Rezension: Mark Brandis - Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen (Interplanar/Folgenreich)


Seit 2007 produziert Interplanar die Hörspielserie Mark Brandis, die im kommenden Jahr ihren Abschluss finden soll. Doch schon vor dem Finale kommt heute eine neue Serie mit dem Titel Mark Brandis – Raumkadett auf den Markt, die von den Jugendabenteuern des Weltraumhelden handelt. Wie die Originalserie auch, so erscheint das Prequel im Vertrieb von Folgenreich, einem Label von Universal Music Family Entertainment. Gleich zwei Folgen veröffentlicht man zum Start und erste trägt den Titel Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen. Sie hat eine Laufzeit von ca. 65 Minuten.

Die Handlung nimmt ihren Ausgangspunkt am Ende des 21. Jahrhunderts. Nachdem Alexander Münster als erster Mensch die Venus betreten hat, sind nun Flotten von Raumschiffen unterwegs, um den Planeten zu erforschen und zu besiedeln. Dadurch inspiriert, trifft der junge Mark Brandis die Entscheidung, auch Astronaut werden zu wollen. Doch durch eine Dummheit verbaut er sich seine Chancen, in das Ausbildungsprogramm für Raumfahrer zu kommen und macht sich stattdessen als blinder Passagier an Bord eines Raumfrachters auf den Weg zur Venus. Der Trip wird jedoch sogar noch viel gefährlicher, als Mark Brandis es sich ohnehin vorgestellt hatte.

Prequels sind keine neue Erscheinung und auch der Science-Fiction ist dieses Konzept nicht fremd. Man denke in diesem Zusammenhang nur an Star Trek: Enterprise. Apropos Star Trek: Als Gene Roddenberry in der zweiten Hälfte der 1980er Star Trek: The Next Generation ersann, schuf er auch Wesley Crusher, eine Figur, der die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, die erste zu sein, die von nahezu jedem Fan dieser Space Opera gehasst wurde. Und dies nicht ohne Grund, denn der junge Wesley ließ die erfahrenen Offiziere der NCC 1701-D regelmäßig alt aussehen, indem er spontan Lösungen für komplizierte Probleme fand, über die sich Picard, Riker, Data und Co. zuvor Stunden oder Tage die Köpfe zerbrochen hatten. Erwachsene mögen keine minderjährigen Besserwisser und Teenager verachten Streber. Deshalb wurde im Fandom auch keine Träne vergossen, als der Charakter nach einigen Seasons das Raumschiff Enterprise verließ. Was dies alles mit Mark Brandis – Raumkadett zu tun hat? Nun, der 14-jährige Mark Brandis, den wir in der Auftaktfolge dieser neuen Hörspielserie kennenlernen, ist ein Klon von Wesley Crusher: Hochintelligent aber zugleich schüchtern und unsicher. Ohne jede Erfahrung, aber mit großen Ambitionen. Und nicht zuletzt ausgestattet mit dem Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen - weil Mädchen und Jungen in diesem Alter eben dumme Sachen machen. Oder weil das Autoren-Handbuch im Abschnitt Charakterisierung von Teenagern das so vorsieht. Und nicht zu vergessen: Im Wesley-Style wird es Teenager-Mark es sein, der am Ende sich und den Erwachsenen den Tag rettet. Allerdings gilt es bei allen Vergleichen den Umstand zu bedenken, dass Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte von Mark Brandis-Erfinder Nikolai v. Michaelwski basiert, die in einem Sammelband mit gleichlautendem Titel veröffentlicht wurde. Und dies bereits 1983. Ist Wesley Crusher also in Wahrheit ein Klon des jungen Mark Brandis? Möglich. Wie dem auch sei: Die Identifikation mit der Hauptfigur fällt nicht gerade leicht, weil bei ihrer Charakterisierung und in Hinblick auf ihre Motivation dem klassischen Ansatz gegenüber einem modernen/zeitgemäßen der Vorzug gegeben wurde. Man muss nicht unbedingt von Klischees sprechen, die hier bedient werden. Doch man könnte es tun. Wer sich übrigens für die genannte Kurzgeschichte interessiert, bekommt diese als Bonus im PDF-Format auf der CD mitgeliefert. Wie auch eine Adaption in Comicform, die 2011 im Magazin Zack! erschien. Eine wirklich schöne Idee.

