Filmkritik: «Mission: Impossible - Rogue Nation» (seit dem 6. August im Kino)


Geheimagenten können sich zwar eigentlich nie über Beschäftigungsmangel beklagen, doch in politisch instabilen Zeiten haben sie regelrecht Hochkonjunktur. Und zwar nicht nur im realen Leben, sondern auch auf der großen Leinwand. Im März diesen Jahres lief bereits Matthew Vaughns Kingsman – The Secret Service, Codename: U.N.C.L.E. startet am 13. August und am 5. November nimmt es James Bond mit Spectre auf. Sich angesichts dieser Konkurrenz in der Topriege der Geheimdienstler zu behaupten, ist verdammt schwierig. Manche würden solch eine Mission sogar als unmöglich bezeichnen. Tom Cruise haben diese Aussichten allerdings nicht davon abgehalten, zum nunmehr fünften Mal in die Rolle des Agenten Ethan Hunt zu schlüpfen. Im Gegenteil, die Konkurrenzsituation scheint den inzwischen 53-Jährigen eher noch zu beflügeln. Mission: Impossible: Rogue Nation läuft seit dem 6. August 2015 in den deutschen Kinos.

Gerade erst hat sich Ethan Hunt (Tom Cruise) auf die Spur der extrem gefährlichen Organisation namens "Das Syndikat" gesetzt, da löst der US-Senat die IMF auf. Hunt ermittelt ohne Rückendeckung weiter und muss schnell erkennen, dass sein Gegner hervorragend aufgestellt und dessen bestens ausgebildeten Spezialagenten ihm immer einen Schritt voraus sind. Als klar wird, dass "Das Syndikat" versucht, durch gezielte Anschläge eine neue Weltordnung schaffen und alle ehemaligen Mitglieder der IMF auslöschen will, wendet sich Hunt an die einzigen drei Menschen, denen er noch trauen kann: den Techniker Benji Dunn (Simon Pegg), den Computer-Hacker Luther Stickell (Ving Rhames) und Agent William Brandt (Jeremy Renner). Unerwartet Hilfe bekommt das Quartett Unterstützung von der geheimnisvollen Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson). Doch auf welcher Seite steht sie wirklich?

Mit Mission: Impossible (dt.: Kobra, übernehmen Sie!) schuf Bruce Geller 1966 einen Klassiker der Fernsehgeschichte, der es bis 1973 auf auf sieben Staffeln und 171 Folgen brachte. 1988/1990 gab es mit In geheimer Mission (im Original weiterhin Mission: Impossible) eine Neuauflage, ehe 1996 der Startschuss für die M:I-Filmserie mit Tom Cruise als Ethan Hunt in der Hauptrolle fiel, deren fünfter Teil nun seit letztem Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen ist. Doch im Gegensatz zu anderen Reihen, die von Sequel zu Sequel immer schwächer werden, schafft M:I das Kunststück, genau diesen Trend umzukehren, denn die neueste unmögliche Mission ist mit Abstand die beste. Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarrie wartet mit einem Plot voller Wendungen auf, der Elemente klassischer Agentengeschichten mit den typischen M:I-Ingredienzen zu einem extrem spannenden Cocktail mischt, aus Jägern Gejagte macht und 132 Minuten lang in Sachen Action Vollgas gibt.

Die Cruise-McQuarrie-Connection, die sich bereits u.a. bei Jack Reacher und Edge of Tomorrow bewährt hatte, funktioniert nicht zuletzt deshalb wieder tadellos, weil Tom Cruise (gleichzeitig einer der Produzenten des Films) als Hauptdarsteller keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt. Im Gegenteil: Als hätte er etwas zu beweisen, turnt er als Ethan Hunt über ein Frachtflugzeug, steckt jede Menge Prügel ein, geht auf Tauchgang und absolviert Verfolgungsjagten auf zwei sowie vier Rädern, die so rasant sind, dass sein Ritt auf einem TGV im ersten Mission:Impossible-Film dagegen wie eine Karussellfahrt wirkt. Die Kehrseite der Medaille besteht allerdings darin, dass Simon Pegg, Ving Rhames und Jeremy Renner sich damit zufrieden geben müssen, mehr als deutlich die zweite Geige zu spielen. Ihre Charaktere arbeiten Hunt zu, der der Boss ist und den Ton angibt. Eine echtes Teamwork aller Beteiligen entsteht eher selten. Rebecca Ferguson ergeht es da besser, denn sie ist in Mission: Impossible – Rogue Nation die Frau mit den undurchsichtigen Motiven. Auf welcher Seite sie steht, lässt die intelligent gestrickte Geschichte lange offen. Und bis dahin werden zahlreiche falsche Fährten gelegt, die das Publikum bei der Stange halten und zum miträtseln animieren. Für zusätzliche Spannung sorgt die Tatsache, dass der Film für Hunt mit Solomane Lane dieses Mal einen äußerst intelligenten und gnadenlosen Gegner bereit hält, der bedenkenlos Menschen auslöscht und über erhebliche Ressourcen verfügt, mit denen er seinen perfide ausgeklügelten Plan konsequent immer weiter umsetzt. Eine Zeit lang sieht es so aus, als könne er den ehemaligen IMF-Agenten scheinbar beliebig zusetzen und Hunt und Co vor sich hertreiben. Doch dann gelingt es dem Quartett, das Heft in die Hand zu bekommen und Stück für Stück den Spieß umdrehen. Die Rolle des Schurken ging an Sean Harris, der Lanes Gefühlskälte und dessen Gewissenlosigkeit überzeugend zu vermitteln versteht. Solomone Lane ist übrigens Brite - und das ist nicht das Einzige, was ihn mit einem gewissen Agenten ihrer Majestät verbindet, denn er teilt auch dessen Vorliebe für teure Autos, gutes Essen und schöne Frauen. Und auch gewisse optische Ähnlichkeiten sind nicht zu leugnen. Ein gekonnter, aber nicht respektloser Seitenhieb gegen den Konkurrenten mit der Lizenz zum Töten. Das Kräftemessen zwischen Hunt und Lane um das Schicksal der Welt wurde von McQuarrie an Orten wie Wien, London oder dem marokkanischen Agadir packend und unglaublich dynamisch, bisweilen aber auch augenzwinkernd in Szene gesetzt. Damit sorgt der Drehbuchautor/Regisseur dafür, dass bei aller Dramatik der Humor keineswegs auf der Strecke bleibt. 

Mission: Impossible – Rogue Nation ist ein ausgesprochen packender Agentenfilm - eine perfekte Symbiose aus einer intelligenten Story und einem wilden Ritt auf der Action-Achterbahn, mit dem die M:I-Filmreihe den Beweis antritt, dass mit ihr auch knapp 20 Jahre nach Teil 1 immer noch zu rechnen ist. Mission erfüllt! Uneingeschränkt empfehlenswert!



Mission: Impossible – Rogue Nation läuft seit dem 6. August 2015 in den deutschen Kinos.

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