Jahresrückblick 2014 Teil 1: Mein persönliches Hörspieljahr


Das Jahr 2014 nähert sich mit großen Schritten seinem Abschluss, weshalb es auch wieder Zeit für die obligatorischen Jahresrückblicke ist. Auch ich möchte dieses Mal einen solchen beisteuern. Damit er nicht zu umfangreich ausfällt, teile ich ihn auf zwei Artikel auf, wobei es im ersten um meinen persönlichen Blick auf das Hörspieljahr 2014 geht und im zweiten um mein Kinojahr. Der Teil 2 wird in den nächsten Wochen erscheinen. Einen genauen Termin dafür habe ich zwar noch nicht festgelegt, doch auf der Facebook-Seite meines Blogs werde ich aber rechtzeitig darauf hinweisen, wenn der abschließende Teil meines Rückblicks zur Veröffentlichung anstehen. Genug der Vorrede, kommen wir zur Sache. 


Watchmans Hörspieljahr 2014:

Für mich als SF-Fan mit einer großen Affinität für Hörspiele war 2014 nicht zuletzt deshalb ein spannendes Jahr, weil mit Mark Brandis – Raumkadett, Fraktal, Raumschiff Promet und zuletzt Heliosphere 2265 gleich vier neue Serien ins Rennen geschickt wurden. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann es das zuletzt einmal gab. Aber es ist bestimmt schon eine Weile her. Zudem wurden bestehende Serien im kommerziellen wie unkommerziellen Bereich weitergeführt und es gab einige Einzelhörspiele und nennenswerte Radioproduktionen, so dass sich mir dieses Jahr das Bild eines doch ziemlich reichhaltigen Angebots bot.

Der Januar brachte mit Mark Brandis: Metropolis-Konvoi den spannenden und auch dramatischen Abschluss eines Zweiteilers, den Folgenreich und Interplanar im Oktober 2013 begonnen hatten. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass ich bis zum Juli auf das nächste MB-Abenteuer würde warten müssen. Als Mark Brandis: Die Zeitspule dann als Doppelfolge schließlich auf den Markt kam, wurde ich für meine Geduld jedoch mit einem Hörspiel belohnt, bei dem von den Machern mal wieder alle Register gezogen wurden. Eigentlich hatte ich mich anschließend darauf eingestellt, im Herbst noch ein weiteres Hörspiel aus dieser Serie erleben zu können, woraus aber aus produktionstechnischen Gründen leider nichts wurde. Veröffentlicht wird Mark Brandis: Planet-Aktion Z stattdessen am 30. Januar 2015.

Nachdem Anfang April die ersten Informationen zu Mark Brandis – Raumkadett durchsickerten, sah ich dem Start dieses Prequels mit großer Spannung entgegen. Ende Mai war es dann soweit: Folgenreich präsentierte mit Mark Brandis - Raumkadett Folge 1: Aufbruch zu den Sternen und Folge 2: Verloren imAll zum Einstand gleich einen Doppelpack, der sich in der Tat hören lassen konnte. Natürlich musste ich mich als langjähriger Hörer der Originalserie erst an die neuen Gegebenheiten und die Sprecher gewöhnen, doch dies gelang relativ zügig. Im August schoss man dann Folge 3: Tatort Astronautenschule nach und im November die Folge 4: Hinter den Linien. In diesem Jahr zeigte die Formkurve dieser Serie von Release zu Release deutlich nach oben, was hoffentlich auch 2015 so bleiben wird. Raumkadett ist eine schöne Ergänzung zu Mark Brandis und trotz des jugendlichen Protagonisten mit Sicherheit kein Kinderkram. Einen Ersatz für die Originalserie wird dieses Prequel für mich aber wohl niemals darstellen. Gute Unterhaltung bietet sie aber auf jeden Fall.

