Filmkritik: «Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2» (seit dem 19. November im Kino)


Die Verfilmung von Suzanne Collins' Roman-Trilogie The Hunger Games, die 2012 mit Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele begann, findet ab heute in den deutschen Kinos mit Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 ihren krönenden Abschluss. Ein Moment, auf den die Fans der Reihe mit Spannung gewartet haben. Doch hat sich dieses Warten wirklich gelohnt?

Der Film hat kein Interesse daran, jenem Teil des Publikums eine Einstiegshilfe zu bieten, dem die Handlung der vorangegangenen drei Filme nicht bekannt ist. Stattdessen schließt er lieber an den Vorgänger nahtlos an und springt er direkt ins Geschehen. Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 ist ein Kriegsfilm. Ein Film über die letzten Zuckungen eines Präsidenten, der seine Niederlage dadurch herauszuzögern versucht, indem er die die Wege zu seinem Palast von den Designern der Hungerspiele durch trickreiche und vor allem tödliche Fallen „verminen“ lässt. Ein Film, der den Stellenwert von Moral und Ethik in Kriegszeiten thematisiert, und der die Protagonistin vor die Frage stellt, ob der Feind ihres Feindes wirklich ihr Freund oder lediglich der nächste Gegner ist. Im Stile eines klassischen Kommandofilms gilt es für Katniss, ihr Team (u.a. Gale, Peeta, Finnick) durch die Straßen des Kapitols ans Ziel zu führen und Snows Herrschaft ein Ende zu setzen. Doch wie es nicht anders sein kann, läuft natürlich kaum etwas nach Plan. Snows Fallen fordern ihre Opfer, ständig muss improvisiert werden. Katniss geben die Umstände jedoch Gelegenheit, ihre Führungsqualitäten gerade dann unter Beweis zu stellen, wenn diese von Mitgliedern der Gruppe eins ums andere Mal auch in Frage gestellt werden. Ist dann der Moment der Abrechnung schließlich gekommen, verläuft er anders, als man es aus vielen anderen Streifen gewohnt ist: Katniss stellt ein letztes Mal die Weichen des Schicksals von Panem, ehe sie wieder vom Symbol des Widerstands zum Menschen wird.

Über weite Strecken ist Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 ein wirklich sehenswerter Film, dem es gelingt, sein Publikum zu packen, mitfiebern und mitleiden zu lassen. Doch leider schweift er gelegentlich ab, gibt sich mitunter geschwätzig und nimmt an unpassenden Stellen das Tempo raus. Die einzelnen Aspekte der Handlung in ein austariertes Verhältnis zu bringen, fällt dem Skript von Danny Strong und Peter Craig bisweilen schwer, und der Regie von Francis Lawrence gelingt es nur teilweise, diese Schwächen im Spannungsbogen des Drehbuchs auszugleichen. Lawrence inszeniert routiniert aber nicht inspiriert. Und wenn sich im Laufe des Films gewisse Kamerablickwinkel zu wiederholen beginnen, offenbart der Regisseur damit, dass seine filmischen Ausdrucksmöglichkeiten offenbar begrenzt sind. Action kann Lawrence, doch in den ruhigeren Momenten weiß er mit den Charakteren und ihrem Seelenleben nur wenig anzufangen. Besonders deutlich wird dies im zu lang geratenen Finale: Anstatt konsequent einen wirklich emotionalen Schlusspunkt zu setzen, findet der Film scheinbar kein Ende, will unbedingt weitererzählen, reiht Szene an Szene. Für den Zuschauer ist längst alles gesagt, doch der Streifen will sein Publikum einfach nicht entlassen. Nach 137 Minuten ist dann tatsächlich Schluss – bei stringenterer Erzählweise hätten es 120 Minuten auch getan, denn nicht nur am Ende, sondern auch im früheren Verlauf hätte man kürzen können.

Jennifer Lawrence trägt den Film mühelos und macht Katniss Everdeen erneut eindrucksvoll zum emotionalen Zentrum. Das Portrait einer Frau, der es zwar Entschlossenheit nicht mangelt, gleichzeitig aber von der Last der Verantwortung für das Gelingen der Revolution fast erdrückt wird, gelingt ihr ganz vorzüglich. An ihrer Seite machen Josh Hutcherson und Liam Hemsworth eine gute Figur. Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Donald Sutherland, Julianne Moore, Stanley Tucci, Philip Seymour Hoffman, Jena Malone, Natalie Dormer, Willow Shields und Jeffrey Wright sorgen darüber hinaus dafür, dass die Leistung des Casts absolut überzeugen kann. Auch von den Sets, der Ausstattung und den Effekten her macht Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 einen wirklich hervorragenden Eindruck, der Soundtrack von James Howard Newton fällt atmosphärisch aus.

Seiner Aufgabe, die Saga um Die Tribute von Panem auf spannende Weise zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, zeigt sich Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 weitgehend gewachsen. Sicherlich hätte der Film sie fokussierter und mit einem etwas feineren Gespür für das richtige Timing bewältigen können, doch ändert dies nichts daran, dass er zu unterhalten versteht und Antworten auf viele offene Frage offeriert. Wer die bisherigen Teile mochte, wird deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit auch den letzten Film der Reihe mögen.



Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 läuft ab dem 19. November 2015 in den deutschen Kinos.

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