DVD-Kritik: «Doctor Who – Sechster Doktor Volume 1» (ab dem 27. November 2015 im Handel)


Im Jahre 1983 hatte die BBC Grund zum Feiern: Doctor Who beging seinen 20. Geburtstag und die Serie erfreute sich weiterhin beim Publikum einer ungebrochenen Beliebtheit. Was die Stimmung etwas trübte, war jedoch die Ankündigung von Hauptdarsteller Peter Davison, die TARDIS am Ende der kommenden Staffel wieder verlassen zu wollen. Produzent John Nathan-Turner musste sich also auf die Suche nach einem Nachfolger begeben – und fand ihn in Person des erfahrenen Schauspielers Colin Baker, der zuvor in der DW-Folge Arc of Infitnity in einer Nebenrolle zu sehen gewesen war. Was Baker zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Seine Amtszeit sollte ziemlich stürmisch verlaufen. Die ersten Abenteuer mit Baker als Time Lords versammelt Pandastorm in der DVD-Box Doctor Who – Sechster Doktor Volume 1, die ab dem 27. November im Handel ist.

Der Wechsel von Peter Davison zu Colin Baker fiel in eine Phase des strukturellen Umbruchs für die Serie selbst. Hatte man Doctor Who zuletzt an zwei Abenden unter der Woche gesendet, so gab man ihr nun ihren klassischen Sendeplatz am Samstagabend wieder. Doch damit nicht genug: Um sie besser in den USA vermarkten zu können, wandte sich die BBC vom Serial-Prinzip mit Episoden à 25 Minuten ab und genehmigte stattdessen für die 22. Staffel Folgen mit jeweils 45 Minuten Laufzeit. Jedoch dampfte man gleichzeitig die Zahl der Folgen pro Staffel deutlich ein. Der Geschichte Zweimal Einstein, mit der Baker seinen Einstand gibt, merkt man diese ganzen Veränderungen jedoch noch gar nicht an, denn sie fand nicht zu Beginn der neuen Staffel statt (zum letzten Mal hatte es so etwas 1966 gegeben), sondern im letzten Mehrteiles des Vorjahres. Dementsprechend ist Zweimal Einstein noch ein Vierteiler, bestehend aus 25-Minütern. Auf den umgänglichen fünften Doctor folgte nun ein sechster, dessen Gemüt starken Schwankungen unterworfen war, bei dem sich Jähzorn und Ängstlichkeit genauso abwechselten, wie Eloquenz und Naivität. Ausdruck seines Wesens war ein Outfit, dass klassische Schnitte mit knallbunten Farben Farben kombinierte. Ziel war es, den Doctor wieder unberechenbarer und mysteriöser wirken zu lassen; dem Publikum zwar einerseits vertraut, aber dennoch neu und frisch. Von seinem Vorgänger übernahm Doctor Nummer 6 als Companion die amerikanische Studentin Perpugilliam (kurz: Peri) Brown, dargestellt von Nicola Bryant. Diese wurde auf Geheiß des Produzenten in tief ausgeschnittene Tops, Shorts und hochhackige Schuhe gesteckt, um (wie er spät zugab) den Sex-Appeal der Serie zu erhöhen. Bei den männlichen Zuschauern kam man damit gut an, doch es regte sich auch Unmut, weil DW eine Serie war, die von Kindern gesehen wurde. Und weil der sechste Doctor mit seinen Gegner nicht gerade zimperlich umging (was durchaus seinem Charakter entsprach), geriet die Serie zudem ins Fahrfasser der Diskussion um Gewalt im Fernsehen. Aus heutiger Sicht wirken Bryants Klamotten eher als Ausdruck der modischen Entgleisungen der 1980er und die Gewaltdarstellungen vergleichsweise harmlos, doch seinerzeit brachte die an diesen Dingen geäußerte Kritik die BBC-Oberen zum nachdenken.

