Star Trek: Neue CBS-Serie spielt angeblich nach «Star Trek VI: Das unentdeckte Land» - Was wäre, wenn das tatsächlich stimmt?


Im nächsten Jahr startet der US-Sender CBS eine neue Star Trek-Serie. Den Pilotfilm zeigt man im Fernsehen, die übrigen Folgen erleben ihre Premiere auf dem Streampingportal CBS All Access. Während das Studio offen damit umgeht, wer die Macher hinter dem Projekt sind (u.a. Alex Kurtzman, Nicolas Meyer und Bryan Fuller), hüllt man sich hinsichtlich der Frage, in welchem ST-Universum bzw. welcher Ära die Serie spielen wird, weiterhin in Schweigen. Chefkoch Devin Faraci hat in der Gerüchteküche der Website Birth.Movies.Death. ein neues Gericht gekocht, das er der Öffentlichkeit auf seiner Website in einem Artikel präsentiert.

Faraci will gehört haben, dass die kommende Serie nicht im Reboot-Universe von J.J. Abrams, sondern im originalen ST-Universum spielen wird. Ausgesucht hat man sich angeblich die Classic-Ära, und die Handlung soll einige Zeit nach Star Trek 6: Das unentdeckte Land angesiedelt sein. Auch die Anfangsszenen von Star Trek: Treffen der Generationen sollen sich schon zugetragen haben – Captain Kirk ist also bereits im Nexus verschwunden. Ort der Handlung wird kein Raumschiff mit Namen Enterprise sein, die Crew ist völlig neu. Wenngleich durch das das Khitomer-Abkommen der Weg für einen Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen geebnet wurde, sollen in der Serie dennoch Klingonen auch als Schurken mit von der Partie sein. Konzeptionell löst sich die Serie laut des Berichts von in sich abgeschlossenen Einzelfolgen und setzt stattdessen auf das Serial-Prinzip: Die einzelnen Folgen erzählen also jeweils einen Teil einer großen Gesamthandlung. Zum Schluss weiß Faraci noch mitzuteilen, dass gerüchteweise die Serie im Stile einer Anthologie in jeder Staffel eine andere Ära beleuchten wird. Auf das Classic-Abenteuer in Staffel 1 könnte also eines in der TNG-Ära in Staffel 2 folgen. Inklusive komplett anderem Cast, Raumschiff etc. .

Was an den Gerüchten wirklich dran ist, wissen neben den CBS Studios nur Alex Kurtzman, Nicolas Meyer und Co. Und sie werden uns sicherlich nicht Gefallen tun, nur wegen dieses Artikels früher als geplant ihr Schweigen zu brechen und uns zu verraten, wo und wann die kommende Serie in Wahrheit spielen wird. Damit bleibt dieses Gerücht vorerst...ein Gerücht. Aber machen wir uns doch mal den geekigen Spaß so zu tun, als entspräche dieses neuerliche Gerücht komplett der Wahrheit, und stellen uns die Frage, ob dies ein gutes Konzept für die Serie wäre.

1.) Das originale Universum als Handlungsort:

Bekanntlich liegen die Geschicke des Franchises in mehreren Händen: Paramount Pictures beackert das Thema Star Trek fürs Kino, CBS Television hält die Fernsehrechte (inkl. Online-Streaming der ST-Serien). Die kommende Serie außerhalb des Abramsverse zu verorten, ergibt absolut Sinn, denn die Macher brauchen auf diese Weise keine Rücksicht darauf zu nehmen, was inhaltlich in den Kinofilmen passiert. Sie haben dadurch eine viel größere Handlungsfreiheit, keinen Abstimmungsbedarf und verfügen mit dem Original Universe gleichzeitig über eine riesige Spielwiese, auf der sie sich tummeln können. Passt also.

2.) Die Post-Star-Trek-6-Ära als Zeitpunkt:

Die Phase zwischen Star Trek 6 und dem Beginn von ST:TNG ist sehr spannend und wurde auf der Leinwand bzw. im Fernsehen bisher nicht erforscht. Es ist eine Zeit des Umbruchs in der Galaxis, die viel Potenzial für spannende Geschichten liefert. Es ständen natürlich noch zahlreiche weitere Zeitpunkte zur Verfügung, doch gegen diesen hier spricht absolut nichts.

3.) Neues Schiff und neue Crew:

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Star Trek nicht zwangsläufig von einem Raumschiff namens Enterprise unter dem Kommando eines Captain Kirk handeln muss. Eine neue Crew samt neuem Schiff zu bringen, wäre daher kein Problem und ist sicherlich sogar etwas, was die Fans von einer neuen Serie erwarten. Ich persönlich würde es spannend finden, wenn man uns tatsächlich zeigen würde, wie eine neue Crew die NCC 1701-A übernimmt und sich die Protagonisten mit der Bürde herumzuschlagen haben, in die Fußstapfen von Kirk, Spock und Co treten zu müssen und an deren Taten gemessen zu werden. Aber ein neues Schiff geht für mich auch voll in Ordnung.

