Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 8: Monschatten» (Folgenreich/Interplanar)


Mit Folge 7: Laurin legten Folgenreich und Interplanar Mitte Januar 2016 den Auftakt der zweiten Staffel der Prequelserie Mark Brandis – Raumkadett vor (ich rezensierte das Hörspiel hier). Seit dem 15. April ist nun die Fortsetzung Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten im Handel. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit" waren Neil Armstrongs Worte, als er 1969 den Mond betrat. In der Welt von Mark Brandis sind Reisen zum Mond inzwischen Routine – doch für diese Hörspielserie bedeutet die aktuelle Folge einen erheblichen stilistischen Schritt nach vorne.

In der Astronautenschule gehen Gerüchte um: die Gruppe, in der Mark Brandis und seine Freunde ausgebildet werden, soll gegen Jungkadetten antreten, die die Raumflotte heimlich trainiert hat. Als Ort der Übungsmanöver wurde der Mond ausgewählt. Doch kaum sind sie dort eingetroffen und auf sich allein gestellt, kommt alles anders. Und es hilft Mark Brandis nicht, dass er ausgerechnet jetzt Nina wieder begegnet. Der Frau, die ihm vor Jahren das Herz gebrochen hat …

Als Nikolai v. Michalewski seine Mark Brandis-Romane schrieb, stand die Weltpolitik ganz im Zeichen der Ost-West-Konfrontation. Von dem Gedanken geleitet, die Probleme und Herausforderungen der Gegenwart im Kontext einer Zukunftsvision zu thematisieren, gestaltete der Autor in den Abenteuern seines Weltraumhelden folgerichtig das Verhältnis zwischen den beiden Machtblöcken - der Union und den Republiken - als den Kalten Krieg des 22. Jahrhunderts. Als Interplanar sich 2007 daran machte, die Romane als Hörspiele zu adaptieren, übernahm man dabei diesen Antagonismus, der auch für das Prequel Mark Brandis - Raumkadett den politischen Background bildet. Dass es die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische-Union (EAAU, kurz: die Union) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR, kurz: die Republiken) es in ihrem Kräftemessen nicht bei Drohgebärden belassen, wurde schon in der ersten Staffel der Prequels deutlich gemacht, und zuletzt überdeutlich in Folge 7: Laurin, in der Brandis mit seinen Kameraden in den Kessel von Baku geschickt wurde, um diesen gegen die Republiken zu verteidigen. Nicht nur heißer sondern auch ein kalter Krieg fordert Opfer – diese Lektion hat der junge Mark bereits gelernt. Und in der neuen Folge lernt er sie ein weiteres Mal.

Balthasar v. Weymarns Geschichte beginnt als ein weiterer Abschnitt in Brandis' Ausbildung zu Raumfahrer, lässt den Protagonisten im weiteren Verlauf auf seine alte Flamme Nina treffen und wächst sich zu einem Verschwörungsthriller aus, in dessen Finale Brandis im Stile eines Nachwuchs-Bonds alles daransetzt, die den Weltfrieden bedrohenden perfiden Pläne der Schurken zu vereiteln, die sich zu diesem Zwecke auf dem Mond eingenistet haben. Mit der Rückkehr von Nina Aaby-Ericsson schlägt die Serie den Bogen zurück zu ihren Anfängen, handelt es sich bei ihr doch um Marks erste große Liebe. Ihretwegen ließ er sich in Folge 1 auf eine Dummheit ein, die beinahe seine Pläne zunichte gemacht hätte, eines Tages ins Weltall zu starten. Seit jenen Tagen ist inzwischen einige Zeit vergangen und sowohl Nina als auch Mark haben sich weiterentwickelt, was an Brandis' Gefühlen für Nina jedoch nichts ändert. Glücklicherweise versteht es der Plot, nicht in Richtung Schmonzette abzudriften, sondern nutzt die Gefühle von Mark für Nina als emotionale Komponente in einer ansonsten auf Abenteuer und Action setzenden Handlung, die mit jener Konsequenz zu Ende geführt wird, die frühere Folgen teilweise vermissen ließen. Hatte v. Weymarn in Folge 4: Hinter den Linien die Erschießung von Alba Bravo durch Soldaten der Republiken an der Demarkationslinie zwischen den Blöcken schlussendlich in ein Täuschungsmanöver umgedeutet, mit dem das Überlaufen der Offizierin zur VOR getarnt werden sollte, so gibt es nun keine derartigen Hintertüren mehr. Es sind Dinge wie diese, die deutlich machen, dass sich Mark Brandis – Raumkadett in der seiner zweiten Staffel von der Tonlage her immer mehr der Originalserie annähert. Eine überaus willkommene Entwicklung, die nicht zuletzt den Reifeprozess der Hauptfigur verdeutlicht. Die Macher gehen diesen Weg in den kommenden Folgen hoffentlich entschlossen weiter.

Voll ausgereift sind hingegen die Leistungen der Casts und der Klangraum, den Jochim-C. Redeker für Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten geschaffen hat. Die Stammbesetzung Daniel Claus, Sebastian Kluckert, Sebastian Fitzner, Wanja Gerick und Leon Boden verstärken dieses Mal Sarah Alles Arne Kapfer Nico Nothnagel, Fang Yu, Hans-Eckart Eckhardt und Konrad Bösherz; Michael Lott gibt als erwachsener Mark Brandis wie gehabt den Erzähler. Die erfahrenen Sprecherinnen und Sprecher leisten durchweg gute Arbeit und sorgen für ein lebendiges Portrait der ihnen anvertrauten Charaktere. Was das Sounddesign und die Musik angeht, erweist sich Jochim-C. Redeker wieder einmal als sichere Bank, denn auch diese Folge zeichnet sich durch eine plastisch ausgestaltete akustische Kulisse aus, die viel Atmosphäre verströmt und somit den idealen Rahmen für das Geschehen bildet.

Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten weiß seine 56 Minuten Laufzeit für ein kurzweiliges Weltraumabenteuer zu nutzen, das eine schöne Balance zwischen Charakterentwicklung und Actionelementen findet. Sich von der Stimmung her auf die Originalserie zuzubewegen, ist definitiv die richtige Richtung. Weil man auch im Hinblick auf die Sprecherleistung, das Sounddesign und den Soundtrack nichts anbrennen lässt, bringt diese Interplanar-Produktion alles mit, was es braucht, damit man sie vorbehaltlos empfehlen kann.



Mark Brandis - Raumkadett Folge 8: Mondschatten ist seit dem 15. April 2016 offiziell im Handel erhältlich.



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