Filmkritik: «Star Trek Beyond» (ab dem 21. Juli 2016 im Kino)


Pünktlich zum 50. Geburtstag des Star-Trek-Franchises kehren Captain James T. Kirk und seine Mannschaft mit einem neuen Abenteuer auf die Leinwand zurück. Erneut angesiedelt in der Reboot-Zeitlinie des Abramsverse (inzwischen offiziell bezeichnet als Kelvin Timeline), bekommt die Crew der U.S.S. Enterprise unter der Regie von Justin Lin es dieses Mal mit einem Gegner zu tun, der alles ablehnt, wofür die Föderation eintritt. Um gegen ihn bestehen zu können, müssen sich Kirk, Spock, McCoy und Co auf das besinnen, was sie so stark macht: Teamwork. Star Trek Beyond läuft mit einer Spielzeit von ca. 120 Minuten ab dem 21. Juli 2016 offiziell in den deutschen Kinos.

Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind. (Ankündigungstext)

Es gibt sicherlich dankbarere Aufgaben als die, das Drehbuch für einen neuen Star Trek-Film zu schreiben. Gilt es doch, den extrem schweren Spagat zu meistern, einerseits den Erwartungen der Hardcore-Fans sowie anderseits jenen des Mainstream-Publikums gerecht zu werden, während man sich gleichzeitig mit der Frage beschäftigen muss, was es überhaupt noch gibt, das in fünf TV-Serien mit 700 Folgen und einem Dutzend Kinofilmen bislang nicht erzählen wurde. Die Antwort, die Simon Pegg und Doug Jung auf diese Herausforderung gefunden haben, besteht in einer Verbeugung vor bzw. einem Bekenntnis zum Grundgedanken von Star Trek im Gewand eines überaus rasanten Abenteuers zwischen den Sternen.

Trotz aller futuristischer Technologie standen bei Gene Roddenberry stets die Charaktere als Vertreter einer geeinten Menschheit auf friedlicher Forschungsmission in den Weiten des Weltalls im Mittelpunkt. Star Trek Beyond greift diesen Wesenszug des klassischen Star Trek auf und nimmt zu diesem Zweck die U.S.S. Enterprise auf dramatische Weise aus der Gleichung. Kirk und Co werden auf diese Weise zwar entwurzelt, sind jedoch nicht orientierungslos, da sich die Crew schnell auf ihre Grundtugenden besinnt: Man setzt sich für einander ein, arbeitet Hand in Hand und gewinnt durch Ehrlichkeit mit Jaylah eine wichtige Verbündete. Dem Antagonisten Krall hingegen sind solche Wesenszüge fremd: Er verachtet sie als Schwäche und setzt stattdessen auf rücksichtslose Gewalt zur Durchsetzung seiner Ziele. Zwei Wertesysteme stehen sich diametral gegenüber; gewissermaßen treten die Space Opera als Eroberungsgeschichte und Gene Roddenberrys Vision gegeneinander an. Wie es sich für einen Jubiläumsfilm gehört, wurden von den Autoren eine Reihe von Referenzen an den klassischen Star Trek in den Film eingebaut. So gibt es eine Sternenbasis namens Yorktown (die Enterprise hätte ursprünglich Yorktown heißen sollen) oder die Haltbarkeit von Kirks goldenem Uniformhemd wird in einer Szene auf die Probe gestellt (der Ausgang dürfte klar sein). Und auch darüber hinaus gibt es viel für die Fans zu entdecken. Erfreulich ist zudem, dass dieses Mal wirklich der gesamten Stammbesetzung viel Raum zur Betätigung gegeben wird. Nicht nur das Triumvirat Kirk-Spock-McCoy (Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban) hat alle Hände voll zu tun, sondern auch Uhura (Zoe Saldana), Scotty (Simon Pegg), Sulu (John Cho) und Chekov (der leider jüngst verstorbene Anton Yelchin) dürfen glänzen. Star Trek als Ensemblestück. Sofia Boutella als Jaylah hinterlässt einen positiven Eindruck, Idris Elba geht in seiner Rolle als Krall wirklich auf.