4.) Böse Klingonen:

Nicht jeder begrüßt Wandel. Und wie schon Star Trek 6 gezeigt hat, gibt es sowohl Föderationsmitglieder wie auch Klingonen, die nicht an eine friedliche Koexistenz mit dem ehemaligen Feind glauben. Die Serie würde ein differenziertes Bild von den Klingonen zeichnen, anstatt in einem simplen Gut-Böse-Schema zu verharren. Und so etwas kann man ja nur begrüßen.

5.) Abkehr von abgeschlossenen Einzelfolgen:

Das Erzählen in Serie hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Und Star Trek kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Und man sollte es auch nicht tun, denn beispielsweise Game of Thrones, The Walking Dead, oder House of Cards profitieren erzählerisch enorm davon, dass die Plots nicht auf eine Laufzeit von 45 oder weniger Minuten reduziert werden, sondern sich über mehrere Folgen, eine gesamte Staffel oder sogar darüber hinaus erstrecken. Star Trek hat problemlos das Potenzial für Erzählung in dieser Art – da wäre es fahrlässig, es nicht zu nutzen, die Sehgewohnheiten des Publikums zu ignorieren und stattdessen alten Mustern zu folgen.

6.) Die neue Serie als Anthologie:

Ich mag Anthologien. Und Klassiker wie Twilight Zone oder Outer Limits haben schon vor Jahrzehnten gezeigt, was man mit solch einem Format erreichen kann. Doch die neue Star Trek-Serie wäre eine, bei der nicht in jeder Folge neue Personen und Settings präsentiert werden, sondern mit jeder Staffel. Das ist eine ganz andere Nummer. Und zwar eine, die in meinen Augen nicht funktioniert. Dem Publikum 13 Folgen lang Charaktere zu präsentieren, die alle mit der nächsten Staffel ausgetauscht werden, weil nun eine andere ST-Ära dran ist, würde die Bindung der Zuschauer an die Serie zerstören. Die Figuren und ihre Entwicklung sind der Anker, der die Serienjunkies an die Formate fesselt. Kappt man jedes Mal nach etwa einem Dutzend Folgen diese Verbindung komplett, läuft man Gefahr, das sich ein Teil der Zuschauer frustriert abwendet, weil man ihm eine Crew „wegnimmt“, mit der er gerade warm geworden ist. Sicherlich würde man der Serie mit diesem anthologischen Konzept ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Doch das kann man auch schaffen, ohne mit jeder neuen Staffel das Risiko eines massiven Zuschauerschwunds einzugehen.

Soweit mein kleines Gedankenspiel. Mir ist natürlich klar, dass eine Einschätzung, die auf einem Gerücht basiert, nicht mehr sein kann, als ein geekiges Vergnügen. Doch das kann man sich als Fan gerne mal erlauben. Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf den Moment, wenn die Zeit gekommen ist und wir endlich definitiv erfahren, wie die neue Star Trek-Serie konzeptionell aussehen, wo und wann sie spielen wird. Allzu lange wird es ja hoffentlich nicht mehr dauern...

Kommentare:

  1. Etwas, was m.E. gegen das Anthologie-Konzept sprechen würde, sind die Kosten: Jede neue Staffel bräuchte neue Kullissen, die, wenn sie gut sein sollen, auch entsprechend teuer sind. Gerade bei SF-Serien können die Macher in der Regel nicht auf Original-Schauplätze zurückgreifen. Ich bin mir sicher, dass die Macher der neuen Serie über ein Anthologie-Konzept nachgedcht haben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies finanzierbar wäre.

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    1. Da hast Du völlig recht. Die Kosten für solch ein Konzept wären sehr hoch, was eine Umsetzung extrem unwahrscheinlich macht. Dieses Teil des Gerüchts scheint mir absolutes Wunschdenken zu sein. Oder aber, es war tatsächlich so, wie Du es beschrieben hast: Die Idee stand irgendwann mal im Raum, wurde diskutiert und vielleicht sogar durchgerechnet, ehe man sie wegen der Kosten dann verworfen hat.

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  2. Für mich hat das Anthologie-Konzept durchaus Charme. Man braucht sich nicht auf ein endgültiges Konzept für viele Staffeln festzulegen, sondern kann testen, was gut läuft und gut ankommt. Geschichten, die nach einer Staffel zuende erzählt sind, müssen nicht wie Kaugummi mit langweiligen Füllerepisoden in die Länge gezogen werden. Der Kreativität neuer Ideen sind viel weniger Grenzen gesetzt, da es keinen Status Quo geben muss. Es könnten mehr Autoren viel mehr Settings ausprobieren. Und wenn eine Staffel mega toll ankommt und nach Fortsetzungen schreit... so what - wer hindert die Verantwortlichen daran, diesem Setting weitere Staffeln zu verpassen und die Anthologie mit einer ganz neuen Serie, gewissermaßen als Spin-Off parallel weiterzuführen. Je mehr ich drüber nachdenke, umso mehr gefällt mir diese Idee, denn sie eröffnet einfach mehr Freiheiten für die Macher.

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