Rezension: Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos (Gigaphon Entertainment)


Als Produzent von Dragonbound machte sich die Firma Gigaphon im Laufe der letzten Jahre in der Hörspielszene einen Namen. Inzwischen hat sie auch als eigenständiges Label die Bühne betreten und das neueste Projekt der Dragonbound-Macher ist eine Serie aus dem Genre der Science-Fiction: Fraktal. Die Auftaktfolge mit dem Titel Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos weist eine Spielzeit von ca. 70 Minuten auf und ist seit Mitte Juni 2014 im Handel.

Der britische Journalist Jason Jublonsky wird von der Forschungseinrichtung CET nach Genf eingeladen, um exklusiv über eine neue, bahnbrechende technische Errungenschaft zu berichten. Tatsächlich präsentiert man ihm ein gigantisches Raumschiff – die Skyclad. Doch das Ziel des eigens für den Reporter inszenierten Demonstrationsflugs ist nicht etwa der Weltraum, sondern die unerforschte Dimension des Mikrokosmos. Fasziniert taucht Jay in die Wunderwelt des sogenannten Fraktaluniversums ein – bis ein Unglück die Skyclad beschädigt und ihre Besatzung plötzlich ums nackte Überleben kämpfen muss…

Das Universum ist bekanntlich in zwei Richtungen unendlich: Nach innen und nach außen. Indem Autor Peter Lerf in Fraktal die Crew der Skyclad nicht die Weiten des Alls erkunden lässt, sondern die Welt des Mikrokosmos, führt er damit eine Traditionslinie fort, zu der bereits Schriftsteller wie Richard Matheson oder der Filmemacher Richard Fleischer Beiträge geliefert haben. Der legendäre Matheson etwa schrieb 1956 den Roman The Shrinking Man (dt.: Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.), in der ein Durchschnittsbürger mit einer mysteriösen Wolke in Kontakt kommt, deren Strahlung ihn immer weiter schrumpfen lässt, bis er schließlich im Mikrokosmos aufgeht. Matheson schrieb übrigens auch das Drehbuch für die Verfilmung des Stoffes (als The Incredible Shrinking Man) durch Jack Arnold im Jahre 1957. Unter der Regie von Richard Fleischer wiederum wurde 1966 in dem Streifen The Fantastic Voyage (dt.: Die phantastische Reise) ein Spezial-U-Boot samt Besatzung so lange verkleinert, bis es den Körper eines Wissenschaftlers bereisen konnte, um in dessen Gehirn mittels Laser ein lebensbedrohliches Blutgerinnsel zu beseitigen. Peter Lerf braucht als Motor für seine Geschichte jedoch keinen medizinischen Notfall oder geheimnisvolle Strahlen, sondern setzt auf den menschlichen Forscherdrang als Triebfeder für das Unternehmen. In klassischer Manier führt der Autor zunächst die zentralen Figuren ein, etabliert anschließend die Ausgangssituation, um dann die Skyclad auf ihre Mission zu schicken. Charakteristisch für dieses Hörspiel ist dabei das Erzähltempo, das nicht nur dann, wenn der Trip in den Mikrokosmos zur Katastrophenfahrt zu werden droht, erfrischend hoch ist, sondern auch im zwangsläufig durch eine Reihe von Expositionen geprägten ersten Viertel der Produktion. Lerf liefert ausreichend Informationen, um den Hörer in die Grundlagen des Fraktaluniversums und in das Design des Raumschiffs einzuweihen, verliert sich jedoch nicht hoffnungslos in Details.

Stattdessen konzentriert er sich lieber auf die Protagonisten, die er als einen Fächer unterschiedlicher Charaktere angelegt hat. Vom besonnenen und entschlussfreudigen Captain Pierce, über das Raubein Spooner, die einfühlsame Biologin Amy Keppler, die abgeklärte Pilotin Kaylani Soto und bis hin zum wissbegierigen und aufgeschlossenen Journalisten Jay Jublonski hat der Autor alles im Angebot, was eine abwechslungsreiche Besatzung ausmacht. Einzig über den Ingenieur Sabian und den Schiffsarzt Copeland kann man sich noch kein rechtes Bild machen, da beide kaum in Erscheinung treten. Als Anker bzw. Bezugsperson bietet sich in diesem Hörspiel für den Hörer natürlich in erster Linie Jublanski an, denn für ihn ist alles genauso neu und aufregend wie für das Auditorium. Und wie der Reporter, so kann sich auch der Zuhörer dem Sense of Wonder nicht entziehen, den Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos verströmt. Unwiderstehlich wird man hineingezogen in eine unglaubliche Welt, die wunderschön ist und verdammt gefährlich zugleich. Wie gefährlich sie ist, das bekommt die Crew dann am eigenen Leib zu spüren. Das Skript dreht in dieser Phase richtig auf und es wird ein Action-Feuerwerk abgebrannt, das akustisch wirklich beeindruckend ist und mitreißt. Peter Lerf, der neben dem Dialogbuch auch für die Regie, den Soundtrack und die Mischung verantwortlich zeichnet, hat unbestreitbar ganze Arbeit geleistet und eine Eröffnungsfolge geschrieben, die vom Plot, von der Interaktion der Figuren und nicht zuletzt auch vom Spannungsbogen her absolut überzeugen kann.

Was die Besetzung der Hauptrollen angeht, so konnte Gigaphon mit Martin L. Schäfer (Jublonsky), Gordon Piedesack (Captain Pierce), Martin Sabel (Spooner), Bettina Zech (Amy Keppler), Robert Missler (Sabian), Sven Mai (Copeland) und Julia Casper (Kaylani Soto) einen wirklich namhaften Cast vor das Mikrophon holen, der sich durch große Spielfreude auszeichnet und glaubwürdige Verkörperungen der Protagonisten abliefert. Dies gilt auch für Jürgen Bauer als Professor Briscott und Carmen Molinar, die dem Bordsystem LUNA ihre Stimme leiht. Die Performance der Sprecherinnen und Sprecher wird dabei eingebettet in einen Klangraum, der sich in allen Szenen durch eine atmosphärische Dichte besticht, die der Handlung Glaubwürdigkeit und zusätzliche Spannung verleiht. Zusammen mit dem Soundtrack ergibt sich damit eine akustische Kulisse, an der es nichts auszusetzen gibt.

Mit Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos hat Gigaphon Entertainment den Startschuss für eine neue packende Hörspielserie gegeben, die das Thema der klassischen Abenteuer-SF auf eine moderne und zeitgemäße Art interpretiert, da nicht nur Spannung und Action in Fokus stehen, sondern auch die Charaktere ansprechend und mit Potential zur Weiterentwicklung angelegt wurden. Das Fraktaluniversum hält mindestens so viele erzählerische Möglichkeiten bereit, wie der Kosmos außerhalb unserer Erde. Und deshalb darf man wirklich gespannt sein, wie die Geschichte der Crew der Skyclad weitergeht.

Fans der Hörspiel-SF, die endlich wieder einmal den Sense of Wonder verspüren wollen, kann man Fraktal 1: Verloren im Mikrokosmos wirklich nur empfehlen. 



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