Filmkritik: «Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1» (ab 20. November 2014 im Kino)


Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden kürzer und daher ist es wieder Zeit für einen neuen Panem-Film. Nach Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012) und Die Tribute von Panem - Catching Fire (2013) steht nun die Adaption des letzten Teils von Suzanne Collins' Buch-Trilogie auf dem Programm. Nun, zumindest der ersten Hälfte davon. Denn wie schon im Falle einer anderen Romanreihe praktiziert, so haben sich auch die Panem-Produzenten dazu entschlossen, den Plot des finalen Bands auf zwei Filme zu verteilen. Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 hat eine Laufzeit von ca. 125 Minuten und läuft ab morgen in den deutschen Kinos.

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) konnte von den Rebellen aus der Arena gerettet und in dem zerstört geglaubten Distrikt 13 in Sicherheit gebracht werden. Für die unterdrückte Gesellschaft wird sie zum Symbol des Aufstands gegen das Kapitol. Als der Krieg ausbricht, der das Schicksal Panems für immer bestimmen wird, muss Katniss sich entscheiden: Kann sie den Rebellen rund um Präsidentin Coin (Julianne Moore) trauen? Und was kann sie tun, um Peeta (Josh Hutcherson) aus den Fängen des Kapitols zu retten und Panem in eine bessere Zukunft zu führen?

Wer die ersten beiden Filme nicht gesehen oder die zugrunde liegenden Romane nicht gelesen hat, sollte dies vor dem Besuch des neuen Films auf jeden Fall nachholen. Dieser schließt nämlich direkt ohne große Vorreden an das Finale des Vorgängers an und setzt die Kenntnis der bisherigen Ereignisse voraus. Eine gute Entscheidung, denn immerhin befindet sich die Saga um Katniss und das Reich Panem nun auf der Zielgeraden, und es würde einfach viel zu lange dauern, den Plot gleich zweier Filme noch einmal zu rekapitulieren.

Stattdessen geben die Ko-Autoren Peter Craig und Danny Strong der Protagonistin lieber erst einmal etwas Zeit, um sich in Distrikt 13 zu orientieren und auf alte Bekannte zu stoßen, ehe sie mit ihrer neuen Rolle konfrontiert wird. Dass sie diese nicht einfach so annimmt, sondern erst in sie hineinwachsen muss, versteht sich von selbst. Wenn es jedoch so weit ist, entwickelt sich ein spannender Schlagabtausch zwischen Distrikt 13 und dem Kapitol – ein Gefecht, das zwar bisweilen auch handfest ausgetragen wird, vor allem jedoch auf der Ebene der Propaganda. Also auf Entfernung. Dem Drehbuch gelingt es ganz gut, die Geschehnisse als eine Abfolge von Aktion und Reaktion zu vermitteln, in der Katniss sowohl treibende Kraft wie auch Instrument ist. Francis Lawrence, der auch schon TvP - Catching Fire inszenierte, saß erneut auf dem Regiestuhl und führt seine Schauspieler mit sicherer Hand durch einen Film, in dem Jennifer Lawrence unangefochten der Star ist. Doch auch der Rest der Besetzung weiß zu gefallen und kann sich sehen lassen. Da die Screen-Time von Josh Hutcherson deutlich reduziert wurde, tritt die Interaktion zwischen Katniss und Gale in den Vordergrund, und Liam Hemsworth hinterlässt einen wirklich guten Eindruck. Den inzwischen leider verstorbenen Philip Seymour Hoffman noch einmal zu erleben, macht etwas wehmütig, doch der Mime kommt in diesem Film deutlich besser zur Geltung als im Vorgänger. Elisabeth Banks kam in den ersten beiden Panem-Filmen in ihrer Rolle als Effie Trinket beim Publikum dermaßen gut an, dass ihr Part in den dritten Film hineingeschrieben wurde, obwohl die Figur im abschließenden Roman der Trilogie gar nicht vorkommt. Eine gute Entscheidung, denn Banks sorgt für etwas Auflockerung in einem Film, der sich ansonsten selbst sehr ernst nimmt und den Humor-Faktor entsprechend niedrig hält. Entsprechend überschaubar fällt auch die Präsenz von Stanley Tucci aus. Insgesamt schaffen es alle Beteiligten, ihre Rollen gut auszufüllen und zum Leben zu erwecken.

