Comic-Review: «Perry Rhodan Comic #1» (Cross Cult, seit dem 14. Oktober im Handel)


Perry Rhodan. Ein Name, der deutsche SF-Fans automatisch aufhorchen lässt. Seit über 50 Jahren erlebt der Weltraumheld jede Woche Abenteuer in seiner eigenen Heftromanserie. Und nun kehrt er Dank Cross Cult nach vielen Jahren der Abwesenheit auch die Welt der Comics zurück. Einen Vorbericht zu Perry Rhodan Comic gab es hier im Blog vor ca. zwei Wochen (Link), und inzwischen ist das erste Heft im Handel erhältlich. Nehmen wir es also mal unter die Lupe.

Im Jahr 3540 ist Perry Rhodan auf einer Mission mit ungewissem Ausgang. Er befehligt das Fernraumschiff SOL mit rund 10.000 Personen Besatzung. Unter ihnen sind viele der legendären Mutanten: Menschen und Außerirdische mit scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten. Irgendwo im Universum gestrandet, suchen sie gemeinsam den Weg zurück zur heimatlichen Milchstraße. Ohne eine Spur kann die Suche Jahrzehnte dauern. Doch die entscheidenden Hinweise liefern möglicherweise die Kartographen der Unendlichkeit.

Cross Cult hat Perry Rhodan Comic als eine Heftserie konzipiert, deren Geschichten zyklisch erzählt werden sollen. Den Auftakt macht der Dreiteiler Die Kartographen der Unendlichkeit, dessen Prämisse mit den oben zitierten Worten knapp umrissen wird. Da zur Zielgruppe des neuen Comics nicht nur bestehende PR-Fans gehören, sondern auch SF-Anhänger und andere Leser, die noch nie zuvor mit dem dem Perry-Universum in Kontakt waren, wurde ein Punkt innerhalb der Chronologie der Heldentaten des Protagonisten gewählt, der kaum oder gar kein Vorwissen erfordert. Und in der Tat kann man als PR-Newcomer der Handlung problemlos folgen. Der Plot stammt von Kai Hirdt, die Zeichnungen besorgte der Italiener Marco Castiello und die Kolorierung nahm der Amerikaner Michael Atiyeh vor. Hirdt gehört zu den Stammautoren von Perry Rhodan Neo, bringt also profunde Kenntnisse über die PR-Mythologie in die Serie ein. Castiello und Atiyeh hingegen arbeiten regelmäßig für US-Comicverlage wie DC, Marvel oder Dark Horse, was man dem Artwork in Perry Rhodan Comic #1 auch deutlich ansieht. Castiello bedient sich jener dynamischen Bildsprache, wie sie in Übersee zum Standard gehört; und in ihren eng anliegenden, mit Designelementen aufgepeppten und bisweilen recht textilarmen Uniformen sehen Perry, Gucki und Co schon sehr wie Superhelden aus. Zudem gebärden sie sich gelegentlich auch so. Der Mix aus charakterlich sehr unterschiedlichen Figuren sorgt dafür, dass ein deutlich zu spürender Hauch von Guardians of the Galaxy durch den Comic weht. Den Perry-Puristen mag diese Herangehensweise womöglich nicht so gefallen, doch vorurteilsfreie Science-Fiction-Fans und unbelastete Leser dürfen sich über den gelungenen Auftakt eines hoffentlich spannend bleibenden Dreiteilers freuen.

Wer sich für die gedruckte Version entscheidet, dem liefert Cross Cult ein großformatiges, wendefähiges Poster mit. Wer mag, kann sich entweder das Cover des Heftes oder eine Illustration des Raumschiffs SOL an die heimische Wand hängen. Eine schöne Idee, die zudem einen gewissen Mehrwert schafft. Jedenfalls für jene, die das Poster herauslösen wollen. Den Sammlern, die bekanntlich Ausgaben im Originalzustand belassen, bleibt lediglich ein dickeres Heft im Bestand. Apropos Umfang: Hier sorgt der Verlag leider für unnötige Irritationen. In der Vorschau für die Monate Oktober 2015 bis März 2016 ist für Perry Rhodan Comic #1 von 36 Seiten plus Poster die Rede. Und dies stimmt auch, denn es ist üblich, zu den 32 Comicseiten die vier Seiten des Umschlags hinzuzurechnen. Auf der eigenen Website spricht Cross Cult jedoch von 48 Seiten und auch eBook-Shops listen das Heft mit diesem Umfang. Weil Teil 1 nicht mit einem Verweis im Stile von "Fortsetzung folgt" endet, ist bei manchen Lesern der Eindruck entstanden, unvollständige Dateien erhalten zu haben. Und andere Kunden äußern sich enttäuscht und/oder verärgert, weil sie für ihr Geld schlicht und ergreifend nicht jene 48 Seiten erhalten haben, die ihnen vor dem Kauf versprochen wurden. Wenn das mal nicht noch Ärger gibt. Auch im Hinblick auf das nächste Heft ist die Website nicht aktuell. Die angeblich 48 Seiten zum Preis von 4,99 Euro werden voraussichtlich nur 44 Seiten sein, für die man 5,99 Euro zu zahlen hat, wenn man die Print-Ausgabe erwerben möchte. Bei Cross Cult sind Profis am Werk, weshalb diese Schnitzer in der Informationspolitik doch sehr wundern. Vermeidbar wären sie auf jeden Fall gewesen.

Cross Cult darf durchaus für sich in Anspruch nehmen, mit Perry Rhodan Comic #1 ein Heft vorgelegt zu haben, das in puncto Story, Artwork und Ausstattung absolut punkten kann. Es bereitet den Boden für eine Serie, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben wird. Heft #2 erscheint am 22. Dezember. Diesen Termin habe ich mir direkt mal vorgemerkt.