Um über den Kreis der Trekkies hinaus auch für das allgemeine Publikum attraktiv zu sein, setzt Star Trek Beyond neben optischen Leckerbissen vor allem auf jede Menge Action. Und damit letztere auf der Leinwand ordentlich zündet, wurde mit Justin Lin ein Regisseur verpflichtet, der mit seinen Fast & Furious-Filmen in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Beweis stellen konnte, dass er ein Fachmann und Könner auf diesem Gebiet ist. Lin erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf, denn die Actionszenen besitzen hohe Dynamik und sind außerdem exzellent choreographiert. Zudem erweist er sich als ein vielseitiger Regisseur, indem er die Kameraführung gekonnt an den Charakter der jeweiligen Szenen anzupassen versteht. In ruhigeren Momenten verzichtet er auf jegliche Spielreihen und hält die Kamera still, um jegliche Ablenkung zu vermeiden, während er sie in den Actionsequenzen gerne mal von der Kette lässt, damit sie aus unterschiedlichen Perspektiven das Geschehen dokumentieren kann. Wer ein Ticket für Star Trek Beyond löst, um einfach einen packenden SF-Actionsfilm zu erleben, wird ebenfalls bestens bedient.

Star Trek Beyond versteht es, sowohl den Erwartungen der eingefleischten Star-Trek-Fans gerecht zu werden, als auch den Mainstream-Kinogängern jede Menge gute Gründe zu liefern, sich diesen Film im Kino anzusehen. Er erweist der klassischen Serie, auf deren Schultern er steht, zum 50. Geburtstag den ihr gebührenden Respekt und macht im selben Atemzug deutlich, dass die zentralen Gedanken von Star Trek bis heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Und da er zudem als sowohl packender als auch humoriger SF-Actioner prächtig funktioniert, hält er das Franchise zeitgemäß und verschafft ihm damit ausgezeichnete Perspektiven für die Zukunft (Teil 4 wurde von Paramount, Skydance und Bad Robot bereits angekündigt). Star Trek Beyond ist der mit Abstand beste Film der neuen Ära - ein Film, den man gesehen haben sollte.



Star Trek Beyond läuft ab dem 21. Juli 2016 in den deutschen Kinos.


Bildmaterial: Copyright Paramount

1 Kommentar:

  1. Von den drei Reboot-Filmen, hat mir dieser bisher am besten gefallen. Gleich vorweg: Ich bin absolut KEIN Fan der neuen Zeitlinie. Aber diesem Film merkt man die neue Zeitlinie so gut wie nicht an. So, wie er ist, könnte er ebenso gut in der alten Linie spielen. Das ist schon mal ein Pluspunkt.

    Das Zusammenspiel der Crew und die Entwicklung der Charaktere geht nun endlich wieder in Richtung der klassischen Reihe. Man merkt die Reminseszenzen an die alte Serie deutlich und das ist auch gut so. Allerdings bleibt das ganze, für meinen Geschmack, doch wieder zu oberflächlich. Viel zu viel Wert wird auf Action und Krawall-Szenen gelegt anstatt der Story, die von der Grundidee wirklich gut ist, mehr Tiefe zu verleihen. Einige Informationen werden nur ganz kurz erwähnt oder erklärt, andere Fragen bleiben völlig offen. Mich hätten viel mehr die Hintergründe interessiert, warum und vor allem WIE es zu bestimmten Dingen kam. Stattdessen bekommt man eine Reihe übertriebener, unglaubwürdiger und völlig überdrehter Action-Szenen serviert. Schade um die schöne Story. Da hätte man viel mehr rausholen können.

    Hervorragend dagegen sind die Schauspieler. Sie passen wunderbar in die Rollen und werden von mal zu mal besser. Sogar Chris Pine wird nun immer mehr zu dem Kirk, den ich aus der guten alten Classic Serie kenne. Respekt! Ich wiederhole daher meine Aussage von 2009 zum ersten Reboot-Film: Wenn man diese Crew, mit diesen Schauspielern in einen anständigen Plot der alten Zeitlinie gesetzt hätte und in guter Star Trek-Manier inszeniert hätte, hätte etwas ganz Tolles daraus werden können.

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