Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 - Folge 1: Das dunkle Fragment» (Greenlight Press/Interplanar)


Im Jahre 2012 startete beim Verlag Greenlight Press die SF-Romanserie Heliosphere 2265, die sich seither bei Lesern wie Kritikern gleichermaßen großer Beliebtheit erfreut. Zwei Nominierungen für den letztjährigen Deutschen Phantastik Preis und eine für den DPP 2014 sprechen eine deutliche Sprache. Ab morgen erschließt sich der Verlag einen weiteren Kundenkreis für die Abenteuer von Captain Jayden Cross und der Crew des Raumschiffs Hyperion, denn dann startet mit Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment die Adaption der Romane als Hörspielserie.

Im November 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über den Interlink-Kreuzer Hyperion. Da es sich um das neueste - und damit schnellste und am besten bewaffnete - Schiff handelt, soll es an Brennpunkten der Solaren Union eingesetzt werden. Bereits der erste Auftrag führt Captain Cross und seine Crew in ein gefährliches Abenteuer. Eine Bergungsmission nahe des Raumsektors eines alten Feindes droht zur Katastrophe zu werden, als die Hyperion auf ein geheimnisvolles Artefakt stößt - mit unabsehbaren Folgen ...

Die Heliosphere-Romane stammen aus der Feder von Andreas Suchanek; das Skript für die Hörspielumsetzung verfasste Balthasar v. Weymarn. Und in der Tat hält sich der Plot der Adaption eng an die Geschichte der literarischen Vorlage. Wie es für solche Auftaktfolgen üblich ist, müssen zunächst einmal die Ausgangssituation und die Charaktere etabliert werden. Dies geschieht dankenswerterweise jedoch sehr zügig und dann geht die Hyperion auch schon auf ihre erste Mission. Der Trip in die Grenzregionen der Solaren Union entpuppt sich dabei als ein spannendes und atmosphärisches Abenteuer, bei dem der Hörer weder auf gefährliche Aliens verzichten muss, noch auf ein mysteriöses Artefakt, Weltraumschlachten oder gewagte Manöver im All. Zudem wird man mit den Machtpoker innerhalb der Admiralität vertraut gemacht. Und es wird deutlich, dass sich hinter den Kulissen noch etwas wesentlich Größeres und Gefährlicheres zusammenbraut. Die Protagonisten, insbesondere Captain Cross und seine Stellvertreterin Noriko Ishida, gewinnen erste Konturen, wobei sich durchaus eine interessante charakterliche Bandbreite und Vielschichtigkeit abzeichnet, die in den kommenden Folgen sicherlich noch weiter ausgeleuchtet wird. Es ist ein sympathischer Eindruck, den die Crew beim Publikum nach dieser ersten Begegnung mit ihr hinterlässt. Die Erzählweise, welche die jeweilige Mission mit einem roten Faden verknüpft, der sich durch mehrere Folgen zieht, ist absolut zeitgemäß und weckt die Neugier auf die Fortsetzung der Saga.

Für die Produktion ihrer Hörspielserie hat sich Greenlight Press mit Interplanar eine Schmiede ins Boot geholt, die wie kaum eine zweite in der Szene für hochwertig umgesetzte SF-Hörspiele bekannt ist. Seit 2007 entstehen dort die Folgen der Serie Mark Brandis, und dieses Jahr begann man außerdem mit dem Prequel Mark Brandis – Raumkadett. Eines der Markenzeichen dieser beiden Serien ist die hochwertige Besetzung, und wenn man sich anschaut, wer unter der Regie von Balthasar v. Weymarn für Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment dem Mikrophon agiert, dann darf man durchaus beeindruckt sein. Mit Wanja Gerick, Anke Reitzenstein, Christin Marquitan, Tobias Kluckert und Manja Doering konnte man Sprecherinnen und Sprecher gewinnen, die SF-Fans aus dem Synchronbereich (z.B. aus Star Wars, den Stargate-Serien oder Star Trek) bekannt sein dürften. Und Daniel Claus, Uve Teschner und Thomas Nero Wolff sind für die Hörer der MB-Serien alte Bekannte. Die Promotion für die neue Serie stellt das Faktum, dass man "Hollywood-Stimmen" an Bord hat, recht deutlich nach vorne. Und es ist legitim, dass sie dies tut, denn immerhin bürgen solche Sprecher für Qualität, wie sich auch im Falle von Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment wieder einmal zeigt. Alle Beteiligten finden sich sehr schnell in ihren Rollen ein und erwecken diese glaubwürdig zum Leben. Abgerundet wird der Cast durch Thomas Schmuckert, Sarah Alles, Romanus Fuhrmann, Deborah Weigert, Sebastian Fitzner und Andrea Aust. Den Prolog spricht kein Geringerer als Joachim Kerzel. Von Jochim-C. Redeker stammen das Sounddesign und die Musik für dieses Hörspiel. Gemeinsam ergeben sie einen wirklich gelungenen Klangraum, der für die Geschehnisse den optimalen akustischen Rahmen bildet und maßgeblich zur Atmosphäre über die gesamten ca. 60 Minuten Spielzeit beiträgt. Wenn sich die Musik einmal in den Vordergrund drängt, dann tut sie es eindrucksvoll und im Dienste der Geschichte. Der Soundtrack verleiht der Geschichte eine zusätzliche Größe und erweist den bekannten musikalischen Themen bekannter Space Operas Reverenz, ohne sie dabei zu imitieren.