Dass man das Thema Raumfahrt auch anders als im herkömmlichen Sinne interpretieren kann, stellte Gigaphon ab Mitte Juni mit seiner neuen Serie Fraktal unter Beweis. In der Eröffnungsfolge Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos starten die Protagonisten mit der Skyclad zu einer Reise in den Fraktalraum - einem Universum, dem es an Wundern und Gefahren absolut nicht mangelt. Im Oktober ging es dann mit Fraktal 2: Sternenstaub weiter. Die Serie ist von der Sprecherseite her gut besetzt und die Soundkulisse hinterließ einen durchweg wertigen Eindruck. Vom Plot her gefiel mir Folge 1 etwas besser als die Fortsetzung, doch die Serie ist noch zu jung, um jetzt schon ein belastbares Urteil fällen zu können. Grundsätzlich ist Fraktal aber unbestritten auf einem richtigen Weg, den die Serie hoffentlich auch 2015 so weitergehen wird. Und eines muss man Fraktal unbedingt hoch anrechnen: Hier wird eine Geschichte erzählt, die originär fürs Hörspiel geschrieben wurde. Inzwischen ist das ja leider eine Seltenheit geworden.

Vom Fleck einen richtig starken Eindruck hinterließ Ende November auch die Pilotfolge der neuen Serie Heliosphere 2265. Für die Vertonung seiner Romane wurde von Greenlight Press die Mark-Brandis-Schmiede Interplanar beauftragt, und schon mit Heliosphere 2265 Folge 1: Das dunkle Fragment konnte sich diese Serie in meiner Gunst ganz weit oben platzieren. Eine absolut namhafte Besetzung, ein knackig-spannendes Skript, tolle Sounds und ein stimmiger Soundtrack lassen für mich nur ein Fazit zu: So hat eine Space Opera gefälligst zu klingen! Die nächsten beiden Folgen befinden sich für 2015 schon in der Vorbereitung und ich kann es wirklich kaum erwarten, sie zu Gehör gebracht zu bekommen.

Neben Serien standen dieses Jahr aber auch wieder eine Reihe von Einzelhörspielen auf meinem Programm. Das Unterwasserabenteuer Hydrophobia kannte ich schon als Hörspielprojekt-Produktion aus der freien Szene, doch diese kommerzielle Neuauflage vom Ohrenkneifer ist in quasi allen Belangen weit überlegen. Bis dahin kannte ich keine Veröffentlichungen dieses Labels, doch Hydrophobia sprach mich derart an, dass ich mir im Laufe des Jahres auch noch dessen Krimi South of Market und den Western-Thriller Blutige Fährten anhörte. Ebenfalls zwei starke Hörspiele. Steampunk stand 2014 in Form von Marco Ansings Die letzte Instanz auf dem Zettel. Ursprünglich als sog. Live-Hörspiel konzipiert, machte auch die reine Audio-Version viel Spaß. BBC 4 legte ein zweite Staffel seiner Dangerous Visions vor, wodurch ich in den Genuss einer zweiteiligen Adaption von Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electic Sheep? kam. Außerdem brachte man zudem Vertonungen der Erzählungen The Martian Chronicles und The Illustrated Man meines Lieblingsautors Ray Bradbury. Was Radiohörspiele angeht, kennen sich die Briten wirklich aus.

