Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Das Auge des Phönix» (Frank Hammerschmidt/Hoerspielprojekt)


Zwei Ausgaben der SF-Hörspielanthologie Die Zukunfts-Chroniken sind dieses Jahr bereits erschienen. Und nun steht die dritte Produktion zur Veröffentlichung an, die am 30. Oktober ab 20:00 Uhr ihre Premiere im Webradio von Hoerspielprojekt erleben und im Anschluss zum kostenfreien Download verfügbar sein wird. Die Zukunfts-Chroniken: Das Auge des Phönix lautet der Titel, der dem einen oder anderen Hörer vielleicht vertraut vorkommen dürfte.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...

Phönix, so nennt man die junge Frau, die im Krieg nicht nur ihr Auge verloren hat, sondern auch ihre Ideale. Die Beschaffung künstlicher Organe ist ihr Geschäft... mit allen Mitteln. Doch dann wird sie selber zur Gejagten.

2011 gab es Das Auge des Phönix schon einmal, seinerzeit als Lesung bei den Mindcrusher Studios im Rahmen der Reihe Endstation Zukunft. Frank Hammerschmidt hat sich seine Geschichte von damals noch einmal vorgenommen, sie deutlich überarbeitet und in ein Hörspielskript verwandelt, das nun als Grundlage für diese Neuauflage dient. Wie gehabt rekrutiert sich die Besetzung aus den Reihen des Hoerspielprojekts; Schnitt und Abmischung wurden erneut von der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld übernommen. Mit ca. 40 Minuten ist Folge 3 deutlich länger als ihre beiden Vorgänger, präsentiert sich jedoch inhaltlich als genauso kompakt. Angesiedelt irgendwann nach einem verheerenden nuklearen Krieg, der keine Sieger sondern nur Überlebende hervorgebracht hat, erzählt Frank Hammerschmidt die Geschichte der ehemaligen Soldatin Phönix, deren Gesicht entstellt ist und deren Körper mit allerhand kybernetischen Ersatzgliedmaßen ausgestattet wurde. Den Krieg hat sie auf diese Weise überstanden, doch aus der Soldatin ist eine Art Aasgeier geworden, der die Reste der menschlichen Zivilisation ausweidet, um seine Beute an die neuen Mächtigen zu verkaufen. Skrupel kann sie sich nicht leisten und freundschaftliche Gefühle bringt sie nur Jacobus entgegen, einem Kameraden aus Kriegstagen, der als Erzähler durch die Handlung führt. Von ihm, der die Protagonistin schon lange kennt, erfahren wir so manches über Anna, über ihre Vergangenheit, ihren Alltag: Ihre Welt ist geprägt von Verfall, Gewalt und Ausbeutung, eine zusammengebrochene moralisch verkommene Gesellschaft plündert sich selbst. Und Phönix/Anna macht mit, bis sie selbst (bzw. ihr künstliches Auge) zum Ziel der Begehrlichkeit wird. Und Anna reagiert auf die einzige Weise, die auf Gewalt basierende Strukturen zulassen: Mit Gegengewalt. Doch gleichzeitig sucht sie einen Ausweg aus der Spirale – und findet einen, der ihr entspricht, jedoch ein großes Opfer von der Kämpferin erfordert.

Sonja Schreiber gelingt ein eindringliches Portrait der desillusionierten, aber durchaus selbstbewussten und resoluten Ex-Soldatin Phönix, Werner Wilkening überzeugt mit sonorer Stimme als Jacobus/Erzähler. Auch für die übrigen Rollen konnten die passenden Stimmen gefunden werden. So spielt Ronald Martin Beyer Annas ehemaligen Lover Leroy; Ralf Searge Pappers, Michael Gerdes sowie Felix Würgler stellen unter Beweis, dass sie druchaus in der Lage sind, zwielichtige und schmierige Typen darzustellen. Hannah Jöllenbeck, Amalie Bormann, Dennis Prasetyo, Marek Schaedel, Dennis Oberhach, Roland Möntemann, Klaus Neubauer und Klaus Schankin runden einen Cast ab, dessen Leitstung sich wirklich hören lassen kann. Das Intro spricht Jörg Buchmüller, die Credits Annika Gamerad. Schnitt und Abmischung durch die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld sind sehr ansprechend, denn Actionszenen hat man genauso im Griff wie auch ruhigere Momente. Die eingesetzten atmosphärischen sowie die situationsbezogenen Soundeffekte sorgen für die richtige Stimmung; die passend ausgewählten Musikstücke vervollständigen den wirklich ansprechenden akustischen Rahmen.

Die Zukunfts-Chroniken: Das Auge des Phönix ist ein düsteres Kapitel aus den Annalen dessen, was noch kommen wird. Zugleich besitzt dieses Hörspiel aber auch viel Tempo, Action und interessante Charaktere. Frank Hammerschmidt und seinen Partnern ist zum dritten Mal in Folge ein kurzweiliges SF-Hörspiel gelungen, das man sich gerne auch noch ein zweites oder drittes Mal anhört.


Die Zukunfts-Chroniken: Das Auge des Phönix ist eine Produktion von Frank Hammerschmidt und Hoerspielprojekt. Premiere ist am 30. Oktober 2015.

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