Hörspielrezension: «Fraktal 5: Trojaner» (Gigaphon Entertainment)


Innerhalb kurzer Zeit konnte sich die SF-Hörspielserie Fraktal aus dem Hause Gigaphon Entertainment eine treue Fangemeinde erarbeiten. Nun geht sie mit Fraktal 5: Trojaner in eine neue Runde, wobei die Handlung direkt an den Vorgänger Fraktal 4: Kontakt anschließt. 56 Minuten Spielzeit hat das neue Abenteuer, das sich seit dem 18. September 2015 offiziell im Handel befindet.

"Wer sind wir? Wo kommen wir her? Sind wir allein im Universum? Wenn wir einer fremden Zivilisation begegnen, was wird uns erwarten? Der erste Schritt in eine neue, existentielle Wahrnehmung? Oder der nicht aufzuhaltende Untergang?"

Die Besatzung der Skyclad fängt eine Rettungskapsel ab und staunt nicht schlecht, als dieser ein fremdartiges, aber faszinierendes Wesen entsteigt: Kari, eine Prinzessin vom Planeten Kintaru. Captain Pierce bietet ihr an, sie zu ihrer Heimat zu bringen. Damit durchkreuzt er allerdings die finsteren Pläne eines im Verborgenen lauernden Aggressors, der nun zum Handeln gezwungen wird…

Mit einem düsteren Kometen, gefräßigen Dinosauriern und mächtigen Raumschiffen hatte es die Crew der Skyclad während ihrer Reise bereits zu tun. Und nun kommt es in Fraktal 5: Trojaner endlich zur ersten direkten Begegnung mit einem höher entwickelten Bewohner des Fraktalraums. Weil man mit Kari allerdings ausgerechnet an die reichlich zickige Tochter des Regenten von Kintaru geraten ist, gestaltet sich die erste Gesprächsrunde mit dem fremden Gast ziemlich frostig, weshalb Jay Jublonski die Aufgabe zukommt, den Eisbrecher zu spielen. Auf seine bübisch charmante Art bekommt er es zwar hin, den Eisberg Kari ein ganzes Stück weit aufzutauen, doch dann wird es turbulent an Bord der Skyclad und plötzlich steht wieder alles in Frage, was bis dahin an Vertrauen aufgebaut wurde. Geschickt spielt Autor, Regisseur und Produzent Peter Lerf mit den Erwartungen des Publikums, indem er sie ein Stück weit bedient, um dann das Blatt zu wenden. Kari öffnet sich gegenüber Jublonski zwar, doch umgibt sie weiterhin Aura des Mysteriösen, denn den Hörer verlässt nie das Gefühl, sie verschweige mehr von sich und ihrer Welt, als die bereits sei preiszugeben. Dies macht Kari in kurzer Zeit zu einer sehr reizvollen charismatischen Figur, die für Captain Pierce, Commander Spooner, Lieutenant Jublonski und Co eine echte Herausforderung darstellt. Für Spannung in diesem Hörspiel sorgt jedoch nicht nur die Besucherin aus einer fremdem Welt, sondern auch die sinistre Feind, der bereits in der vorangegangenen Folge seine Macht eindrucksvoll demonstriert hatte. Er zieht weiterhin die Fäden und hat einen perfiden Plan ausgeheckt, der den Protagonisten erst spät klar wird. Etwas sehr spät, denn der aufmerksame Hörer riecht den Braten deutlich vor der Skyclad-Besatzung und wundert sich von Minuten zu Minute mehr, warum niemand an Bord auf das eigentlich Naheliegende kommt. Doch darf man auch nicht vergessen, dass die Mannschaftsmitglieder keine Profis in Sachen fiese Aliens und deren Schachzüge sind, weshalb man es ihnen nachsehen mag, wenn sie etwas zu lange auf dem Schlauch stehen. Dafür, dass das alles neu für Crew ist, macht sie ihre Sache wirklich ausgezeichnet.

