Quoten-Update: Schickt ABC Marvel's Agent Carter bald in Rente?


Die aktuelle Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. befindet sich derzeit in der Winterpause. Während häufig die Wartezeit auf die neuen Folgen mit Wiederholungen überbrückt wird, geht ABC dieses Jahr einen anderen Weg und schickt stattdessen Frischware in Form von Marvel's Agent Carter ins Rennen. Acht Folgen umfasst die erste Staffel der Serie, die gewissermaßen ein Spin-Off des Films Captain America: The First Avenger darstellt und von den Abenteuern von Peggy Carter handelt, die wie auch schon in dem Kinofilm von Hayley Atwell verkörpert wird.

Comicverfilmungen aus dem Hause Marvel sorgen an den Kinokassen seit Jahren regelmäßig für gewaltige Einnahmen, weshalb man sich auf Seiten von  ABC gewisse Hoffnungen auf gute Quoten machen durfte. Doch die Fernsehlandschaft ist ein schwieriges Terrain und vor allem auch ein ganz anderes Pflaster als das Kinogeschäft. Was in dem einen Medium funktioniert, muss in einem anderen deshalb noch lange nicht zünden. Und die Quoten von Agent Carter scheinen ein weiterer Beleg für diese Tatsache zu sein.

Die Serie ging am 6. Januar 2015 zum ersten Mal bei ABC auf Sendung und kam in der Zielgruppe (Zuschauer im Alter zwischen 18 bis 48 Jahren) auf ein Rating von 1,9. 6,9 Mio. Werberelevante sahen die ersten beiden Folgen live oder noch am selben Tag. Das waren solide Zahlen, die jedoch keinen Anlass für spontane Jubelfeiern gaben. Denn eines war allen Beteiligten klar: Von diesen Werten würde man eine Woche später ein ganzes Stück entfernt sein - und zwar in negativer Hinsicht. Und so kam es dann auch. Die nächste Folge brachte es auf ein Rating von 1,5 (5,05 Mio. werberelevate Zuschauer), und in den folgenden Wochen ging der Exodus an Interessierten weiter. 4,60 bzw. 4,25 Mio. Zuschauer bedeuteten jeweils ein Rating von 1.3 und damit einen Wert, der bei drei noch ausstehenden Folgen Zweifel daran aufkommen lässt, ob ABC eine zweite Staffel von Agent Carter bestellen wird. So hat der Cancellation Bear von TV by the Numbers die Serie in seinem wöchentlich aktualisierten Renew/Cancel Index inzwischen herabgestuft und geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Absetzung mittlerweile größer als die einer Verlängerung ist.

Die Fans wollen davon selbstredend nicht wissen und verweisen dabei nicht selten auf die Zahlen, die für den Zeitraum Live + 3 Days erhoben werden. Und in der Tat gibt es eine ganze Reihe von Konsumenten, die sich die Serie aufzeichnen und erst mit einigen Tagen Verzögerung anschauen. Im Falle der ersten beiden Folgen stieg die Zuschauerzahl unter Berücksichtigung des zeitversetzten Konsums von 6,9 Mio. auf 9,2 Mio.. Und auch für die folgenden Episoden lässt sich ein Anstieg in der Publikumsgunst feststellen. Der Haken an der Sache ist nur, dass das Network von den Zuschauern, die sich Agent Carter aufzeichnen, nichts hat, da dieser Personenkreis einfach die Werbung überspringen kann. Die Werbekunden der Sender zahlen darum nur für die Live-Zuschauer, weshalb auch die Zahlen für den Zeitraum Live + SD relevant sind. An diesen Zuständen gibt es regelmäßig Kritik, doch sie sind nun einmal so. Und deshalb ergibt es auch keinen Sinn, mit Zahlen zu argumentieren, die im Bezug auf die Entscheidungsfindung keine (oder bestenfalls eine nachgeordnete) Bedeutung haben. Das hält so manchen Fan natürlich nicht davon ab, es dennoch zu versuchen und sich die Quoten auf diese Weise schönzureden. Aber auch auf diese Weise kommt man nun einmal nicht um die Realitäten herum.

Drei Folgen hat die Serie noch Zeit, sich in puncto Quoten zu steigern. Gelingt dies nicht, dann ist sie für ihr Weiterleben auf "externe Faktoren" angewiesen. So könnte Marvel Studios dem Network eine weitere Staffel durch einen reduzierten Preis schmackhaft machen. Oder aber ein auch ein preislich attraktives Gesamtpaket aus Agents of S.H.I.E.L.D. und Agent Carter schnüren. Ob sich ABC auf so einen Deal einlassen würde, ist allerdings reine Spekulation. Zudem darf man nicht außer Acht lassen, dass Marvel derart viele Charaktere in petto hat, auf deren Grundlage man Serien entwickeln könnte, dass man es nicht nötig hat, Agent Carter unbedingt am Leben halten zu müssen. Nicht ohne Grund wurde die Serie vorsorglich von Beginn an als sogenannte Limited Series deklariert. Sollte sie abgesetzt werden, kann Marvel sich aus dem Flop immer noch damit herauszureden versuchen, man habe ohnehin nie mehr als acht Folgen machen wollen.

Spätestens im Mai werden wir endgültig wissen, ob Peggy Carter weiter im Einsatz bleibt oder die Rente antritt. Nimmt man die bisherigen Folgen als Maßstab, dann wäre es schön, wenn sie uns noch eine Weile erhalten bliebe. Doch das TV-Business ist gnadenlos und auch eine toughe Agentin hat gegen schlechte Quoten kaum eine Chance.


Marvel's Agent Carter läuft in den USA immer dienstags beim Network ABC.

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