Filmkritik: «The First Avenger: Civil War» (seit dem 28. April 2016 im Kino)


Seit Donnerstag läuft er nun in unseren Kinos: Jener Film, der hierzulande The First Avenger: Civil War heißt und der im Original auf den Namen Captain America: Civil War hört. Der treffendste Titel, den Marvel Studios ihm hätte geben können, wäre Avengers: Civil War gewesen. Zwar führt der Streifen auch den Handlungsstrang aus The Return of the First Avenger weiter, doch in Hauptsache versteht er sich als ein ca. 145 Minuten langer Epilog zu den ersten beiden Avengers-Filmen, für dessen Drehbuch Christopher Markus und Stephen McFeely auf Motive der Comicgeschichte Civil War zurückgegriffen haben.

In The First Avenger: Civil War steht der Fortbestand der Avengers zu Disposition: Die Welt ist den Helden für ihren Kampf gegen Loki und Ultron zwar sehr dankbar, doch dass sie dabei eigenmächtig und über alle nationalen Grenzen hinweg operiert haben, bereitet der Staatengemeinschaft wegen der enormen Schäden und er zahlreichen Opfer unter Zivilbevölkerung große Bauchschmerzen. Abhilfe schaffen soll da ein Abkommen, welches die Avengers unter die Aufsicht eines UN-Gemiums stellt. Tony Stark (Iron Man) befürwortet diesen Plan, während Steve Rogers (Captain America) dagegen ist, dass die Helden zukünftig nur noch auf ausdrücklichen Befehl tätig werden dürfen. Dadurch entsteht in Riss im Team, der sich noch vertieft, als Cap sich für seinen alten Freund Bucky Barnes (Winter Soldier) einsetzt, dem die Urheberschaft an einem verheerenden Bombenanschlag zur Last gelegt wird. Die immer stärker werdenden Spannungen entladen sich schließlich in einem gewaltigen Schlagabtausch zwischen den Superhelden. Ganz zur Freude einer im Hintergrund agierenden dritten Kraft, die ihre Finger im Spiel hat und deren Ziel die Vernichtung aller Avengers ist...

2014 erhielten Markus und McFeely als Autoren sowie die Gebrüder Russo als Regisseure von The Return of the First Avenger (org.: Captain America: The Winter Soldier) berechtigterweise sehr viel Lob, denn die Mischung aus Superheldenfilm und Polit-Thriller konnte auf ganzer Linie überzeugen. In ihren neuen Film hat das Quartett sehr viel hineingepackt – und man kann sich fragen, ob dies wirklich nötig gewesen wäre. Eine Geschichte über Captain America, der auf der Suche nach dem sich auf der Flucht befindenden Bucky Barnes selbst zum Gejagten wird, hätre problemlos einen abendfüllenden Film hergegeben. Eine Story, in der sich die Avengers darüber entzweien, ob sie sich einer externen Kontrolle unterwerfen sollen, ebenfalls. Civil War erzählt diese beiden Plots nun gleichzeitig, was einen langen, aber durchaus unterhaltsamen Film ergibt, der in manchen Szenen jedoch etwas erzwungen wirkt. So werden extra für den in den Trailern prominent herausgestellten großen Kampf der Superhelden mit Hawkeye und Ant-Man extra zwei Figuren aktiviert, die für die sonstige Handlung keinerlei Rolle spielen. Und der erste Auftritt von Spider-Man in einer Marvel Studios-Produktion besitzt eher den Charakter einer Promotion für den kommenden Streifen Spider-Man: Homecoming, als das er für The First Avenger: Civil War Relevanz besäße. Organisch aus dem Geschehen heraus ergibt sich hingegen die Einführung des Black Panther, der im Verlauf des Films zu einer interessanten Figur entwickelt wird. Seine Motivation wird nachvollziehbar hergeleitet, wie auch die unterschiedlichen Standpunkte von Iron Man und Captain America in der "Kontroll-Frage" durchaus plausibel sind. Positiv anzurechnen muss man es den Autoren außerdem, dass sie es sich mit der Beantwortung der Frage, wer von den beiden denn nun im Recht ist, nicht einfach gemacht, und sich zudem einen Twist aufgespart haben, der das Finale zum emotionalen Höhepunkt des Streifens werden lässt. Robert Downey jr. und Chris Evans sind in absoluter Topform und bilden die Speerspitze eines souverän agierenden, aus den Avengers-Filmen bekannten Casts, der durch Chadwick Boseman als Black Panther und Daniel Brühl als Zemo überzeugend verstärkt wird.

Was ansonsten von The First Avenger: Civil War im Gedächtnis bleibt, ist die unglaubliche Zahl an optisch grandiosen Action- und  Kampfszenen, die sich gegenseitig zu überbieten versuchen und dabei Gefahr laufen, komplett die Bodenhaftung zu verlieren. Könnte jene Szene zu Beginn, in der die Avengers in Lagos Terroristen verfolgen, die zuvor aus einem Labor einen gefährlichen Krankheitserreger gestohlen haben, auch ebenso gut aus einem James Bond-Film stammen, überspannt man später den Bogen doch massiv, wenn Cap einen Helikopter am Start hindert, indem er sich mit einer Hand an der Kufe des Hubschraubers festhält, während er mit der anderen Hand ein Geländer umklammert. Plötzlich ist es da, dieses cartoonhafte Over-the-Top-Feeling, das Marvel zu vermeiden trachtet. Dieses Abgleiten in Regionen des Absurden, das geeignet ist, die Charaktere ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben. Doch glücklicherweise bleibt es bei Ausrutschern, die der Film insbesondere durch hohes Erzähltempo schnell wieder wett macht.

The First Avenger: Civil War reflektiert die bisherigen Abenteuer der Avengers und schlägt zugleich ein neues Kapitel in der Saga dieser Superheldentruppe auf. Der Film setzt auf die bewährte Marvel-Formel aus reizvollen Charakteren, Drama und effektvoll inszenierter Action, womit er sicherstellt, dass ihn die Fans mit Sicherheit lieben werden. Bietet er ihnen doch alles, was sie von Produktionen der Marvel Studios seit Jahren gewohnt sind. Doch auch allen, die keine ausgesprochenen Comicfans sind, empfiehlt sich The First Avenger: Civil War als rasantes, visuell beeindruckendes Unterhaltungskino. Ein Film, also, den man gesehen haben sollte.



The First Avenger: Civil War läuft in 3D seit dem 28. April 2016 in den deutschen Kinos.

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