Behandelte die Serie Mark Brandis nicht selten gewichtige moralische und ethische Fragen, so ist Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen im Vergleich dazu eher leichte Kost. Es ist eine Abenteuergeschichte, die auf der Erde beginnt, um sich anschließend ins All zu verlagern. Gradlinig und mit angemessenem Tempo wird hier eine Story vorangetrieben, die nach einigem Anlauf mit zunehmender Laufzeit immer spannender wird und in einem Finale mündet, das die Weichen für die weitere Zukunft des Protagonisten stellt. Daneben hat man sich bemüht, bereits in der ersten Folge Bezüge zu späteren Ereignissen herzustellen, was der inhaltlichen Geschlossenheit des MB-Kosmos zuträglich ist. Stilistisch hebt sich die neue Serie dahingehend von ihrem Vorgänger ab, dass sie nun einen Erzähler in Person des gereiften Mark Brandis kennt, der die Ereignisse rückblickend schildert und kommentiert. Die Geschichte hätte sicherlich auch ohne dieses Element funktioniert, doch damit ergibt sich für die Anhänger der Originalserie ein schöner Bezugspunkt – zumal Michael Lott zu hören ist, der den Part seit vielen Jahren in Mark Brandis verkörpert. Ein Besetzungscoup ist sicherlich die Verpflichtung von Gernot Endemann, Gabriele Libbach und Horst Stark, denn alle drei waren in den 1970ern Hauptsprecher in der legendären SF-Hörspielserie Commander Perkins. Daniel Claus als Sprecher des jungen Mark Brandis macht seine Sache wirklich gut und kann stimmlich durchaus überzeugen. Dies gilt auch für den übrigen Cast, der aus Thomas Nero Wolff, Andreas Birnbaum, Christian Senger, Uve Teschner, Sarah Alles, Tanya Kahana, Katrin Decker, Dietrich Georg Boden und Reinhard Scheunemann besteht. Viel Qualität hat Interplanar für diese Produktion wieder einmal vor das Mikro geholt.

So sehr sich Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen auch von der bisherigen MB-Serie unterscheidet, so herrscht in Sachen Produktionscrew Kontinuität. Balthasar v. Weymarn schrieb das Skript für dieses Hörspiel, das Artwork besorgte Alexander Preuss und das Sounddesign stammt wie gewohnt von Jochim-C. Redeker. Und letzterer hat sich nicht lumpen lassen, sondern einen Klangraum geschaffen, der wieder einmal sehr atmosphärisch und deshalb eindrucksvoll ist. Musikalisch geht es zuweilen etwas lässiger oder jugendlicher als früher zu und das Intro enthält zwar das bekannte Mark Brandis-Thema, dieses wird nun in aber E-Gitarren-Sounds eingebettet. Insgesamt ist der Soundtrack nicht unpassend für eine Story, die von den Erlebnissen eines 14-Jährigen handelt.

Womit sich die Frage stellt, wen Folgenreich und Interplanar mit der neuen Serie Mark Brandis – Raumkadett eigentlich ansprechen wollen. Eine Fraktion bilden selbstredend die bestehenden MB-Fans, denen man nun gleich zwei Serien gleichzeitig anbietet. Vom Grundsatz her wird sich darüber wohl kein Anhänger des Weltraumhelden beschweren. Darüber hinaus scheint man zusätzlich auf ein junges Publikum zu schielen, dem man mit dieser Folge einen idealen Moment zum Einstieg offeriert. Ob man mit Material, das bereits dreißig Jahre auf dem Buckel hat, heutzutage in dieser Zielgruppe tatsächlich entsprechende Zugkraft entfalten kann, sei dahingestellt. Den Versuch ist es prinzipiell wert.

Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen ist ein Hörspiel mit einer soliden Geschichte, einem hochwertigen Cast und einem Sounddesign, das kaum Wünsche offenlässt. Der junge Mark Brandis ist ein Protagonist, an den man sich auf jeden Fall erst einmal gewöhnen muss. Gelingt einem dies, dann wird man sich wahrscheinlich von der kurzweiligen Story gut unterhalten fühlen. Wer dies hingegen nicht schafft, könnte so seine Probleme bekommen. Zur Rezension des Hörspiels Mark Brandis - Raumkadett 02: Verloren im All, das am gleichen Tag erschienen ist, geht es hier.


Mark Brandis – Raumkadett 01: Aufbruch zu den Sternen ist eine Produktion von Interplanar im Vertrieb durch Folgenreich/Universal Music Family Entertainment. Das Hörspiel kommt am 23. Mai 2014 offiziell in den Handel.


 

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