Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 1: Entführung auf hoher See» (Maritim)


Der Schriftsteller Jules Verne (1828-1905) gilt gemeinhin als einer der Pioniere oder auch Väter der Science-Fiction. Eines Genres, dessen Bezeichnung übrigens zu Lebzeiten des Franzosen noch gar nicht existierte, denn der Begriff kam erst ab 1926 im Zusammenhang mit Hugo Gernsbacks Magazin Amazing Stories auf. Vernes Erzählungen 20.000 Meilen unter dem Meer, Robur, der Eroberer, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde oder Von der Erde zum Mond sind Klassiker der SF-Literatur, die über die Jahrzehnte immer wieder fürs Kino oder Fernsehen verfilmt oder auch als Hörspiele adaptiert wurden. Und gleiches gilt auch für Vernes berühmten Abenteuerroman In 80 Tagen um die Welt. In der unlängst vom Martim Verlag gestarteten Hörspielserie Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg kreuzen sich nun die Wege von Vernes bekanntesten Charakteren. Und gleich in Folge 1 kommt es zu einer Entführung auf hoher See.

Seine Weltreise in 80 Tagen hat dem Abenteurer Phileas Fogg Ruhm und Anerkennung eingebracht. Doch zum Ausruhen bleibt ihm keine Zeit: als der bekannte Meeresforscher Professor Aronnax auf hoher See vermisst wird, macht sich Fogg auf die Suche. Gemeinsam mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Freund und Diener Passepartout besteigt er die 'Abraham Lincoln' - just jenes Schiff, von dem der Professor verschwand. Doch während sich an Bord die Anzeichen für ein Verbrechen verdichten, taucht plötzlich ein ehrfurchtgebietender Gegner auf: das Unterseeboot Nautilus und sein enigmatischer Kapitän Nemo. Sind sie der Schlüssel zum Verschwinden des Professors? Und welche dunklen Geheimnisse bringen sie aus der Tiefe der Meere ans Licht?

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg wurde von Maritim als Serie konzipiert, deren Staffeln vorerst jeweils vier Folgen umfassen. Jules Verne höchstselbst fungiert als Erzähler, der den Hörer einläd, ihn in eine Welt der Abenteuer und Geheimnisse zu begleiten. Die erste Staffel stammt aus der Feder von Markus Topf (u.a. Mord in Serie), dessen Skript sich nicht lange mit Vorreden aufhält, sondern den Protagonisten samt Ehefrau und Diener zügig in sein nächstes Abenteuer schickt, nachdem sich das Trio einige Zeit von den Strapazen der Weltumrundung erholen konnte. Was Phileas Fogg, Aouda und Passepartout im weiteren Verlauf von Folge 1: Entführung auf hoher See, die nach ca. 62 Minuten mit einem Cliffhanger endet, erleben, mag für die drei Abenteurer neu sein – allen, die mit dem Roman 20.000 Meilen unter dem Meer oder einer seiner Adaptionen vertraut sind, geht es allerdings anders. Die Handlung des Hörspiels folgt dem Plot der Inspirationsquelle; nur sind es jetzt eben Phileas Fogg und Co , die jenes Schicksal erleiden, dem sich in der Vorlage bislang Professor Aronnax, dessen Diener Conseil und Ned Land zu stellen hatten. Es kommt also wie gehabt zur verhängnisvollen Begegnung zwischen der Abraham Lincoln und der Nautilus, und auch der Kampf gegen ein gefräßiges Wesen der Tiefsee darf nicht fehlen. Wirklich neue Aspekte gibt es wegen der Treue zum Ausgangsmaterial in dem Hörspiel zwar nur wenige, doch die Handlung wird stringent erzählt, besitzt sympathische Charaktere und versteht es, nicht zuletzt durch ihren hohen Grad an Action, kurzweilig zu unterhalten.

Was die Besetzung der Hauptrollen angeht, so fährt Maritim für diese Serie richtig groß auf. Mit Christian Brückner als Jules Verne/Erzähler konnte man die deutsche Stimme von Robert de Niro gewinnen; Phileas Fogg wird verkörpert von Sascha Draeger, Annina Braunmiller (Synchronstimme von Kirsten Stewart) spricht Aouda Fogg, Marius Clarén (er synchronisiert u.a. Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal) ist als Passepartout dabei. K. Dieter Klebsch (Synchronstimme von Hugh Laurie und Alec Baldwin) gibt einen eindrucksvollen Kapitän Nemo, die Rolle des Harpuniers Ned Land ist bei Bruce Willis' Synchronstimme Manfred Lehmann in besten Händen.Wie zu erwarten stand, ist die Performance aller Beteiligten absolut hochwertig und überzeugend. Eingebettet sind die Dialoge in eine atmosphärische Soundkulisse, die durch die Musik von Alexander Schiborr wirkungsvoll unterstützt wird. Das ist schon richtig großes Ohrenkino, das Maritim hier bietet.

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 1: Entführung auf hoher See hinterlässt als Auftakt für diese neue Serie einen durchaus positiven Eindruck. Die Geschichte steht noch ganz am Anfang und man wird die Folgen 2 bis 4 abwarten müssen, um ein endgültiges Urteil darüber fällen zu können, ob und wie sie ihr Potenzial tatsächlich abgerufen hat. Ein solider Beginn ist aber auf jeden Fall geglückt. Akustisch macht die Serie bereits jetzt schon ordentlich was her und lässt kaum Wünsche offen. Für Freunde klassischer Abenteuer-Geschichten, für Fans von Jules Verne und auch jene, die noch nie mit seinen Erzählungen in Kontakt gekommen sind, ist dieser Serienstart daher auf jeden Fall lohnenswert.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 1: Entführung auf hoher See ist ein Hörspiel von Maritim. Seit dem 6. November 2015 ist es im Handel erhältlich.


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