Filmkritik: «Terminator: Genisys» (ab dem 9. Juli 2015 im Kino)


I'll be back! Im Laufe seiner Karriere ist Arnold Schwarzenegger in zahlreiche Rollen geschlüpft. Doch keine hat das Image des inzwischen 67-Jährigen so entscheidend geprägt, wie die des Terminators. Zwischen 1984 und 2003 verkörperte der gebürtige Österreicher gleich drei Mal die Tötungsmaschine aus der Zukunft; lediglich der bislang letzte Teil des Franchises, Terminator: Salvation, fand 2009 ohne seine Beteiligung statt, da Schwarzenegger zu dieser Zeit Gouverneur von Kalifornien war. Getreu dem Terminator-Motto kehrt Arnie nun in Terminator: Genisys, der seit heute offiziell in den deutschen Kinos läuft, auf die Leinwand zurück.

Im Jahr 2029 bekämpft eine Gruppe von Rebellen unter ihrem Anführer John Connor (Jason Clarke) die Herrschaft von Skynet über die Erde. Als Skynet kurz vor der Niederlage steht, wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt, um Connors Mutter Sarah zu töten und so den Lauf der Geschichte zu verändern. John schickt deshalb seinen loyalen Freund Kyle Reese (Jai Courtney) zurück ins Jahr 1983, um seine Mutter (Emilia Clarke) vor einem Killer-Roboter zu beschützen und so die Zukunft der Menschheit sicherzustellen. Doch als Reese im Los Angeles der 1980er ankommt, muss er feststellen, dass er sich in einer veränderten Version der Vergangenheit befindet: Sarahs Eltern wurden in den 1970ern von einem durch die Zeit gereisten Terminator ermordet, ein Android des Modells T-800 (Arnold Schwarzenegger) hatte das 9-jährige Mädchen danach beschützt und großgezogen. Kyle erklärt Sarah, was in der Zukunft geschehen wird, doch sie wehrt sich entschieden gegen die Vorstellung, dass ihre Geschichte schon vorherbestimmt ist – und nimmt den Kampf mit Gegnern wie dem T-1000 (Byung-Hun Lee) auf…

Die Drehbuchautoren Laeta Kalogridis und Patrick Lussier haben sich für Terminator: Genisys eine Geschichte ausgedacht, die einerseits als eine tiefe Verbeugung vor den Filmen Terminator und Terminator 2: Tag der Abrechnung daherkommt, und gleichzeitig der Reihe ein neues Fundament für mögliche weitere Fortsetzungen gibt. An dem Grundschema "Terminator jagt Sarah Connor" will der Film nicht rütteln, sondern verlegt sich stattdessen darauf, es im Rahmen seiner Möglichkeiten zu variieren. Konstruiert ist das Ganze als eine einzige große Hetzjagd, die 2029 ihren Ausgang nimmt, sich dann in die 1980er verlagert, um im Jahr 2017 ihren Höhepunkt zu erleben. Und von Regisseur Alan Taylor wurde der Plot als actiongetränkter zweistündiger Parforceritt gekonnt in Szene gesetzt. Die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, wobei insbesondere Arnold Schwarzenegger den Beweis antritt, dass er zwar mittlerweile in die Jahre gekommen, aber immer noch nicht zu alt ist, um als Terminator eine große Show abzuliefern. Etwaige Zweifel zerstreut Arnie nicht zuletzt auch dadurch, dass er sich im Verlauf der Handlung immer wieder selbst ein wenig auf die Schippe nimmt, für die nötige Prise Humor sorgt und dadurch zusätzliche Sympathiepunkte sammelt. Jason Clarke nimmt man seinen John Connor genauso ab, wie Jai Courtney und Emilia Clarke als Kyle Reese und Sarah Connor positiv im Gedächtnis bleiben. Überaus erfreulich ist, dass Clarke gar nicht erst versucht, Linda Hamiltons Interpretation der Sarah zu kopieren, sondern einen eigenen Zugang zu der Rolle findet, der prächtig funktioniert.

Überzeugende Schauspieler, rasante Action, hohes Tempo und tolle Effekte sind jene Elemente, mit denen Terminator: Genisys definitiv punkten kann. Leider kann man dies von der Handlung nicht durchweg sagen, denn nach ca. 90 Minuten, wenn sich die Geschehnisse von den 1980ern nach 2017 verlagern, ist der Ideenvorrat der Drehbuchautoren quasi aufgebraucht. Einen großen Twist haben sie noch in petto – und ausgerechnet diesen hat Paramount in den Trailern zum Film bereits vorab verraten. Wer immer dafür verantwortlich ist, hat sich mit dieser Aktion einen Stern auf dem Walk of Fame of Promotion Fails redlich verdient. Je dünner im letzten Viertel die Handlung wird, um so übersteigerter ist die Action, die teilweise absurde Züge annimmt: Da vollführt ein Schulbus auf der Golden Gate Bridge einen Überschlag und hängt anschließend von der Brücke herab; Hubschrauber fallen in Seitenlage von Hochhäusern und werden kurz vor dem Boden noch abgefangen. Physik spielt endgültig keine Rolle mehr und ist nur noch etwas für Spielverderber. Auf die Dauer wirkt dieses Over the Top ermüdend. Und dass inhaltlich kaum noch was geht, lässt sich damit auch nicht wirklich kaschieren. So bleibt beim Zuschauer der Eindruck zurück, dass es sich bei Terminator: Genisys vom Plot her um einen ungünstig austarierten Film handelt, denn er verschießt sein Pulver etwas zu früh und hat anschließend Mühe, sich über die Zeit zu retten.

Reset the Future steht auf den Plakaten zu Terminator: Genisys, und genau das tut dieser Film. Seiner Mission, der Reihe eine neue Basis zu geben, wird der fünfte Teil der Terminator-Saga voll gerecht und nimmt es dabei in Kauf, dass manche Fragen offen bleiben. Sie zu beantworten, wird dann Aufgabe etwaiger Fortsetzungen sein. Alan Taylor liefert einen soliden SF-Actioner ab und allein die Möglichkeit, Arnold Schwarzenegger in 3D in seiner Paraderolle erleben zu können, ist eigentlich Grund genug, sich diesen Film anzuschauen. Wer die Erwartung hegt, mit dem inzwischen fünften Film könnten der Thematik bislang unerforschte Seiten abgewonnen werden, sieht sich enttäuscht, denn dies gelang bereits Terminator 3 im Jahre 2003 schon nicht mehr. Mit diesem Film soll vielmehr ein populäres Franchise neu belebt werden, das sich 2009 mit Terminator: Salvation in die Sackgasse manövriert hatte. Und zweifellos holt Terminator: Genisys die Saga genau dort raus und verschafft ihr so die Chance auf eine Zukunft.

Wem der Sinn nach lupenreinem SF-Popcornkino steht, macht mit Terminator: Genisys bestimmt nichts falsch. Denn bei aller Kritik liefert der Streifen andererseits genug gute Gründe, ihn sich auf der großen Leinwand in 3D anzuschauen. Hasta la vista, baby!


Terminator: Genisys läuft seit dem 9. Juli 2015 in den deutschen Kinos.

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