallen? Fogg muss erkennen, dass sie von Suchenden zu Gejagten geworden sind. Als das Schiff schließlich in einen unheimlichen Nebel gerät, eskalieren die Ereignisse und Phileas Fogg sieht sich mit der grauenvollen Wahrheit der Pym-Expedition konfrontiert. (Klappentext)

Nach vier Hörspielen aus der Feder von Markus Topf ist es nun an Marc Freund, Phileas Fogg auf neue Abenteuer zu schicken. Stilistisch merkt man Folge 5 den Autorenwechsel jedoch nicht an, denn die für die Serie charakteristische Kombination aus Spielszenen und ausführlichen Erzählerparts (Jules Verne, verkörpert durch Christian Brückner, führt höchstselbst durch das Geschehen) bleibt erhalten. Dass eine historische Persönlichkeit (Edgar Allen Poe) hier auf eine literarische Figur (Phileas Fogg) trifft, mutet im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt an, hat aber eine gewisse Tradition bei Maritim. Immerhin basiert seine Serie Wilde & Holmes – Sonderermittler der Krone auf der gleichen Prämisse. Die Seereise zum Südpol verläuft für Fogg, seine Frau Aouda und den Diener Passepartout erwartungsgemäß nicht ohne Komplikationen, wobei Freund die üblichen Gefahrenmomente wie Unwetter, Feststecken im Packeis und Meuterei abarbeitet. Unterwegs liest man noch einen alten Bekannten Foggs auf, der bereits in einer früheren Folge ein Gastspiel gegeben hatte. Sein Auftauchen beeinflusst die Dynamik des Hörspiels im weiteren Verlauf zwar in positiver Weise, beschert ihm jedoch gleichzeitig einige Logikprobleme. Bis zum Ende hin können sie nicht überwunden werden, was jedoch nicht verwundert: Der Plot ringt viel zu sehr mit dem Spannungsbogen und muss sich zu sehr strecken, um die Erzählung zu einen befriedigen Abschluss zu führen, als dass ihm noch die Zeit bliebe, logische Falten zu glätten. Das Hörspiel will eine ganze Menge, schafft davon aber nur einen Teil, weil ihm die klare Orientierung abhanden kommt: Einige Szenen erwecken den Eindruck des Selbstzwecks; das Potenzial verheißungsvoller Szenarien wird nur bedingt abgerufen. Betrachtet man sich die grundlegenden Handlungssträge isoliert voneinander, dann wird sichtbar, dass jeder einzelne von ihnen eine durchaus packende Geschichte abgegeben hätte. Als Melange funktionieren sie hingegen nicht mehr so gut, da leider zu viel im Ansatz stecken bleibt.

An der Inszenierung dieser eher durchwachsenen Story gibt es hingegen nichts auszusetzen. Was die Leistung der Besetzung angeht, so hinterlassen die drei Stammprecher Sascha Draeger (Phileas Fogg), Annina Braunmiller (Aouda Fogg) und Marius Clarén (Passepartout) erneut einen starken Eindruck; gleiches gilt für Christian Brückner als Erzähler/Jules Verne. Zu ihnen gesellen sich dieses Mal unter anderem gestandene Profis wie Jürgen Kluckert, Dietmar Wunder, oder Uve Teschner, die eine entsprechend souveräne Leistung abliefern. Die Regie führt sie mit sicherer Hand, ihre Dialoge werden durch das gelungene Sounddesign von Studio WinterZeit im Zusammenspiel mit dem orchestralen Soundtrack von Michael Donner in einen wunderbar atmosphärischen Rahmen eingebettet. Zu guter Letzt ist das Cover von Mark Freier abermals ein optisches Highlight. 

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx bewegt sich von der akustischen Umsetzung her definitiv auf dem Level seiner Vorgänger, reicht von der Geschichte her jedoch nicht an sie heran. Der Story von Marc Freund mangelt es dabei sicherlich nicht Ideen - sie schafft es nur leider nicht, sie alle in ein ausgewogenes und damit vollends überzeugendes Verhältnis zueinander zu bringen. Ordentliche Unterhaltung bietet die Produktion zwar auch weiterhin, ein Highlight der Serie ist diese Folge allerdings nicht.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx ist ein Hörspiel von Maritim. Seit dem 12. August 2016 ist es im Handel erhältlich.


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