Wie seine Vorgänger, so hat auch der sechste Doctor von Beginn an alle Hände voll zu tun. In Zweimal Einstein muss er die Pläne des fiesen Mestor vereiteln, und gleich zu Beginn der neuen Staffel bekommt er es in Angriff der Kybermänner mit den Cybermen zu tun, die zu seinen Erzfeinden zählen. Weiter geht es mit der Geschichte Revolte auf Varos, welche die Rolle des Fernsehens in einer Gesellschaft thematisiert und zudem eine bitterböse Satire über die Machenschaften von Konzernen ist. Und schließlich reisen der Doctor und Peri ins England des 19. Jahrhunderts, wo sie in Die Rache des Meisters nicht nur auf einen weiteren langjährigen Widersacher treffen, sondern auch auf die Rani, die mit dem Meister ein unheilvolles Bündnis eingeht. Die Geschichten der 22. Staffel profitieren von der längeren Laufzeit der Folgen, da sie nun die Möglichkeit hatten, sich zu entwickeln und zu entfalten, ohne dem nächsten Cliffhanger entgegenhetzen zu müssen. Angriff der Kybermänner, Revolte auf Varos und Die Rache des Meister sind dabei als Zweiteiler mit gelungenem Spannungsbogen angelegt, die auch heute noch zu unterhalten verstehen. Neben Colin Baker und Nicola Bryant warten die vier Geschichten dieser DVD-Box mit einer ansehnlichen Riege von bekannten britischen Schauspielerinnen und Schauspieler der damaligen Zeit aus. Mit von der Partie sind u.a. Maurice Denham, Edwin Richfield, Kevin McNally, Maurice Colbourne, Brian Glover, Terry Molloy, Nabil Shaban, Martin Jarvis, Forbes Collins, Anthony Ainley, Kate O'Mara und Terence Alexander. Es ist immer wieder sehr interessant, wer alles für einen Auftritt in Doctor Who gewonnen werden konnte oder von sich aus nur zu gerne einmal (oder auch mehrfach) mitspielen wollte.

Zusammengerechnet bringen es die vier DW-Abenteuer der Box Doctor Who – Sechster Doktor Volume 1 auf eine Spielzeit von ca. 370 Minuten. Doch wie schon bei der Veröffentlichung der vorangegangenen Boxen praktiziert, hat sich Pandastorm erneut nicht lumpen lassen, jede Menge Bonusmaterial mit auf die Scheiben gepackt und sogar eine der fünf DVDs allein für Featurettes, Outttakes und Ausschnitte aus zeitgenössischen TV-Sendungen reserviert, in denen es um die Serie und ihren neuen Hauptdarsteller ging. Deutsche (DD 2.0) und englische Tonspur (DD 2.0, DD5.1) stehen zu Auswahl, Audiokommentare existieren zu jeder Folge, man kann sich auf die Suche nach Easter Eggs begeben oder im Booklet Infos zu den Folgen der 22. Staffel und den Hauptdarstellern nachlesen. Ein wirklich schönes Gesamtpaket wurde da geschnürt, das diese Ära in der Historie von Doctor Who anschaulich und sehr unterhaltsam dokumentiert.

Nach den drei Boxen mit den Staffeln des siebten Doctors und dem Serienspecial Doctor Who – Die fünf Doktoren beginnt Pandastorm also nun damit, die Wege des Time Lords in seiner sechsten Inkarnation nachzuzeichnen. Und dies mit einer Box, die über sechs Stunden an DW-Abenteuern und über fünf Stunden an Bonusmaterial zu bieten hat. Dies macht Doctor Who – Sechster Doktor Volume 1 zu einer echten Empfehlung für alle, die diese spannende Phase in der Geschichte des Serienklassikers Doctor Who erkunden möchten.


Doctor Who – Sechster Doktor Volume 1 ist ab dem 27. November 2015 erhältlich.

Fotos: © BBC

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