Filmkritik: «Avengers: Age of Ultron» (seit dem 23. April im Kino)


Vor drei Jahren ging für die Comicfans ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, denn in The Avengers kämpften erstmalig die bekanntesten Helden des Marvel-Universums Seite an Seite. Das Event, auf das Marvel Studios mehrere Jahre hingearbeitet hatte, überzeugte dabei nicht nur die eingefleischten Anhänger von Iron Man & Co, sondern schlug auch beim allgemeinen Publikum mächtig ein und generierte global einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Dollar. Seit letztem Donnerstag läuft nun die Fortsetzung Avengers: Age of Ultron in den deutschen Kinos, mit der die Phase 2 des Marvel Cinematic Universe (MCU) ihren Abschluss findet. Zusammen mit Stephan »Sawmaniac« Winkowski habe ich mir den Film gleich am Premierentag im Originalton und in 3D angeschaut. Nachfolgend unsere Eindrücke.

Lokis Angriff auf New York konnten die Avengers erfolgreich zurückschlagen. Doch Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) treibt die Sorge um, dass sich das Team einer Bedrohung gegenübersehen könnte, dem es nicht gewachsen ist. Darum entwickelt er ein Programm, mit dem der Schutz der Erde unter allen Umständen gewährleistet sein soll. Doch in seinem Übereifer erschafft der geniale Tüftler die künstliche Intelligenz Ultron (James Spader), die zu der Erkenntnis kommt, dass der Mensch selbst die größte Gefahr für die Erde darstellt. Soll der blaue Planet eine Zukunft haben, muss die Menschheit ausgerottet werden. Um Ultron zu stoppen, bündeln Iron Man, Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) ihre Kräfte, wobei die Truppe zudem Unterstützung von Nick Fury (Samuel L. Jackson) und Maria Hill (Cobie Smulders) erhält. Doch auch Ultron hat sich Verstärkung in Form der geheimnisvollen Geschwister Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson), alias Scarlet Witch und Quicksilver, geholt. Ein gnadenloser Kampf um das Schicksal der Menschheit beginnt...

Sawmaniac: Selten habe ich einem Film so sehr entgegengefiebert wie diesem. Ich habe buchstäblich die Tage gezählt, zuletzt die Stunden. Manchmal macht es einfach Spaß, sich dem Hype hinzugeben. Und dann war es endlich soweit: Der 11. Film des MCU lief am letzten Donnerstag in den deutschen Kinos an - das Age of Ultron war angebrochen. Vorweg muss ich eine gewisse Befangenheit gestehen, die mich bei Comicverfilmungen generell befällt. Ich neige einfach dazu mich für Superhelden zu begeistern. Und kurz nach 21:00 Uhr ging es dann endlich los: Das Licht im Kinosaal ging aus, auf der Leinwand wurde es hell und es erschien...das Warner-Logo, gefolgt vom Logo von DC Entertainment!

Watchman: Ich dachte erst, ich wäre im falschen Film...

Sawmaniac: Verständlich. Aber es war ja nur ein Trailer; genauer gesagt der Trailer zu Batman v Superman, der im Kino einfach nur super rüber kommt. Aber dann ging es mit dem geliebten Marvel-Logo weiter und der Film kam gleich zur Sache, denn wir sehen unsere Helden sofort in Action, wie sie eine Hydra-Basis auseinandernehmen. Der Beginn von 141 Minuten Spaß pur.

Watchman: Stimmt, mit Vorreden hält sich der Streifen überhaupt nicht auf. Man sieht, wie effektiv das Team ist, wenn es Hand in Hand arbeitet. Einer verlässt sich auf den anderen und man hilft sich gegenseitig. Dass man nur dann bestehen kann, wenn man sich gegenseitig vertraut, ist eines der zentralen Themen in diesem Film. Und dieser Zusammenhalt wird im Verlauf von Avengers: Age of Ultron auf eine harte Probe gestellt.

