Hörspielrezension: Hydrophobia (Ohrenkneifer)


Im kommerziellen Bereich der deutschen Hörspiellandschaft sind in sich abgeschlossene Einzelhörspiele, die nicht in eine Serie oder Reihe eingebunden sind, eher selten. Und noch seltener kommt es vor, dass eine Profit-Produktion die Neuinszenierung eines freien Hörspiels repräsentiert. Auf Hydrophobia, die neueste Veröffentlichung vom Ohrenkneifer, trifft gleich beides zu. Am 18. April 2014 kommt sie offiziell in die Läden.

Der Konzern Gennanomed kontaktiert die Klabauter GmbH und bietet den Profi-Tauchern um Firmenchef Chris Hester eine ansehnliche Stange Geld dafür, auf dem Grund des Mittelmeeres vor der Küste Italiens eine stillgelegte Forschungseinrichtung zu versiegeln. Keine Frage, dass man den Auftrag annimmt.  Was zunächst nach einem komplizierten aber machbaren Routine-Job aussieht, entpuppt sich jedoch als eine brutale Tour de Force, in deren Verlauf die Klabauter einem hochbrisantem Programm auf die Spur kommen, das Gennanomed um jeden Preis geheim halten will. Bald schon entbrennt ein Kampf ums nackte Überleben.

Hydrophobia stammt aus der Feder von Bastian Lembrecht, erschien 2009 erstmals beim Hoerspielprojekt und schon damals war als Sprecher ein gewisser Dirk Hardegen mit von der Partie. Inzwischen hat er mit dem Ohrenkneifer seine eigene kommerzielle Hörspielschmiede und nachdem er das Publikum die Road to Hell bereisen ließ, seine Protagonisten der Willkür in Wyoming aussetzte und anschließend in Nightlife - Lektionen des Schreckens erteilte, entführt Dirk Hardegen dieses Mal das Auditorium in die wässerigen Gefilde des Mittelmeeres. Wurde das Originalskript nur geringfügig überarbeitet, so ging man im Hinblick auf Regie, Musik und Sounddesign für die Neuauflage des Stoffes komplett neue Wege. Dies gilt auch für die Besetzung, die nun ausschließlich aus Profis besteht, wobei Dirk Hardegen und Martin Sabel ihre Rollen als Patchek bzw. Chris Hester ein weiteres Mal verkörpern. Neben den beiden agieren nun Gordon Piedesack, Vanida Karun, Julia Fölster-Riegel, Bert Stevens, Detlef Tams, Christopher Albrodt, Sabine Hardegen, Horst Kurth, Sönke Strohkark und Holger August. Als Erzählerin konnte man zudem Alexandra Lange-Baehr gewinnen. In gleicher Funktion ist sie seit einiger Zeit in der Serie John Sinclair zu hören. Der hochwertige Cast lässt keine Wünsche offen, denn es gelingt ihm mühelos, die Charaktere der Geschichte glaubwürdig zum Leben zu erwecken. Und dies, obwohl manche Figuren bisweilen etwas klischeebehaftet daherkommen.

Hydrophobia ist ein Hörspiel mit mehreren Gesichtern, denn was als eine mit SF-Elementen angereicherte Abenteuergeschichte beginnt, wächst sich im Laufe der 100 Minuten Spielzeit zu einem Horrortrip der heftigeren Sorte aus und die vom Label ausgesprochene Altersempfehlung ab 16 Jahren erscheint darum durchaus angebracht. Dennoch zerfällt der Plot nicht, sondern wird von einem geschickt gewebten Spannungsbogen zusammengehalten, der Action und Dramatik bis zu hin zum fulminanten Finale immer weiter steigert und es versteht, die Hörerschaft schnell für sich einzunehmen. Zum positiven Eindruck, den Hydrophobia hinterlässt, trägt nicht zuletzt auch die Tatsache bei, dass bei der Inszenierung Wert auf ein hohes Erzähltempo und ein elaboriertes Sounddesign gelegt wurde, das den Soundtrack nicht nur – wie es häufig praktiziert wird - zur Untermalung der Szenen einsetzt, sondern ihm immer wieder auch eine aktivere Rolle zuweist. Anstatt sich dezent im Hintergrund zu halten, darf die Musik sich gelegentlich bewusst nach vorne spielen, die Ereignisse nicht nur spiegeln, sondern unmittelbar begleiten und kommentieren. Auf diese Weise hat Dirk Hardegen einen Klangraum geschaffen, der mit seiner dichten Atmosphäre genauso beeindruckt wie mit seinem Detailreichtum.

Wird eine existierende Geschichte ein weiteres Mal erzählt, dann stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Sinn einer solchen Aktion. In diesem Falle fällt die Antwort darauf jedoch leicht, denn wenngleich die Handlung nahezu unverändert blieb, hat es der Ohrenkneifer geschafft, durch einen professionellen Cast, ausgezeichnete Soundeffekte und einen optimal abgestimmten Score Hydrophobia auf ein deutlich höheres qualitatives Niveau bringen. Ein Remake dieser Art lässt man sich gerne gefallen. Wenn dann noch wie in diesem Fall ein 16-Minütiges Making Of mitgeliefert wird, das spannende Einblicke in die Hintergründe der Produktion gewährt, dann liegt in der Tat ein Gesamtpaket vor, das man dem Hörspielfan wirklich nur ans Herz legen kann. 



Kommentare:

  1. Dem kann ich so leider nicht Zusprechen. Ich finde das Remake überhaupt nicht gut Gelungen. Die Sprecher - bis auf die aus dem original Teil - haben mir gar nicht Gefallen wollen, schon garnicht die Qackstimme der jungen Frau. Was garnicht geht, ist die Erzählerin, die klingt als wenn sie eine schullehrerin spricht, dabei fast am Einpennen ist. Ich habe mir das Hörspiel nicht ganz Angehört aus den genannten Gründen, in meinen Augen ist es einfach nur Schlecht und wird dem original nicht gerecht.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Er zeigt sehr schön, wie unterschiedlich doch Produktionen beim Hörer ankommen.

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