Filmkritik: «Star Wars: Das Erwachen der Macht» (seit dem 17. Dezember 2015 im Kino)


Wahrscheinlich ist es taktisch unklug, eine Filmkritik mit dem Fazit zu beginnen. Doch auch auf die Gefahr hin, dass manche von euch nach dem ersten Absatz nicht weiterlesen, mache ich das jetzt einfach mal. Also: Star Wars: Das Erwachen der Macht ist ein optisch immens eindrucksvoller Film, der sehr unterhaltsam weil kurzweilig ist und der von J. J. Abrams nahezu perfekt in Szene gesetzt wurde. Die Star-Wars-Fans werden Episode VII lieben, daran besteht meinerseits überhaupt kein Zweifel.

J. J. Abrams hat bekanntlich Erfahrung im Umgang mit legendären Science-Fiction-Franchises. 2009 verpasste er Star Trek eine Frischzellenkur, und nun hievt er 22 Jahre nach Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter und 10 Jahre nach Episode III: Die Rache der Sith Star Wars zurück auf die große Leinwand. Er tut dies, indem er vorgeht wie ein Schütze bei einem Elfmeter ohne Torwart: Er geht kein Risiko ein, sondern schießt flach in die Mitte. Das ist nicht sonderlich originell, garantiert aber einen Treffer. Übertragen auf Star Wars heißt Abrams' Spielgerät Star Wars: Das Erwachen der Macht, das Tor ist die Kinokasse und die Strategie lautet: Machen wir doch einfach noch einmal Episode IV. Und tatsächlich ist es geradezu brillant, wie Abams und Koautor Lawrence Kasdan es schaffen, den Umstand zu kaschieren, dass dieses Sequel in Wahrheit ein Remake ist. Sie übernehmenden den Basisplot des Klassikers von 1977, dessen Figurenkonstellationen sowie Motive und arrangieren sie neu mit dem Ziel einer Stabübergabe von der alten an die neue Generation. Dass dieses Konzept, für das Filmemacher in anderen Kontexten vom Publikum wahrscheinlich gekreuzigt würden, Abrams und Co. aber nicht zum Nachteil gereicht, hat primär zwei Gründe: Einerseits erzählt der Film trotz der 135 Minuten Laufzeit seine Geschichte so rasant, dass einem erst im Nachhinein klar wird, was man da eigentlich gesehen hat. Und andererseits macht die offensichtliche Verbundenheit mit der "alten Trilogie" Star Wars: Das Erwachen der Macht eben genau zu jenem Film, den die Fans sehen wollen. Denn er verzichtet auf alles, was die Warsler an der Prequel-Trilogie hassen: Kein radebrechender nerviger CGI-Charakter wie Jar Jar Binks; kein Kind als Retter der Galaxis; keine langatmige Romanze zwischen zwei der Hauptfiguren, von der ohnehin jeder weiß, dass sie unglücklich enden wird. Episode VII wirft alle "kindgerechten Elemente" über Bord und erspart den Fans damit Momente des Fremdschämens. Vorbei sind auch Zeiten der Hochglanzatmosphäre, der erdige Used Look ist zurück.

Zurück sind auch eine Reihe von Charakteren aus der alten Garde, und allein schon Harrison Ford oder Carrie Fisher noch einmal in ihren berühmten Rollen zu erleben, ist ein ausreichender Grund, sich Star Wars: Das Erwachen der Macht anzuschauen. Hinzu gesellen sich neue Figuren, die in Zukunft die Fackel der Star-Wars-Saga weitertragen sollen. Der gerechten Sache verschrieben haben sich Ray (dargestellt von Daisy Ridley), Finn (John Boyega) und Poe (Oscar Isaac), auf der dunklen Seite der Macht steht Kylo Ren (Adam Driver). Ist die Charakterisierung und Besetzung der neuen Helden durchaus gelungen, ist der Schurke leider eine Enttäuschung. Alles, was an diabolischer Aura um Kylo Ren aufgebaut wurde, ist mit jenem Moment verfolgen, in dem er zum ersten Mal seine Maske abnimmt. Denn da ist es wieder: Das Milchgesicht, dem man es einfach nicht abnimmt, dass sein Besitzer wütend ist, da man es Adam Driver förmlich ansieht, wie sehr er sich quälen muss, um diesen Ausdruck überhaupt hinzubekommen. Jener Gesichtsausdruck, wie man ihn aus den Episoden II und III kennt, und den der neue Film doch eigentlich vergessen machen will. An seiner Seite agiert Domhnall Gleeson als ein General General Hux, der wohl eine Reverenz an Peter Cushings Grand Moff Tarkin sein soll, dem dafür aber jegliche Ausstrahlung fehlt. Es tut weh, wenn man darüber nachdenkt, wie großartig Max von Sydow, der nur einen kurzen Auftritt absolviert, in dieser Rolle gewesen wäre. Ein schlecht animierter Supreme Leader Snoke, immerhin der Anführer der Ersten Ordnung, macht das Desaster für die dunkle Seite perfekt. Dieser Aussetzer in Sachen CGI ist wirklich überraschend, denn ansonsten hat man die Effekte hervorragend im Griff. Insbesondere schafft man es, sie nicht zum Selbstzweck werden zu lassen, sondern sie stattdessen in den Dienst der Geschichte zu stellen, wodurch sie eine unheimlich große visuelle Kraft entfalten.

Star Wars: Das Erwachen der Macht ist perfekt konfektioniertes und auf den Geschmack eines Mainstreampublikums zugeschnittenes Popcorn-Kino. Seine extrem tiefe Verbeugung vor dem ursprünglichen Krieg der Sterne kann man als einen Mangel an Originalität kritisieren, als ziemlich clevere Strategie betrachten oder aber auch interpretieren als einen Beleg für die Zeitlosigkeit von George Lucas' Geschichte über den Kampf zwischen Gut und Böse. Welche Perspektive man auch einnimmt, richtig gute Unterhaltung ist der Film auf jeden Fall. Und das ist ja die Hauptsache.



Star Wars: Das Erwachen der Macht läuft seit dem 17. Dezember 2015 offiziell in den deutschen Kinos.

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