Filmkritik: «Jurassic World» (seit dem 11. Juni 2015 im Kino)


Mit seinem Film Jurassic Park, basierend auf dem Roman Dino Park von Michael Crichton, hat Steven Spielberg die Popkultur der 1990er entscheidend mitgeprägt. Auf den Blockbuster von 1993 folgen mit Vergessene Welt - Jurassic Park (1997) und Jurassic Park 3 (2001) noch zwei Fortsetzungen - dann war die Luft raus aus dem Franchise und es folgte eine 14 Jahre dauernde Pause, die nun allerdings vorüber ist. Denn seit gestern läuft mit Jurassic World der vierte Teil der Dino-Saga in den deutschen Kinos.

Über die Handlung von Jurassic World braucht man keine großen Worte zu machen. Der Plot ist dünn wie ein Stück Papier, spielt 22 Jahre nach Teil 1 und hat als Prämisse, dass von einem Milliardär namens Simon Masrani (gespielt von Irrfan Khan) der ehemalige "Jurassic Park" in Form des aufwändigen Resorts "Jurassic World" wiedereröffnet wurde. Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht solch ein Entertainment Park natürlich ständig neue Attraktionen, weshalb Masrani ein Team von Genetikern unter der Leitung von Dr. Henry Wu (B.D. Wong) am Start hat, dessen Aufgabe es ist, neue Dinos zu kreieren: Je größer und gefährlicher, desto besser. Und so erschaffen die Wissenschaftler mit dem Indominus Rex eine Kreatur, die selbst den T-Rex alt aussehen lässt. Dass diese Kreatur ausbricht und für Panik sorgt, versteht sich von selbst. Sie einzufangen oder unschädlich zu machen, ist nun die Aufgabe von Owen Grady (Chris Pratt). Und als wäre er damit eigentlich nicht schon genug ausgelastet, hilft der smarte Typ der Park-Administratorin Claire Dearing (Dallas Bryce Howard) noch dabei, deren Neffen zu finden, die in dem Chaos verschütt gegangen sind. Aber Owen muss sich beeilen, sonst gönnt der Indominus Rex sich die beiden Jungen als kleinen Snack für Zwischendurch. 

Nicht nur was die Handlung angeht, auch im Hinblick auf die Gestaltung der Charaktere tut das Drehbuch von Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly und Colin Trevorrow (man mag kaum glauben, dass es tatsächlich vier Leute für dieses Skript brauchte) nicht mehr als unbedingt nötig. Die Protagonisten erfüllen jene Kriterien, die man im Handbuch Wie baue ich mir einen Filmcharakter? unter dem Stichwort Mindestanforderungen finden kann. Das war es zwar schon, doch ehrlicherweise braucht es aber auch nicht mehr.

Denn Hand aufs Herz: Filme wie Jurassic World schaut man sich nicht an, um elaborierte Plots und facettenreiche Protagonisten zu erleben. In solche Streifen geht man in der Erwartung, zwei Stunden lang rasante Action, tolle Effekte und Protagonisten geboten zu bekommen, mit denen man mitfiebern kann. Und ein guter Schuss Humor darf natürlich auch nicht fehlen. Wer auf diese Weise an Jurassic World herangeht, wird das Kino hinterher zufrieden verlassen. Colin Trevorrow hat einen Abenteuerfilm geschaffen, der nach kurzem Anlauf ordentlich zu Sache kommt, sein hohes Erzähltempo durchhält und in einem packenden Finale mündet, das in Sachen Dino-Action mächtig klotzt. Dabei nimmt sich der Films selbst nicht zu ernst und entgeht damit der Gefahr, in manchen Szenen der Absurdität anheim zu fallen. Die Chemie zwischen Pratt und Howard stimmt, gemeinsam tragen sie den Film problemlos. Owen und Claire sind sympathische Figuren, wobei Chris Pratt den raubeinigen Charme eines Helden alter Schule durchscheinen lässt. Damit bildet Owen einen schönen Kontrast zu der anfangs eher reservierten Claire, die erst mit der Zeit auftaut. Ihr gelingt übrigens das Kunststück, auf Pumps einem ausgewachsenen T-Rex zu entkommen. Das muss man erst einmal schaffen. Doch Jurassic World macht nicht nur riesig Spaß, sondern sieht in 3D einfach großartig aus, denn sowohl die Set-Designer wie auch die Digital Artists haben sich sichtbar große Mühe gegeben, den Dino Park – und vor allem dessen urzeitliche Bewohner - eindrucksvoll zum Leben zu erwecken. Und wenn der Soundtrack von Michael Giacchino das Jurassic-Park-Theme von John Williams zitiert, fühlt man sich zurückversetzt in jene Tage, als man von über 20 Jahren im Kino saß, um Spielbergs Dino-Eskapade auf der Leinwand zu erleben.

Jurassic World ist Popcorn-Kino in Reinkultur. In den Haupt- und Nebenrollen optimal besetzt, kurzweilig und temporeich inszeniert sowie technisch perfekt ausgeführt, empfiehlt sich dieser Film als eine gelungene Fortsetzung der Jurassic-Park-Filmreihe und gleichzeitig als Einstiegspunkt, denn irgendein Vorwissen ist nicht nötig, um dem Film folgen zu können. Jede Menge gute Gründe also, ein Ticket zu lösen und der Jurassic World einen Besuch abzustatten.



Jurassic World ist ein Film von Colin Trevorrow mit Chris Pratt und Dalas Bryce Howard in den Hauptrollen. Seit dem 11. Juni 2015 läuft er in 3D in den deutschen Kinos.

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