Perry Rhodan Comic ist eine Heftserie von Cross Cult. Ausgabe 1 ist seit dem 14. Oktober 2015 im Handel.



Kommentare:

  1. Klingt gut.
    Perry Rhodan ist so ein gewaltiges Universum und trotz jahrelanger SciFi Liebe habe ich noch irgendwie keinen Zugang gefunden. Vielleicht dann durch den Comic? Ich warte allerdings auf die Trades. Ist jetzt keine Serie, wo ich unbedingt sofort alles haben muss, wie vielleicht TWD. ^^

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    1. Was den Zugang zum PR-Universum betrifft, ging es mir bislang ähnlich wir Dir. Darum habe ich in der Comicserie eine willkommene Chance gesehen. Zumal, da ein alle 2 Monate erscheinendes Heft kein großes Commitment darstellt. Hardcover-Sammelbände sind natürlich immer eine schöne Sache. Und für jemanden, der warten kann/möchte, sicherlich eine Alternative.

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  2. Sieht halt auch besser aus und lässt sich angenehmer irgendwo hinstellen. Bei Einzelnen Comics verstau ich die immer zu schnell in Kisten, meine Ultimate Editions von Invincible hingegen steht schön im Schrank, das (bzw. der Katalog des) Compendiums von Walking Dead liegt im Bad, als Klolektüre für meine Gäste usw.usf.
    Trades sind nu dahingehend gefährlich, wenn die Existenz des Comics von den Einzelverkäufen abhängt, wie so häufig in Amerika. Bestes Beispiel, weil topaktuell: The Omega Men von DC.
    Kritiker und Fanliebling, aber es kauft keiner, weswegen es bereits nach 9 Ausgaben eingestellt werden sollte. Obwohl von Anfang an verkündet wurde, dass die Story auf 12 Ausgaben ausgelegt ist. Fanaufschreie, haben dann glücklicherweise den Comic vor einer frühzeitigen Einstellung gerettet, jetzt ist es halt eine Limited Series.
    Hoffe aber, dass Cross Cult hier nicht so pingelig ist. Schließlich wurde hier von vornherein 12 Bände + Trades angekündigt, weswegen sie auch damit rechnen müssen, dass jemand darauf wartet.
    Obwohl sich hier auch ganz extrem die Faux-Pas mit der digitalen Distribution rächen können, hinsichtlich falsche Versprechungen und Angaben zu Preis und Seitenzahl.
    Schau'n wir mal. Zumindest ist das Comic interessanter für mich, als die [NEO] Bände, die ja eigentlich auch zum (Wieder-)Einstieg geschaffen worden.

    Offtopic: was nun eigentlich aus deinem CoWriter geworden, der sich vorgestellt hatte, aber irgendwie seitdem nix mehr veröffentlicht hat? Oder hab ich die nur übersehen/überlesen? O.o

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    1. Ich mag Trades (ob nun Soft- oder Hardcover) auch sehr; eben weil sie sich im Regal richtig gut machen.

      Was die Zukunft der Serie angeht, wird diese maßgeblich davon abhängen, wie sich die Hefte verkaufen. Und auch davon, ob Cross Cult das Material international lizensieren kann. Der deutsche Markt allein ist einfach zu klein, um die Kosten wieder refinanzieren zu können. Die Trades sind eine Zweitverwertung, mit der man zwar Einnahmen generieren kann, doch die Serie am laufen halten, können sie nicht. Wie Du richtig sagst: Schauen wir mal, wie sich die Sache entwickelt.

      Was den Offtopic betrifft: Mein Co ist immer noch an Bord. Wir stehen in engem Kontakt und haben das Arrangement, dass er hier bei mir im Blog veröffentlicht, wenn er ein Thema hat, über das er gerne schreiben möchte. In der letzten Zeit hat sich in dieser Hinsicht zwar nichts ergeben, doch das ist nur eine Frage der Zeit. Da wir uns regelmäßig austauschen und er mir viel Feedback gibt, bin ich sehr froh, ihn an Bord zu haben.

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  3. Okay, irgendwie hatte mich mein Browser grad ausgeloggt, sollte jetzt wieder richtig drin stehen.

    Ich finde es ja toll, dass es eine mehr oder minder BigName SciFi Comic Serie aus unseren Gefilden gibt. Vor allem, mit einem fähigen internationalem Team. Fände es schade, wenn es kaputt gehen würde, weil Cross Cult falsche Erwartungen an die Serie setzt.
    Noch dazu, da DC auch nix vergleichbares mehr hat (L.E.G.I.O.N. und R.E.B.E.L.S. sind schon seit Ewigkeiten außen vor und das Green Lantern Franchise wird immer mehr ausgedünnt und ist auch eher Superhelden in Space, als SciFi Kost) und Marvel hat mittlerweile die Guardians so oft gerebootet und neu aufgestellt, dass ich keine Lust mehr habe.
    Ach, Mensch, vielleicht schlag ich auch zu, wenn ich es im Bahnhofskiosk o.ä. sehe. Digital Copy gibt es ja leider nicht dazu. Das ist meiner Meinung nach eher ein Aufzieher, als ein Poster...

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  4. Perry Rhodan kannte ich bisher nur aus dem Supermarkt. Die Hefte lagen seit ich ein kleiner Junge bin, immer neben den John Sinclair Gespensterheften :-)

    Ich werde mir die Reihe auch einmal zulegen (Ein Sammelband soll ja laut Cross Cult noch kommen), denn der Ersteindruck ist wirklich gut!

    Viele Grüße
    Patrick

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    1. Ich würde inzwischen auch dazu raten, auf den Sammelband zu warten. Der kommt Ende März im schicken Hardcover und kostet kaum mehr als die drei Einzelhefte zusammengerechnet.

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