Max hat die Haare schön: Mein Kommentar zu den Oscars 2016


Die Zeiten, in denen ich mir die Nacht um die Ohren gehauen habe, um mir im Fernsehen die Oscarverleihung anzusehen, sind schon länger vorbei. Zu vorhersehbar sind die Preisträger; zu sehr unterscheidet sich das, was da prämiert wird, von dem, was ich mir im Kino gerne anschaue. Und beim Blick auf die Gewinnerliste des Jahres 2016 habe ich es wieder nicht bereut, im Bett geblieben zu sein.

Vordergründig kann das Science-Fiction-Kino mit seinem Abschneiden bei den diesjährigen Academy Awards durchaus zufrieden sein, denn immerhin sieben Oscars konnten Genreproduktionen einheimsen. Allerdings eben nicht in den "Premiumkategorien" (also Bester Film, Bester Schauspieler/Schauspielerin, Beste Regie), sondern überwiegend in den "technischen Kategorien" wie Schnitt oder Kostüme. Und sechs der sieben Auszeichnungen entfielen auf einen einzigen Film: Mad Max: Fury Road. Dessen Fans dürfen sich nun rühmen, Liebhaber jenes Streifens zu sein, dessen Cast im letzten Jahr die Haare am schönsten hatte und am besten geschminkt war. Auch gab es noch Oscars für das Produktionsdesign, die Kostüme, den Bildschnitt, den Tonschnitt und die Tonmischung. Den Ausgezeichneten seien ihre Trophäen gegönnt und der Verleiher kann ab jetzt sechs Goldjungen auf das Cover der Blu-ray des Films drucken lassen. Wer fragt hinterher noch, für was es die gab?

Zum Film mit den besten visuellen Effekten kürte die Academy mit Ex Machina einen Streifen, den außer den Jurymitgliedern kaum jemand sonst gesehen hat. Weltweit 35 Mio. Umsatz am Box Office – muss ich noch mehr sagen? Aber vielleicht verhilft der Oscar dem Film ja noch wenigstens nachträglich zu etwas Aufmerksamkeit. Und für Regisseur/Autor Alex Garland ist es möglicherweise eine Genugtuung, dass sein Film zwar an den Kinokassen von Avengers 2: Age of Ultron komplett geplättet wurde, aber immerhin einen Oscar mehr gewinnen konnte als Joss Whedons Superheldenfilm, der wie sein Vorgänger drei Jahre zuvor leer ausging. Ohne Würdigung blieben auch Jurassic World und Der Marsianer – Rettet Mark Watney. Letzteres trifft natürlich gerade die Fans der Hard-SF, denn bei der letztjährigen Veranstaltung konnte Interstellar fünf Oscars gewinnen, und 2014 sprangen für Gravity sogar sieben goldene Statuetten heraus. Vom Mars zurück auf die Erde hat es der wagemutige Mark geschafft, dem wahnsinnigen Max musste er sich bei den Oscars geschlagen geben. So hart kann das Leben sein.

Und sonst? Glückwunsch an Leonardo DiCaprio, denn fair ist fair. Es war ein weiter Weg von Titanic bis hierhin. Spotlight werde ich mir trotz der Auszeichnung als bester Film nicht anschauen. Und mit 87 Jahren gewinnt Ennio Morricone seinen ersten "richtigen" Oscar. Den Ehrenoscar von 2007 zähle ich nicht mit, denn den bekam er ja nur, weil man Morricone bis dahin immer übergangen und Angst hatte, der Komponist könnte ohne Oscar aus dem Leben scheiden. Auf die gleiche Weise hatte man sich 1968 ja bekanntlich schon bei Alfred Hitchcock aus der Affäre gezogen. Und darüber, dass Jimmy Napes und Sam Smith für Writing's On The Wall, dem bisher schlechtesten Titellied in der Geschichte der Bond-Filmserie, einen Oscar gewonnen haben, bin ich immer noch nicht hinweg. Wie schlecht müssen da erst die Songs in anderen Filmen gewesen sein? Oder gab es vielleicht außer bei Bond in keinem anderen Film Songs? Ich muss das mal nachprüfen...


Nach den Oscars ist vor den Oscars. Das Rennen um die Goldjungs des nächsten Jahres ist ja bereits eröffnet, und wer mag, darf gerne gespannt darauf sein, wer 2017 abräumen wird. Mir hingegen wird wohl wieder am Morgen danach der Blick auf die Liste der Sieger reichen.

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