Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Herodot» (Frank Hammerschmidt/Hoerspielprojekt)


Im Februar 2015 rezensierte ich an dieser Stelle das SF-Hörspiel Kopfgeldjäger auf Baraluh IV (Link), mit dem die Hörspielreihe Die Zukunfts-Chroniken ihren Einstand gab. Und es war ein Einstand nach Maß, denn die Produktion wusste mich für sich zu gewinnen. Nun steht mit Die Zukunfts-Chroniken: Herodot die zweite Folge auf der Startrampe und wird heute, also am 26. Juni 2015, ab 20:00 Uhr im Webradio vom Hörspielprojekt ihre Premiere erleben. Kann sie den positiven Eindruck bestätigen, den der Reihenauftakt hinterlassen hatte?

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...

Herodot, europäische Raumstation. Für Dr. Cornelia Fuchs geht mit diesem Arbeitsplatz ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Doch es wird ein Albtraum, angefüllt mit Furcht und Tod.


Herodot von Halikarnassos war ein im vierten Jahrhundert vor Christus lebender griechischer Geschichtsschreiber, von dem Cicero berichtet, er sei „der Vater der Geschichtsschreibung“ und Autor zahlloser Geschichten gewesen. Von seinem Werk erhalten geblieben sind aber nur die neunbändigen Historien, in denen Herodot den Aufstieg des Perserreichs und die Kriege zwischen den Griechen und den Persern schildert. Auch Frank Hammerschmidt schreibt regelmäßig – in letzter Zeit vornehmlich Kurzgeschichten für die beiden von ihm ins Leben gerufenen Hörspiel-Anthologien. Von den im Bereich Mystery/Grusel angesiedelten Scary Stories gibt es bereits acht Folgen, während von den Zukunfts-Chroniken nun die zweite zur Veröffentlichung kommt, in welcher der Chronist des noch Kommenden dem Vater der Geschichtsschreibung dadurch Reverenz erweist, indem er jene Raumstation nach ihm benennt, der die Erzählung wiederum ihren Titel verdankt.

Inklusive Intro und Outro bringt es ZC: Herodot auf ca. 31 Minuten Spielzeit, in denen der Zuhörer Zeuge eines gradlinig aufgezogenen Plots wird, der von der akustischen Umsetzung her zu überzeugen versteht. Die in der Geschichte behandelten Motive sind zwar nicht erschreckend neu, werden aber in einer ansprechenden Art und Weise so variiert, dass die Erzählung bis zum Ende reizvoll bleibt. Zusätzlich erweist es sich als Vorteil, dass es sich bei den Zukunfts-Chroniken um eine Reihe handelt, die mit jeder Folge ein neues Set an Protagonisten präsentiert. Dadurch kann sich das Publikum hier im Unterschied zu Serien mit wiederkehrenden Charakteren nie sicher sein, welche der Figuren das Ende der Story tatsächlich erleben werden, was für zusätzliche Spannung sorgt.

Dorle Hoffmann, Frauke Kestner, Marco Rosenberg, Marcel Ellerbrok, Michael Gerdes, Pascal Runge, Jan Langer, Matthias Ubert verkörpern die Hauptrollen in ZC: Herodot. Und wenngleich die Mannschaft der Raumstation aus Frauen und Männern unterschiedlicher Nationalität besteht, wurde erfreulicherweise darauf verzichtet, die Handelnden mit irgendwelchen Akzenten sprechen zu lassen. Solche lingualen Verrenkungen können nämlich fürchterlich nach hinten losgehen und die Stimmung eines Hörspiel komplett zunichte machen. Dieses Risiko wurde hier gar nicht erst eingegangen. Die Charaktere lassen sich dennoch gut auseinanderhalten. Dennis Prasetyo führt als Erzähler durch die Geschichte, Sonja Schreiber leiht dem Bordcomputer ihre Stimme, die Credits liest Sascha Zoike und im Intro ist Jörg Buchmüller zu hören. Die Leistung des gesamten Casts hinterlässt einen positiven Gesamteindruck, wie auch der Schnitt und die Abmischung durch die Hörspielwerkstatt Bad Herfeld zu gefallen wissen. Die eingesetzten Soundeffekte sind stimmig und sorgen für die richtige Atmosphäre.


Die Zukunfts-Chroniken: Herodot gefällt als ein kompaktes, gut besetztes und technisch sauber ausgeführtes Science-Fiction-Hörspiel, das den positiven Eindruck des Vorgängers bestätigen kann. Folge 3 darf daher gerne kommen.



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