Adieu, Roberto Orci! Quo Vadis, Star Trek?


Wann denn nun der dritte Star-Trek-Film der neuen Ära, die J.J. Abrams mit Star Trek im Jahre 2009 eingeläutete hatte, definitiv in die Kinos kommt, ist weiterhin nicht offiziell geklärt. Viele Beobachter gehen jedoch davon aus, dass es 2016 soweit sein wird, denn dann feiert das Franchise seinen 50. Geburtstag. Eines scheint jedoch neuerdings festzustehen: Roberto Orci, den Paramount bislang als Regisseur auserkoren hatte, wird diesen Film nicht inszenieren. Der Branchendienst Deadline brachte diese Neuigkeit am Freitag exklusiv, und seitdem haben auch andere Websites wie Entertainment Weekly, Coming Soon und Blastr dieses Thema aufgegriffen. Wenngleich ich im weiteren Verlauf dieses Artikels davon ausgehe, dass diese Information den Tatsachen entspricht, so muss ich dennoch eines vorab betonen: Dass Orci Star Trek 3 (oder 13, ganz nach Lesart) nicht machen wird, wurde bisher von Paramount nicht bestätigt. Es könnte also grundsätzlich durchaus so sein, dass sich die ganze Angelegenheit als Ente herausstellt. Ein gewisses Maß an Vorsicht ist also geboten.

Orci schien nach dem Abgang von J.J. Abrams Richtung Star Wars einerseits als ein logischer Nachfolger für den Regiestuhl. Denn zusammen mit Alex Kurtzman hatte er nicht nur die Drehbücher zu Star Trek und Star Trek Into Darkness geschrieben, sondern zeichnet zusammen mit Patrick McKay und J.D. Payne auch für das Skript zu Star Trek 3 (Arbeitstitel!) verantwortlich. Es dürfte also kaum jemanden geben, der sich im "Abrams-Verse" so gut auskennt, wie Orci es tut. Andererseits kann man aber eine wichtige Tatsache nicht wegdiskutieren: Vorausgesetzt, Paramount macht den nächsten Stra-Trek-Streifen tatsächlich zum Jubiläumsfilm, dann handelt es sich um ein Projekt mit einem enormen Prestigewert. Und Orci ist nun einmal jemand, der in Sachen Regie schlicht und ergreifend keinerlei Erfahrung besitzt, denn dieser Film wäre sein erster gewesen! Natürlich lassen sich einige Beispiele für richtig gelungene Debütfilme finden, aber wir reden im Bezug auf den nächsten Star Trek ja von einer Big-Budget-Produktion, und da wird die Zahl der Beispiele schon deutlich geringer. Star Trek Into Darkness kostete ca. 190 Mio. Dollar (plus Werbekosten) und Star Trek 3 dürfte kaum billiger werden - eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Ein solches Projekt - zumal mit ordentlich Prestige verbunden -  in die Hände eines Newcomers zu legen, war schon sehr mutig von Paramount. Es würde daher nicht verwundern, wenn sich am Ende herausstellen würde, das Studio habe im Bezug auf das Vertrauen in Orcis Regiefähigkeiten einfach kalte Füße bekommen. Nachvollziehbar wäre es auf jeden Fall.

Trotz des "Abschieds" von Roberto Orci gäbe grundsätzlich erst einmal keinen Grund, sich über den weiteren Verlauf der Pre-Production zu Star Trek 3 Sorgen zu machen, denn wie Marvel Studios im Falle von Ant-Man bewiesen hat, ist selbst ein kurzfristiger Austausch eines Regisseurs machbar, wenn produktionsseitig ansonsten alles im grünen Bereich ist. Wie Badass Digest meldet, soll dem aber im Bezug auf Star Trek 3 nicht so sein. Die Website schreibt, dass Orci gefeuert wurde, weil es erhebliche Schwierigkeiten mit seinem Drehbuch geben soll. Angeblich soll dessen Plot davon handeln, dass die Föderation, die Vulkanier und eine neue Alien-Rasse hinter einer Art Zeitmaschine her sind, mit der insbesondere die Vulkanier die Zerstörung ihrer Heimatwelt ungeschehen machen wollen. Die Story hätte es angeblich ermöglicht, dass Chris Pine und William Shatner zusammen auf der Leinwand zu sehen gewesen wären. In gewisser Hinsicht hätte der dritte Star-Trek-Film also eine Art Reboot im Hinblick auf die ersten beiden Filme bedeutet. Über die Ausrichtung des Skripts soll es zwischen Orci und Paramount zu einem Streit gekommen sein, in dessen Verlauf das Studio die Pre-Production gestoppt und darum die Set-Designer angeblich nach Hause geschickt wurden.  Badass Digest spekuliert nun darüber, ob das Drehbuch von Orci möglicherweise der Vergangenheit angehört. Andere Branchendienste haben von diesen Problemen jedoch keine Kenntnis und gehen weiterhin davon aus, dass Star Trek 3 mit dem vorgesehenen Drehbuch realisiert wird. Aber nun eben von einem anderen Regisseur.

Wer dies sein könnte, darüber gibt es nun ebenfalls viele Vermutungen. Deadline will gehört haben, das Edgar Wright, der ehemals Ant-Man inszenieren sollte, auf einer recht kurzen Liste von Kandidaten stehen soll, die von Paramount zusammengestellt wurde. Entertainment Weekly spielt gleich eine ganze Reihe möglicher Regisseure durch, die von Edgar Wright bis Jonathan Glazer reicht, dessen SF-Film Under the Skin mit Scarlett Johansson es leider nicht in die deutschen Kinos schaffte. In den nächsten Tagen (und vielleicht sogar Wochen) werden sicherlich noch viele Namen genannt werden. Es sei den, Paramount kommt schnell zu einer Entscheidung und kann die Verhandlungen mit dem jeweiligen Auserkorenen zügig abschließen. 

Quo Vadis, Star Trek? Der nächste Film wird mit Sicherheit kommen. Wenn nicht 2016, dann eben ein Jahr später. Aber ich bin ziemlich sicher, dass er im Jubiläumsjahr erscheinen wird. Daran ändert auch die Entlassung (wenn er denn wirklich gefeuert wurde) von Orci nichts. Was die Infos von Badass Digest angeht, so sollte man durchaus vorsichtig sein. Wie gesagt: Kein anderer Brachendienst erwähnt im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen irgendwelche Skript-Probleme. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall. Gut möglich, dass an diesem Punkt gar nichts dran ist. Unterm Strich halte ich es für eine richtige Entscheidung, die Regie von Star Trek 3 einem Mann oder einer Frau mit Erfahrung zu übertragen. Der Film ist für das Franchise einfach zu wichtig und zu teuer, um irgendwelche Risiken eingehen zu können. Ich bin sicher, dass Paramount jemanden finden wird, der dem Job eher gewachsen ist, als Orci es  - bei allem Respekt gegenüber seiner Person  - wohl gewesen wäre.

Hinweis in eigener Sache: Ein Anschlussartikel von mir zum Thema findet sich hier.

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