Einen guten Job kann man zweifellos auch Gigaphon im Hinblick auf die Inszenierung von Fraktal 5: Trojaner attestieren. Peter Lerf hat einen Spannungsbogen gespannt, der nicht zuletzt wegen der souveränen Performance von Martin Schäfer, Gordon Piedesack, Martin Sabel, Bettina Zech, Claudia Urbschat-Mingues (als Kari) u.a. das Hörspiel mühelos über seine ca. 56 Minuten Spielzeit trägt. An der Dialogregie von Martin Sabel gibt es genauso wenig etwas auszusetzen wie an der Gestaltung der Soundkulisse oder der Musik. Einzig die Szenenübergänge könnten bisweilen etwas dynamischer sein. Unterm Strich präsentiert sich auch die fünfte Folge dieser Serie akustisch auf der Höhe der Zeit und muss den Vergleich mit anderen Hörspiel-Space Operas nicht scheuen.

Mit Fraktal 5: Trojaner untermauert die Serie einmal mehr ihr Image als eine spannende, kurzweilige und facettenreiche Space Opera in Inner Space. Wie das Label jüngst äußerte, will man Fraktal nach dieser Folge jedoch erst einmal pausieren lassen, um sich auch die Fantasyserie Dragonbound zu konzentrieren. Die Fraktal-Fans müssen sich also etwas in Geduld üben, bis sie erfahren, wie es mit der Skyclad und ihrer Crew weitergeht. Wollen wir hoffen, dass die Wartezeit nicht allzu lang wird, denn Fraktal 5: Trojaner macht definitiv Lust auf mehr.


Fraktal 5: Trojaner ist eine Produktion von Gigaphon Entertainment. Seit dem 18. September 2015 ist das Hörspiel offiziell im Handel.



1 Kommentar:

  1. Vor der langen Zwangspause die Gelegenheit, ein Fazit der Serie bisher zu ziehen.

    Sprecher, Musik, Geräusche, noch nicht total abgenudelte Story gefallen.

    Einiges ist doch arg unglaubwürdig bzw. es wurde zumindest die Chance vertan, Dinge so zu erklären, dass es glaubwürdig wird. Beispiel: Die Skyclad fliegt munter mal eben so von System zu System. Gibts im Fraktalraum keine Lichtgeschwindigkeit bzw. ist diese so extrem hoch und leicht zu erreichen? Ist ein Schiff, dass nach eigener Erläuterung für einen Marsflug gebaut wurde, überhaupt dazu in der Lage? Hätte man sicher alles einigermaßen tragbar durch Eigenschaften des Fraktalraums erklären können. Und es ist zwar dramaturgisch nötig, aber doch wie üblich eher nicht nachvollziehbar, wie ein Erdenmensch die fremde Technik von Aliens, die obendrein noch Jahrzehnte weiter sind, einfach mal so kapiert. Aber wie gesagt, dramaturgisch nötig, sei daher verziehen.

    Die Besatzung scheint nur aus den Hauptsprechern zu bestehen, andere treten nicht in Erscheinung. Unglaubwürdig und hätte man mit ein bisschen Hintergrundgemurmel, dem ein oder anderen Halbsatz eines Nebencharakters oder gänzlich Unbekannten lösen können.

    Der philosophisch angehauchte Vorspann erscheint bisher ein bisschen zu bemüht. Kommt an den Vorspann von z.B. Gabriel Burns nicht heran.

    Zumindest in dieser Folge ist es doch relativ unglaubwürdig, wie naiv die Protagonisten agieren. Es war doch relativ offensichtlich, was passieren würde bzw. was der Plan der Aliens sein musste.

    Insgesamt bin ich daher noch unentschlossen, ob ich die Serie auf Dauer mag oder nicht. Potenzial ist da, die bisherigen Fehler und Schnitzer sind - noch - verzeihlich. Sehr sehr positiv jedenfalls die bisher unverbrauchten Sprecher, Ideen, Möglichkeiten... man darf gespannt sein.

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