Rezension zu «Mark Brandis - Raumkadett 02: Verloren im All» (Folgenreich/Interplanar)


Zusammen mit der ersten Folge von Mark Brandis – Raumkadett (ich rezensierte sie hier) bringen Interplanar und Folgenreich am heutigen Freitag gleich auch die zweite Folge mit dem Titel Verloren im All in die Läden. Hatte der Serienauftakt eine Laufzeit von ca. 65 Minuten, so fällt diese Produktion mit ungefähr 57 Minuten etwas kürzer aus.

Für den jungen Mark Brandis ist es ein großer Tag, denn er wurde in den ersten Jahrgang der neuen Astronautenschule aufgenommen. Noch freut er sich darauf, neue Freunde zu finden und Abenteuer zu erleben, doch schneller als er gedacht hatte, geht es hinaus in den Weltraum und die Herausforderungen, die dort auf ihn warten, werden ihm viel abverlangen.

Zwei Jahre sind seit den Ereignissen in Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen vergangen, Brandis macht die ersten Gehversuche als zukünftiger Raumfahrer und beginnt damit, neue Freundschaften zu schließen. Da seine Zeit an Bord der Barbarossa hinter ihm liegt, muss sich der junge Mark – und mit ihm das Publikum - an ein komplett neues Set an Personen gewöhnen. Dem Protagonisten fällt dies zu Beginn nicht ganz leicht und auch der Hörer braucht einige Zeit, um sich auf die neuen Charaktere einzustellen. Dankenswerterweise bleibt die Zahl der Figuren in diesem Hörspiel übersichtlich. Die Geschichte hält sich nicht mit langen Vorreden auf, sondern kommt schnell zu Sache und hält ihr Tempo auch über die gesamte Spielzeit durch. Unnötigem Leerlauf gibt sie damit keine Chance. 

Es sind klassische Themen wie Verhalten in der Gruppe und Reagieren in Stresssituationen, die in Mark Brandis – Raumkadett 02: Verloren im All behandelt werden, wenn sich die Kadetten plötzlich in einer Situation wiederfinden, auf die sie niemand vorbereitet hat. Zwar fehlt es nicht an Dramatik, doch es sind in erster Linie Charakterstudien, die Balthasar v. Weymarn in seiner Story vornimmt, die sich dieses Mal an keiner Romanvorlage von Nikolai v. Michalewski orientiert, sondern lediglich auf einzelne von ihm geschaffene Figuren zurückgreift. Mark Brandis steht natürlich im Mittelpunkt des Geschehens und er lässt dabei bereits in jungen Jahren einige Wesenszüge durchscheinen, die ihn später als Weltraumpartisanen, Testpiloten der VEGA und als Vormann der Gesellschaft zu Rettung Raumschiffbrüchiger kennzeichnen werden. Gleichzeitig ist der zukünftige Weltraumheld dieses Mal aber in eine Gruppe talentierter Kadetten eingebunden und darauf angewiesen, dass diese mit ihm am gleichen Strang zieht. Dies zu akzeptieren, ist schwer für ihn. Doch Mark Brandis lernt seine Lektion und gewinnt an Statur in diesem Hörspiel, was der Serie insgesamt sehr gut tut. Aber auch die übrigen Kadetten sind interessant gezeichnet und verfügen inder Tat durchaus über Potential für weitere Auftritte. Es wäre schön, wenn sie in den nächsten Folgen wieder mit von der Partie wären.

Von der Umsetzung her gibt ich auch diese Interplanar-Produktion keine Blöße. So wird der Cast erneut angeführt von Daniel Claus als junger Mark Brandis, dem man für dieses Hörspiel Sebastian Kluckert, Friedel Morgenstern, Konstantin Seidenstücker und Leyla Rohrbeck zur Seite gestellt hat. In einer kleinen Rolle ist Peter Groeger zu hören, Leon Boden gibt den Commander Richard Westhoff und Reinhard Scheunemann nimmt seine Rolle als Direktor Zarin Narayan aus Folge 1 wieder auf. Außerdem sind noch Joanna Praml, Wanja Gerick, Oliver Seidler und Jessica Müller mit dabei. Michael Lott führt als kommentierender Erzähler durch die Handlung. Musik und Effekte wurden von Jochim-C- Redeker sorgsam gewählt und passend in der Abmischung auf einander abgestimmt. Auf diese Weise ergibt sich eine Soundkulisse von atmosphärischer Dichte, die der Handlung einen stimmigen Rahmen gibt und kaum Wünsche offen lassen dürfte.

Bei allem Lob möchte der Rezensent aber auch nicht verhehlen, dass es zwei Aspekte gibt, mit denen er sich bestenfalls nur schwer anfreunden kann. Da wäre zum einen die Tatsache, dass Interplanar mit Mark Brandis – Raumkadett die Tradition der gelesenen und mit Musik unterlegten Credits aufgegeben hat. Ein ordentlicher Abspann gehört zu einem rundweg gelungenen Hörspiel einfach dazu und da die Folgen bisher ca. 65 und 57 Minuten Laufzeit hatten, kann man auch nicht argumentieren, der Abspann hätte nicht mehr auf die CD gepasst. Zum anderen fällt negativ auf, dass die Macher die bisherigen Folgen jedes Mal mit etwas haben enden lassen, was in der Hörspielszene als Der Abschlusslacher bezeichnet wird. In den 1980ern gehörte dieser zur Regel und der Dauerläufer Die Drei Fragezeichen verwendet ihn vielleicht auch heute noch (der Rezensent hat sich mit DDF schon lange nicht mehr beschäftigt), doch solch ein Ausklang wirkt äußerst antiquiert und infantil für eine Serie, die sicherlich nicht nur ein Publikum der Altersklasse 6 bis 12 Jahre erreichen möchte. Gelegentlich kann man eine Geschichte vielleicht so enden lassen, aber da gleich beide der bisherigen Folgen so abgeschlossen wurden, drängt sich der Gedanke auf, es handle sich um ein bewusst gewähltes Stilmittel, das nun jedes Mal zum Einsatz kommen soll. Das wäre schade, denn der Rezensent möchte Mark Brandis – Raumkadett wirklich nicht als Kinderkram oder als einen verspäteten Nachzügler aus dem letzten Jahrhundert betrachten, sondern als eine zeitgemäße Serie von heute. Stilmittel von gestern sind in diesem Zusammenhang nicht sonderlich hilfreich.

Unterm Strich stellt Mark Brandis – Raumkadett 02: Verloren im All eine schöne Fortsetzung des Erzählstrangs dar, der in der vorangegangenen Folge begonnen wurde. Das Hörspiel bietet kurzweilige Unterhaltung, kann in puncto Besetzung, Musik und Sounddesign voll überzeugen und so langsam wird man auch der Figur des jungen Mark Brandis warm. Nach etwas holperigem Start scheint die Serie nun Fuß gefasst zu haben und man darf darauf gespannt sein, ob sie in den nächsten Veröffentlichungen auf diesem Weg bleibt.


Mark Brandis – Raumkadett 02: Verloren im All ist eine Produktion von Interplanar im Vertrieb durch Folgenreich/Universal Family Entertainment. Das Hörspiel kommt am 23. Mai 2014 offiziell in den Handel.


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