Das Buch zum Hörspiel: Wie der Ohrland Verlag neue Fans für "Cungerlan" gewinnen will


Schon seit Jahrzehnten greifen Hörspielschmieden als Grundlage für ihre Produktionen immer wieder auf Romane zurück. Und dies nicht ohne Grund, denn was beim lesenden Publikum erfolgreich war, besitzt auch durchaus gute Chancen, bei den Hörspielfans entsprechend anzukommen. Dass man andersrum auch mit Adaptionen von Geschichten, die ursprünglich für Hörspiele geschrieben wurden, in der Welt des geschriebenen Wortes bestehen kann, will ab Ende 2014 der Ohrland Verlag unter Beweis stellen.


Seit 2009 erscheint bei Ohrland Cungerlan, eine Serie, die im Stile von Spaceballs und in der Tradition von Monty Python die nicht immer ernstgemeinten Abenteuer des etwas zu klein geratenen und leicht cholerischen Widerstandskämpfers Bor Toth erzählt, der zusammen mit dem Shrill-Itzu-Meister Kentoka als seinem unfreiwilligen Mentor und als angeblicher Auserwählter einen verbrecherischen Tyrannen auf dem Planeten Cungerlan bekämpft. Nach einem ersten Anlauf entschied sich Produzent Frank-Michael Rost zu einem Neustart der Serie, deren Folgen 1 und 2 bereits als erweiterte Neuausgaben vorliegen (ich rezensierte hier und hier). Insgesamt soll die Serie, die u.a. Sprecher wie Jo Weil, Bernd Rumpf (deutsche Stimme von Liam Neeson) und Peer Augustinski vorzuweisen hat, einmal 12 Folgen umfassen .

Wie Ohrland nun bekannt gab, soll Cungerlan ab Ende 2014 auch in Buchform durchstarten. Auf drei Romane ist dieses Projekt angelegt, für das der Verlag den Autor Marco Ansing (Foto rechts) gefunden hat, der mit seinen Werken nicht nur eine große thematische Bandbreite abdeckt, sondern der auch im Hörspielbereich schon Erfahrungen hat. So stammt aus Ansings Tastatur beispielsweise die unkommerzielle Mystery-Serie Dr. Ernst Garner. Ansing soll jedoch keine reine Nacherzählung der Hörspiele liefern, sondern in Absprache mit dem Verlag eine neue und spannende Interpretation der Cungerlan-Saga liefern, die sowohl für Fans der Serie, als auch neues Leser interessant ist. Band 1 soll zunächst exklusiv als eBook veröffentlicht werden. Kommunikationsdesigner Simon Autenrieth wird ihn illustrieren.

Wenn Ohrland darauf verweist, dass mit diesem Projekt die übliche Reihenfolge, nach der es erst den Roman und anschließend die Hörspielfassung gibt, einmal umgekehrt werde, dann stimmt dies allerdings nur bedingt. Immerhin basieren die Cungerlan-Hörspiele auf einem unveröffentlichten und 1000-seitigen Manuskript des Briten Jerry Marcs, das dieser Frank-Michael Rost entnervt überließ, nachdem er trotz großer Anstrengungen keinen Abnehmer dafür fand.

Dessen ungeachtet ist es ein interessanter Weg, den der Ohrland Verlag hier einschlägt und der möglicherweise in Zukunft auch Nachahmer finden wird. Immerhin besteht so die Aussicht, durch Zweitverwertung der Inhalte zusätzliche Einnahmen zu generieren und neue Fans zu gewinnen, die vielleicht auch anschließend einmal zu den Hörspielen greifen. Und weitere Hörer kann das Hörspiel schließlich immer gebrauchen.



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