Hörspielkritik: «Dreamland Grusel - Folge 14: Todesfalle Seytan-Log» (Dreamland Productions)


Im Juli 2013 erschien bei Dreamland Productions das Hörspiel Dreamland Grusel - Folge 14: Todesfalle Seytan-Log. Nach zwei Jahren nun eine Besprechung dieser Produktion zu veröffentlichen, erscheint auf den ersten Blick vielleicht etwas spät; doch da sich insbesondere ältere Hörspiele durch die Streaming-Portale gerade einen neuen Hörerkreis erschließen, lohnt es sich durchaus, sich dieses Hörspiel noch einmal vorzunehmen.

Schon immer übte der Weltraum eine große Anziehungskraft auf den Menschen aus. Durch seine Schönheit, seine Unendlichkeit und seine Geheimnisse. In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen. Kolonien in Lichtjahre entfernten Planetensystemen wurden gegründet und der Handel mit exotischen Gütern begann zu florieren. Doch das All birgt auch Gefahren, tödliche Gefahren!

Geht man mit der richtigen Einstellung an dieses Hörspiel heran, kann man mit ihm durchaus seinen Spaß haben. Fehlt diese jedoch, dann hat man es richtig schwer mit der Todesfalle Seytan-Log. Was mit der richtigen Einstellung gemeint ist: Man darf beim Hören niemals vergessen, dass es sich bei der Reihe Dreamland Grusel um eine Hommage an die alte Europa-Gruselserie von H.G. Francis handelt. Was Dreamland in dieser Folge zu Gehör bringt, hätte so auch in den 1980ern veröffentlicht werden können. Die Soundkulisse mag fortschrittlicher sein, aber der Plot und die Charaktere atmen definitiv die Luft vergangener Zeiten. Die Prämisse der Story ist nicht schlecht, die Auflösung weiß zu gefallen. Aber über manches, was einem im Verlauf der Handlung aufgetischt wird, kann man schlicht nur den Kopf schütteln. Und zwar nicht nur als Hörer des Jahres 2015 - vor 30 Jahren wäre es einem wohl nicht anders ergangen. Die Figuren besitzen kaum Tiefe und manche, wie beispielsweise General Baker, existieren einfach nur, damit die Protagonisten jemand haben, den sie in die Schranken weisen und auf dessen Kosten sie sich profilieren können. So machte man es in den 1980ern gerne - und so machen es auch die Autoren Alec Roberts und John Baker, die für das Hörspielskript verantwortlich zeichnen. Zwar geht es in Folge 14 nicht gerade rasant zu, aber kurzweilig ist es allemal, da die Spielzeit mit ca. 48 Minuten (plus 8 Minuten Bonus) überschaubar bleibt.

Die Folge ist natürlich besonders reizvoll für die Fans von Jan Tenner, denn mit Lutz Riedel, Marianne Groß und Klaus Nägelen wurden die Hauptsprecher dieser klassischen SF-Hörspielserie ins Studio geholt. Auch der Stationsname Seytan-Log ist eine Reverenz an JT (Seytania und Logar sind die Namen zweier JT-Charaktere). Das Trio agiert leider recht statisch, was aber dem Skript geschuldet ist. Christian Rode als Erzähler ist gewohnt überzeugend, Tilo Schmitz als Unsympath General Baker und Udo Schenk als Col. Henderson machen ihre Sache ordentlich. Alexandra Doerk leiht dem Bordsystem des Raumschiffs ihre Stimme und hat gelegentlich nach meinem Empfinden für eine künstliche Intelligenz etwas zu viel Emotion in der Stimme. Insgesamt machen alle Sprecherinnen und Sprecher einen guten Job. Gelegentlich lässt die Regie die Akteure allerdings etwas hängen; z.B. dann, wenn ihr durchgeht, dass Eigennamen nicht immer in der gleich Weise ausgesprochen werden. Da wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen. Ansonsten gehen Regie, Soundkulisse und Abmischung in Ordnung. Leider verströmt die Titelmelodie der Reihe so gar kein SF-Feeling, weshalb sie nicht so recht zur Geschichte passen will. Aber speziell für diese Folge eine Variation der Eröffnungsmusik einzuspielen, war wahrscheinlich zu aufwändig. Sehr gut gefallen hat mir hingegen das 8-Minuten-Interview mit den altgedienten JT-Sprechern, das es als Bonusmaterial gibt.

Dreamland Grusel - Folge 14: Todesfalle Seytan-Log funktioniert und unterhält durchaus als Hommage an die alte Europa-Gruselserie, setzt aber voraus, dass die Hörer genau diesen Retro-Charme suchen, ihn zu schätzen wissen und darum bereit sind, über so manches hinwegzuhören. Wer hingegen unvorbereitet (also ohne den Background der Reihe zu kennen) an das Hörspiel herangeht, dürfte wahrscheinlich eher wenig begeistert sein.



Kommentare:

  1. Besser spät als nie. ;-) Und schließlich liegt das Hörspiel bei mir, zwischen ganz vielen, vielen anderen, noch ungehört herum. Da hat die Rezi doch wieder Lust gemacht, es endlich mal zu hören. Als Fan der 80er-Hörspiele im allgemeinen und Jan Tenner im Besonderen, sowie von DL-Grusel selbst, wird es mir bestimmt Spaß machen.

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    1. Für Fans von Jan Tenner und von Dreamland Grusel ist dieses Hörspiel sicherlich ein Fest. Und wenn ich Dich mit meiner Rezi auf die Idee bringen konnte, es Dir bei Gelegenheit mal anzuhören, dann freut mich das. Ich wünsche (hoffentlich) viel Spaß. :)

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