Rezension: «Doctor Who - Die komplette Staffel 8» (ab dem 13. März im Handel)


Im letzten Jahr standen bei der Serie Doctor Who die Zeichen wieder einmal auf Veränderung. Oder wie man im DW-Universum sagt: Regeneration. Diese durchläuft der Time Lord vom Planeten Gallifrey nämlich alle paar Jahre, wobei sich nicht nur sein Äußeres verändert, sondern auch sein Charakter. Nachdem zuletzt Matt Smith drei Staffeln lang die Hauptrolle verkörpert hatte, trägt der Doctor mit Beginn von Staffel 8 nun die Gesichtszüge von Peter Capaldi. Er ist damit der insgesamt zwölfte Schauspieler, den das Publikum seit Beginn der Serie im Jahre 1963 in dieser Rolle erlebt. Alle 12 Folgen des Jahrgangs 2014 (plus das Christmas Special) hat Polyband nun in einer Box mit dem Titel Doctor Who – die komplette Staffel 8 versammelt, die seit heute im Handel erhältlich ist.


Die neue Staffel beginnt direkt mit einem Paukenschlag, als in Tief durchatmen im viktorianischen London ein riesiger Dinosaurier auftaucht. Natürlich ist auch der Doctor nicht fern, doch der kämpft noch mit den Nachwirkungen seiner Regeneration, während die Stadt zeitgleich noch von Killern heimgesucht wird, die ein Restaurant betreiben, das jedoch ganz anderen Zwecken als dem Servieren von Speisen und Getränken dient. Und ausgerechnet dort landet Clara, die Gefährtin des Doctors. Der Time Lord muss sich also sputen, wenn er seinen Companion lebendig wiedersehen möchte. Und auch die weiteren Folgen von Staffel 8 haben es in sich: So treffen der Doctor und Clara auf eine Flotte von Daleks (Mission Dalek) oder reisen in der Zeit zurück und helfen Robin Hood, im Sherwood Forest Roboter zu besiegen (Roboter in Sherwood). In Verschlusssache brechen sie in die tödlichste Bank im Kosmos ein; sie kämpfen gegen eine Mumie im Orientexpress (Die Mumie), entdecken eine tödliche Bedrohung, die vom Mond ausgeht (Tötet den Mond) und finden sich in Ruf der Wildnis im London der Gegenwart wieder, das wie der Rest der Erde über Nacht komplett von Wald bedeckt ist. Und wäre all dies noch nicht genug, tauchen in Tod im Himmel dann auch noch die Cybermen auf, die von einem uralten Feind des Doctors gelenkt werden.

Der Doctor und Clara haben also jede Menge Gefahren zu meistern. Doch damit ihnen das gelingt, müssen der Time Lord und sein Companion zunächst einmal ihre Beziehung zueinander wieder ordnen. Clara erkennt den Mann, den sie dachte so gut zu kennen, kaum wieder, denn der regenerierte Doctor ist viel launischer und sprunghafter als zuvor. Er verhält sich oftmals unvorhersehbar, denn er legt in einem Moment eine geradezu kindliche Neugier an den Tag, nur um im nächsten Augenblick schroff, arrogant und verletzend gegenüber den Menschen in seiner Gegenwart aufzutreten. Clara eingeschlossen. Er ist ein Mann, der körperliche Nähe verabscheut, gleichzeitig aber Gesellschaft sucht. Er kennt Furcht, kann seinerseits aber auch sehr gefährlich sein und scheut sich nicht, rücksichtslos gegen seine Feinde vorzugehen. Seine Unberechenbarkeit strapaziert das Verhältnis zwischen ihm und Clara extrem. Wie tief die Vertrauenskrise zwischen den beiden Protagonisten ist, verdeutlicht sehr schön jene kurze Szene, in der der Doctor Clara fragt, ob sie ihn für einen guten Mann halte und Clara daraufhin antwortet, sie wisse es nicht. Doch der Doctor ist in der neuen Staffel nicht der einzige Mann in Claras Leben, denn sie verliebt sich in den gutaussehenden Lehrerkollegen Danny Pink (Samuel Anderson) und steht nun vor der Herausforderung, ihr Leben mit Danny und ihre Reisen mit der Tardis unter einen Hut zu bekommen. Da sind Komplikationen natürlich vorprogrammiert, die im abschließenden Zweiteiler Dunkles Wasser/Tod im Himmel ihren Höhepunkt erreichen und auch noch im Christmas Special 2014 nachklingen, das die achte Staffel abrundet.

Es macht einen großen Spaß, Peter Capaldi dabei zuzusehen, wie er nahtlos zwischen den einzelnen Facetten der Persönlichkeit des Doctors hin und herwechselt. Auf diese Art verleiht er der Figur etwas Mysteriöses und Unberechenbares, das sie extrem faszinierend macht. Die Chemie zwischen Capaldi und Jenna Coleman stimmt, denn man spürt trotz aller Spannungen zwischen dem Doctor und der warmherzigen, aber auch resoluten Clara die Anziehungskraft, die beide aufeinander ausüben. Hier treffen zwei starke Charaktere aufeinander, und die zwangsläufig auftretenden Reibungen bilden den emotionalen Kern dieser sehr gelungenen Staffel.

Doctor Who – Die komplette Staffel 8 kommt als DVD- oder Blu-ray-Box mit jeweils sechs Scheiben daher, die neben den 12 Folgen auch noch jede Menge Bonusmaterial enthalten. So gibt es nicht nur die Weihnachtsepisode von 2014 oder das Special The Five(ish) Doctors, sondern auch das Kino-Prequel zur Folge 1, zahlreiche Features sowie Audio-Kommentare. Neben den 10 Stunden Serienunterhaltung kommen auf diese Weise noch einmal knapp fünf Stunden an Extras zusammen. Ein mehrseitiges Booklet mit Episodenübersicht und Interviews der Hauptdarsteller gibt es auch, so dass in Sachen Bonusmaterial kaum Wünsche offenbleiben dürften.



Mit der Verpflichtung von Peter Capaldi haben die ausführenden Produzenten Steven Moffat und Brian Minchin es geschafft, der Saga des Time Lords ein weiteres Mal eine neue Richtung zu geben. Der zwölfte Doctor ist eine überaus reizvolle, weil vielschichtige Figur; Jenna Coleman glänzt als sehr liebenswerte, selbstständige und tatkräftige Gefährtin Clara Oswald. Die Folgen sind phantasievoll und abwechslungsreich, halten eine schöne Balance zwischen Spannung, Witz sowie emotionalen Momenten und können zudem auch mit gelungenen Spezialeffekten punkten. Doctor Who – die komplette Staffel 8 bietet moderne Science-Fiction Unterhaltung mit typisch britischem Flair und Charme. Es lohnt sich also definitiv, den neuen Doctor kennenzulernen.

Doctor Who – die komplette Staffel 8 ist ab dem 13. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Kommentare:

  1. Der neue doctor war für mich ein Grund nach 8 staffeln aufzuhören...

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    1. Und für andere wiederum war der neue Doctor ein Grund, überhaupt in die Serie einzusteigen. So unterschiedlich kann es laufen. Den Hauptdarsteller zu wechseln, ist nie ohne Risiko, doch bei "Doctor Who" hat man daraus ja eine Tradition gemacht.

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