Sawmaniac: Drehbuchautor und Regisseur Joss Whedon beweist nach Marvel's The Avengers mit Avengers: Age of Ultron übrigens abermals, dass ein mit Charakteren geradezu vollgepackter Film sich keineswegs zwischen den Figuren verzetteln muss. Natürlich kommt es der Story-Ökonomie zugute, dass das Publikum die meisten Helden bereits durch die Einzelfilme und den ersten Avengers-Streifen bereits kennt, so dass sich das Drehbuch hier auf wesentliches beschränken kann. Allerdings bekommen Black Widow und Hawkeye, die im ersten Film (jedenfalls für mich) doch wie überflüssige Staffage wirkten, jetzt mehr Aufmerksamkeit, was sich sehr positiv auswirkt.

Watchman: Definitiv. Whedon schafft es dieses Mal wesentlich besser, Black Widow und Hawkeye vernünftig zu integrieren. Gerade der Bogenschütze profitiert gewaltig, denn sein Background wird ausgeleuchtet, die Figur emotional vertieft und dadurch endlich richtig interessant gemacht. Gleiches gilt für Natasha, in deren Seele wir blicken dürfen und über deren Herkunft sowie Ausbildung wir mehr erfahren. Im Verlaufe des Films wird sehr schön deutlich, warum diese beiden Charaktere für das Team so wichtig sind. Ich will sie auf keinen Fall mehr missen.

Sawmaniac: Ich persönlich finde es immer wieder beeindruckend wie es Marvel schafft, trotz der ja schon imposant großen Einzelfilme der Phase 2 das große Finale noch um einige Ecken größer wirken zu lassen. Der Kampf von Iron Man in seiner Hulkbuster-Rüstung gegen Hulk oder auch das Finale lassen es mehr als ordentlich krachen und keine Wünsche offen. Trotz der ganzen Action gibt es im Film viele ruhigere Momente, die nicht nur Zeit für den Zuschauer zum Luftholen bieten, sondern auch den weiteren Plan der Marvel-Filme erkennen lassen (Ich sage nur: Civil War). Zum Schluss des Films ändert sich das Line-Up der Avengers, die einen gehen eigene Wege, machen Pause oder sind erst einmal weg. Andere sind hinzu gekommen. Man darf gespannt sein, wie es in Captain America: Civil War nächstes Jahr weitergeht oder wie Ant-Man dieses Jahr in die ganze Geschichte reinpasst. Denn laut Kevin Feige soll letzterer ja kein Teil einer Phase sein, sondern eher außerhalb stehen - was immer das auch bedeuten mag. Oh, fast hätte ich es vergessen: Das einzige, was ich ein wenig seltsam fand, war wie sich die Lippen von Ultron bewegen. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Watchman: In Sachen Action toppt Avengers: Age of Ultron seinen Vorgänger und die Solo-Filme quasi mühelos. Und er schafft einen bemerkenswerten Spagat: Neben dem Kampf gegen Ultron reflektiert er auch noch die Ereignisse in Iron Man 3, Thor: The Dark World und Captain America: The Winter Soldier, während er den Civil War und sogar Black Panther vorbereitet.

Sawmaniac: Und wenn man sich anschaut, wie Bruce Banners Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit wachsen und er sich die Frage stellt, wo auf der Erde er überhaupt noch hin gehört, dann fühlte sich das für mich wie ein kleiner Hinweis auf einen möglichen kommenden Planet Hulk-Film an. Es gibt da Gerüchte...

Watchman: Wer weiß. So oder so steckt in diesem Film inhaltlich richtig viel drin. Und das straft all jene Lügen, die Adaptionen von Superhelden-Comics nur zu gerne banalisieren und auf die reine Action reduzieren. Was Joss Whedon in diesem Film aus den Charakteren herausholt, ist wirklich aller Ehren wert. Natürlich folgen die Marvel-Filme einer Formel - doch es ist eine Formel, die funktioniert und überzeugt. 141 Minuten sind nun wirklich keine kurze Spielzeit, aber sie vergingen wirklich sehr schnell. Wie schon bei Marvel's The Avengers vor drei Jahren, so kann ich mich auch dieses Mal übrigens gar nicht zum Soundtrack des Films äußern. Er ist mir schlicht und ergreifend überhaupt nicht aufgefallen – weder in positiver, noch in negativer Hinsicht.

Sawmaniac: Alles in allem gibt es von mir eine eindeutige Anschauempfehlung.

Watchman: Diesem Fazit kann ich mich nur anschließen.


Avengers: Age of Ultron läuft seit dem 23. April 2015 in den deutschen Kinos.

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