Der Film springt genau so aus der Handlung heraus, wie er zu Beginn hineingesprungen ist: Irgendwo mittendrin im großen Handlungsbogen dieser Saga. Seinen Eigenwert bezieht Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 zum einen aus der Tatsache, dass er einen Wendepunkt im Konflikt zwischen dem Kapitol und den Distrikten markiert: Die Hungerspiele sind vorbei, der Widerstand formiert sich endgültig und die Revolution nimmt Fahrt auf. Dies zu verfolgen, hat seinen Reiz und sorgt für kurzweilige Unterhaltung über die zwei Stunden, die der Film dauert. Und zum anderen bereitet der Film natürlich den Boden für das große Finale, in dem sich das Schicksal von Panem entscheidet. Das findet dann in Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 statt, der aktuell für den 19. November 2015 angekündigt ist. Die Kritiker werden sicherlich anmerken, dass Jennifer Lawrence weiterhin eigentlich zu schön, zu makellos ist, um auch in den Augen eines scharfen Kritikers (der ich in diesem Falle nicht sein möchte) in der Rolle der Katniss bis ins Letzte glaubwürdig zu sein. Und natürlich muss sie für diese Rolle nur einen Teil ihres schauspielerischen Talents abrufen. Doch dies war in den vorangegangenen Filmen schon so und tat ihrem Erfolg keinen Abbruch. Und inzwischen hat man sich daran gewöhnt, dass die Panem-Welt eine ist, die zwischen Überstilisierung und Unterkomplexität schwankt, weshalb ihr stets eine eigentümliche Künstlichkeit anhaftet. Gerade letzteres zu ändern, würde jedoch einen Bruch innerhalb der Serie bedeuten, der wiederum zu Kritik Anlass gäbe. Dann doch lieber Kontinuität. Ohnehin: Wer sich an den genannten Punkten in den ersten beiden Filmen nicht gestört hat, wird es auch jetzt nicht tun. Und wem diese Punkte vorher schon sauer aufstießen, wird sich Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 wahrscheinlich ohnehin nicht anschauen.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 präsentiert sich so, wie man es erwarten durfte. Es ist ein Film, der sich von der Machart her in die Reihe der bisherigen Teile einfügt, die Entwicklung der Charaktere begleitet und das Szenario für den Endkampf definiert. Mehr kann man von einem vorletzten Teil einer großangelegten Geschichte nicht erwarten. Da der Film all dies liefert, hat er seine Existenzberechtigung. Dass er eine Zwischenstation auf dem Weg zum Showdown ist, kann man ihm nicht vorwerfen. Wem also die bisherigen Panem-Filme zusagten, wird auch an dem neuen Gefallen finden.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 läuft ab dem 20. November 2014 in den deutschen Kinos.



1 Kommentar:

  1. Wie jetzt, „Tribute“ ohne Gladiatorenspiel, geht das denn? Ich finde, das geht gar nicht so schlecht – der Film macht Spaß und seine Charaktere sind weiterhin glaubwürdig und (was schwieriger ist) nahtlos anschließend an die ersten beiden Folgen. Allerdings… es passiert nicht wirklich viel. Wie bei dritten Teilen einer auf vier Teile gestreckten Trilogie (ich glaube mir wird schlecht…) üblich, wird hier eigentlich nur das Feld für Teil vier bereitet. Eine einzige, lange Exposition mit ein paar Seitenplots, damit der Kinobesucher sich nicht gar zu verschaukelt fühlt. Na, dann nehmen wir eben diesen Film als Trailer und hoffen auf das große Finale im nächsten Jahr.

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2014/11/die-tribute-von-panem-mockingjay-teil-1.html

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