In den letzten Jahren war ich der freien Hörspielszene regelrecht für ihr Engagement dankbar, denn durch ihre Produktionen konnte ich den Mangel an brauchbaren kommerziellen Alternativen mehr als ausgleichen. 2014 war es eher andersrum: Durch die zahlreichen neuen Profit-Serien fiel mir gar nicht so sehr auf, dass die Non-Profits in Sachen SF-Hörspiele nicht viel zu bieten hatten. Bei der Speerspitze Rick Future wurde das Projekt der Second Editions der Folgen der ersten Staffel nahezu zu Abschluss gebracht, denn Rick Future 5 (SE): Roter Sand und Folge 6 (SE): Kampf der Brüder kamen zur Veröffentlichung. Nun fehlt nur noch Folge 7 (SE): Die fünfte Prüfung. Mit etwas Glück wird es bis zum Jahresende noch etwas mit der VÖ. Einen Termin will Serienerfinder Sven Matthias nach Möglichkeit demnächst nennen. Bislang schafften es die Blackdays jedes Jahr, eine neue Episode ihrer Zeitreise-Saga TimeShift vorzulegen. Und auch dieses Jahr war dies wieder so. TimeShift 6: Vigil by the Body kam Ende November raus und wird demnächst von mir rezensiert. Ich freue mich schon auf dieses Hörspiel. Das war es dann aber auch schon mit den freien SF-Produktionen. Eher dem Genre Mystery/Grusel zuzuordnen ist die Reihe Scary Stories von Frank Hammerschmidt, deren Folge 6: Das Wäldchen und Folge 7: Der Krähen-Acker dieses Jahr bei Soundtales Productions erschienen. Zwei gelungene Kurzhörspiele, auf die ich unter dem Vorzeichen "Blick über den Tellerrand" auch hier im Blog zu sprechen kam. 


Fazit & Ausblick:

Sowohl in quantitativer wie auch qualitativer Hinsicht war 2014 für mich ein gutes Hörspieljahr. Die bestehenden Serien wurden auf hohem Niveau weitergeführt und die Neustarts konnten meine Erwartungen durchaus erfüllen, die ich in sie gesetzt hatte. Und da für Anfang März 2015 mit Perry Rhodan bereits der Auftakt einer weiteren Serie angekündigt wurde, habe ich mittlerweile sogar die leise Hoffnung, 2014 könnte vielleicht den Beginn eines Trends im Hörspielmarkt hin zu wieder mehr Science-Fiction markiert haben. So sehr mich das freuen würde, so darf man dennoch die Augen nicht davor verschließen, dass dieser Trend (wenn es sich denn überhaupt um einen handelt) noch ein zartes Pflänzchen ist, das von den unbarmherzigen Kräften des Marktes auch schnell wieder zertreten werden kann. So läuft Mark Brandis 2015 definitiv aus. Drei Folgen gibt es noch, dann ist – wahrscheinlich im Juli - unwiderruflich Schluss. Und von Mark Brandis: Raumkadett wurden von Folgenreich zunächst einmal sechs Folgen bestellt, von denen die letzte im Mai vorliegen dürfte. Wie und ob es dann weitergeht, ist im Moment noch völlig unklar. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Folgenreich inzwischen in Sachen Hörspiele eine Exit-Strategie verfolgt. 

Auf der positiven Seite: Fraktal dürfte uns wohl auch im nächsten Jahr erst einmal erhalten bleiben, denn Gigaphon hat die erste Staffel auf 6 bis 8 Folgen angelegt. Und wenn das überaus wohlwollende Feedback der Hörspielfans sich auch in entsprechende Abverkäufe übersetzt, muss man sich über die Zukunft von Heliosphere 2265 derzeit ohnehin keine Gedanken machen. Ob die Zahlen auch im Falle von Raumschiff Promet stimmen, weiß nur das Label Winterzeit. Ich habe die ersten Folgen dieser Serie noch nicht gehört, nehme jedoch wahr, dass die Ansichten zum Teil recht weit auseinandergehen. Zur Figur Perry Rhodan konnte ich bisher nie einen rechten Bezug herstellen, doch einer hochwertig umgesetzten Hörspielserie mit diesem Protagonisten würde ich mich dennoch nicht verschließen. Andererseits will Zaubermond die 10 Folgen der ersten Staffel im monatlichen Rhythmus abhandeln, was durchaus schon eine Menge Holz ist. Sieht mir aktuell nach einem klassischen Fall von "Schauen wir mal..." aus. Ansonsten hoffe ich darauf, dass die freie Szene und das Radio für mich auch in den kommenden 12 Monaten wieder einige interessante Sachen bereit halten werden und vielleicht noch die eine oder andere neue kommerzielle Serie hinzukommt. Wenn dem so wäre, dann dürfte auch 2015 für mich ein wirklich schönes Hörspieljahr werden. 

 

0 Kommentare: