Hörspielrezension: «Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos» (ab dem 20. Mai 2016 im Handel)


Im Rahmen meiner Rubrik Blick über den Tellerrand rezensierte ich hier im Blog vor ungefähr einem Monat mit Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis den Start einer neuen Serie, die von der Hörspielschmiede Stein/Hardt für das Label Maritim produziert wird. Und bereits am morgigen Freitag, dem 20. Mai 2016, setzten sich Dr. Morton Zephyre, Dave Edwards und Nina Sallenger nach nur kurzer Verschnaufpause in Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos erneut auf die Fährte des Paranormalen. Ca. 65 Minuten Laufzeit hat das Hörspiel, das auf CD und als Download in den Handel kommt.

Auditive Erinnerungen seiner verstorbenen Frau suchen den Multimilliardär Edward van Shelby heim. Dank seiner Beziehungen zu Nina konnte er Dr. Zephyre gewinnen, um diesen geisterhaften Erscheinungen auf den Grund zu gehen. Schon bald ergibt sich eine Spur: Thanatos, das Medium. Ist er für die seltsamen Heimsuchungen verantwortlich? Schnell stellt sich heraus, dass Thanatos sogar in die Vergangenheit Dr. Zephyres verstrickt ist. Auch für Nina und Dave stellt sich nun die Frage: Wer ist Emily? (Klappentext)

Restlos überzeugende Auftaktfolgen sind eher die Ausnahme. Nur selten gelingt es den Autoren nämlich, das Publikum mit den Hauptfiguren sowie dem Setting vertraut zu machen und gleichzeitig eine packende Geschichte zu erzählen. Mit einer der Gründe, warum man in den Top 10 der beliebtesten Folgen von Fernsehserien eigentlich nie den Pilotfilm findet. Gelingt hingegen die Etablierung der Charaktere sowie der Ausgangssituation in Kombination mit einer doch kurzweiligen und soliden Story, dann darf man mit Fug und Recht immer noch von einem gelungenen Auftakt zu sprechen. Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis war so ein Auftakt. Einer von der Sorte, der einen neugierig auf die Fortsetzung machte. Morgen kommt diese nun offiziell in die Läden - und erweist sich leider in mehrfacher Hinsicht als nur mäßig austariert.

Um den Erzählfluss nicht unter einem Berg an Informationen zu begraben, sahen Paul Burghardt und Tom Steinbrecher (alias Stein/Hardt) davon ab, in Charybdis Zephyrs frühere Auseinandersetzung mit der Baphomet-Sekte näher zu beleuchten. Dies holt man nun in Thanatos nach – jedoch erst im letzten Drittel der Handlung. Die 40 Minuten davor sind rückblickend nicht mehr als ein gewaltiger Anlauf, den sich das Hörspiel gönnt, um es in den restlichen 25 Minuten der Spielzeit mächtig krachen zu lassen. Wähnte man sich bis dahin von der Atmosphäre her eher in einem Drei-Fragezeichen-Abenteuer, kommt dann doch noch jenes Grusel- und Mystery-Feeling auf, das zu erleben man die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte. War der Plot von Charybdis kompakt und von einer kohärenten Atmosphäre gekennzeichnet, zerfällt jener von Thanatos in zwei Teile, baut erst sehr spät das nötige Flair auf und hat zudem mit dem Timing zu kämpfen. Sehr schade, denn Stein/Hardt kann es wesentlich besser. Folge 1 ist der Beleg dafür.

Nachdem Dr. Zephyre, Dave Edwards und Nina Sallenger den Hörern in Charybdis erst einmal vorgestellt wurden, folgt nun in Thanatos die weitere Ausgestaltung der Charaktere. Was den Kopf des Trios betrifft, klappt das noch ganz gut, denn das, was man gegen Ende der Folge über Zephyrs Vergangenheit erfährt, verleiht seiner Persönlichkeit mehr Tiefe und macht ihn dadurch interessanter. Dave Edwards hingegen wird förmlich demontiert, weil sowohl sein Chef als auch Nina ihn als Fußmatte benutzen, ihn unentwegt mit spöttischen Bemerkungen überziehen oder auch vor geradezu herablassenden Äußerungen ihm gegenüber nicht zurückschrecken. Da das Skript Edwards keinerlei Chance gibt, irgendeine Art von nützlichem Talent zu zeigen, erschließt sich irgendwann gar nicht mehr, was er überhaupt im Team soll. Man würde gerne mit Dave Edwards lachen, doch stattdessen wird hier ständig nur über ihn gelacht. Und weil er den verbalen Attacken seiner Mitstreiter hilflos gegenübersteht, diese das auch genau wissen, aber ständig weitermachen, rückt dieses Verhalten Zephyr und Nina in ein extrem schlechtes Licht, was es in hohem Maße erschwert, für diese beiden Figuren Sympathie zu entwickeln. Extrem von sich überzeugt und entsprechend vorlaut war Nina Sallenger in Folge 1 ohnehin schon. Indem sie sich in Folge 2 als sehr begeisterungsfähig für alles zeigt, das mit Übersinnlichem zu tun hat, erweitert sich nun ihr Profil um eine interessante Facette. Zugleich entsteht dadurch ein spannender Kontrast zu Zephyr und Edwards. Leider überzeichnen die Autoren Nina im Verlauf der Handlung massiv und lassen sie Äußerungen tätigen, derentwegen sie sich von Edwards mehr als einmal fragen lassen muss, was mit ihr nicht stimme. Der Hörer fragt sich das auch. Außerdem lernen wir über Nina, dass sie gut trainiert und darum in der Lage ist, eine Tür einzutreten. Damit wir das auch ja nicht vergessen, darf sie später noch eine zweite Tür eintreten. Und als weiteren Beleg dafür, in welch beneidenswerter körperlicher Verfassung Nina sich befindet, lässt man sie in einer für die Story komplett irrelevanten Szene mehrere Männer verprügeln, die sich ihr während einer Fahrt mit der U-Bahn unschicklich nähern. Haben es jetzt auch alle verstanden? Nina ist in absoluter Topform!

Bei aller Kritik an der Story von Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos soll aber ebenso deutlich gesagt sein, dass es an der Leistung der beteiligten Sprecherinnen und Sprecher absolut nichts auszusetzen gibt. Unter der Regie von Stein/Hardt agieren Marc Schülert, Kim Hasper und Tanya Kahana mit viel Einsatz; Martin Sabel verkörpert einen herrlich fiesen Thanatos. Weiterhin sind Tanja Niehoff, Ingo Abel, Timo Künzel, Katja Brügger, Marie Burghardt, Stephan Chrzesinski und Freddy Bee mit von der Partie, die allesamt eine feine Performance bieten. Tom Steinbrechers Fähigkeiten, packende Klangräume zu erschaffen, sind vor allem im letzten Drittel des Hörspiel gefordert, wo er sie dann auch prompt voll zur Wirkung bringt. Sein Soundtrack (weitere Scores stammen von Ambitus) ist abwechslungsreich und auf die jeweiligen Szenen abgestimmt. Musik ist natürlich immer Geschmackssache, doch mir gefielen auch die eher rockigen Einlagen sehr gut, da man so etwas selten in Hörspielen hört. Ich empfand die als eine erfrischende Abwechslung.


Wo stehen wir also nun nach 65 Minuten Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos? Vergleicht man die beiden bisher erschienenen Folgen miteinander, dann ist die zweite die schwächere. Zwar befinden sich die Hörspiele in puncto Specherleistung, Sounddesign und Musik absolut auf Augenhöhe, doch schlägt der Auftakt die Fortsetzung durch seine größere Kompaktheit und den damit verbundenen überzeugenderen Spannungsbogen. Neben dem viel zu großen Vorlauf leistet sich Folge 2 außerdem zu viele Schwächen hinsichtlich der Charakterentwicklung sowie der Dynamik innerhalb des ermittelnden Trios, um den Vorgänger übertrumpfen zu können. Das alles ist ein wenig enttäuschend, doch keinesfalls ein Beinbruch, da sich die Serie insgesamt ja noch in einem frühen Stadium befindet. Die Folgen 3 und 4 sind für Juni bzw. Juli bereits angekündigt – die perfekte Möglichkeit also, die Scharte direkt wieder auszuwetzen. Und darum bleibe ich der Serie trotz allem vorerst treu, um zu erfahren, in welche Richtung sie sich weiter entwickelt.


Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos ist eine Stein/Hardt-Produktion für Maritim. Ab dem 20. Mai 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.

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