Die CD von Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment enthält neben dem Hörspiel auch noch interessantes Bonusmaterial. So hat Greenlight Press die Romanvorlage als Ebook in den Formaten EPUB, Kindle und als PDF auf den Silberling pressen lassen und stellt zudem noch etwas Artwork zur Verfügung. Für die Freunde des digitalen Contents liefert man das gesamte Hörspiel auch als MP3 auf der CD mit. Ein schöne Idee, die jenen entgegenkommt, die nicht selbst eine solche Version herstellen möchten oder können. Das Booklet informiert über die Entstehung der Romanserie, erklärt einige Hintergründe des Heliosphere-Universums, gewährt uns einen Blick in die Personalakte von Captain Cross und enthält noch einige Zeichnungen der Hauptfiguren der Serie. Man merkt dem Material an, dass sich hier wirklich Mühe geben wurde, allen den Einstieg zu erleichtern, die mit dieser Hörspielserie erstmals mit Heliosphere 2265 in Berührung kommen.


Mit Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment ist Greenlight Press und Interplanar ein richtiger starker Auftakt gelungen, der diese Serie vom Fleck weg ganz weit nach oben auf der Beliebtheitsskala katapultieren dürfte. Bereits die erste Geschichte lässt das Potenzial der Serie erkennen, die Besetzung ist über jeden Zweifel erhaben und in Sachen Sounddesign sowie Musik lässt man absolut nichts anbrennen. Für alle Fans von Space-Opera-Hörspielen gibt es ab jetzt einen neuen "Must-Have" !

Heliosphere 2265 – Folge 1: Das dunkle Fragment kommt am 28. November 2014 in den Handel.


 

Kommentare:

  1. Ich habe mir seiner Zeit die ersten beiden Romane für mein Kindle gekauft und war auch recht angetan. Allerdings war mir die Geschichte irgendwie zu vorausschaubar, sodass ich dann schnell wieder die Lust verloren haben.
    Mag aber auch daran liegen, das lesen generell nicht so meins ist und darum werde ich der Hörbuch-Version wohl noch mal eine Chance geben ;)

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    1. Ich denke tatsächlich, die Hörspiele werden eher etwas für Dich sein. Gibt der Sache ruhig eine Chance. In meinen Augen hat sie es wirklich verdient.

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  2. Na, dann sag mal WER der Obermotz des Bösen ist, was sein Ziel ist ...wenns so vorhersehbar ist ;)

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    1. Ich denke, diesen Spoiler ersparen wir uns besser :-)

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  3. Einfach geil! Man will sagen: endlich gibts auch diese Art SciFi als Hörspiel. Und nach der in meinen Augen ab ca. Halbzeit unfassbar verhunzten Serie Mark Brandis macht Interplanar hier bisher alles (Machbare) richtig. Gut, dass der Autor hier mitarbeitet... das verheisst ein enges Haften an der Buchfassung, also genau das, was bei Mark Brandis leider nicht mehr der Fall war.

    Einziger Kritikpunkt: es ist relativ schwierig, den doch sehr zahlreichen, aber teils recht ähnlich klingenden weiblichen Rollen zu folgen. Aber das wird sich geben und ist nunmal unvermeidlich.
    2)

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