Rezension: "Mark Brandis: Metropolis-Konvoi" (Folgenreich/Interplanar)


Wie schon 2013 praktiziert, läuten Folgenreich und Interplanar auch dieses Mal das neue Jahr mit einem brandneuen Hörspiel aus der Serie Mark Brandis ein. Mark Brandis: Metropolis-Konvoi basiert auf Motiven des gleichnamigen Romans von Nikolai v. Michalewski, hat eine Laufzeit von 73 Minuten und setzt den Erzählstrang fort, der im letzten Oktober in Mark Brandis: Ikarus, Ikraus... begonnen wurde. Seit heute ist die Produktion offiziell im Handel.

2135: Durch den Staub des zerstörten Asteroiden Ikarus kommt es zu einer weltweiten Hungersnot. Überall werden die Lebensmittel rationiert und extrem hart trifft es dabei die ins Meer gebaute Stadt Metropolis, da sie sich nicht selbst versorgen kann und die Nahrungsmittellieferungen aus der Union ausbleiben. Mark Brandis sieht die letzte Hoffnung für die 50-Millionen-Stadt in der Suche nach einem geheimen Proviantlager aus dem Bürgerkrieg. Eines ist ihm jedoch klar: Sollte er fündig werden, kann er sich darauf einstellen, Weltraumpiraten und desertierende Teile der Weltraumflotte am Hals zu haben. Der Rettungsflug gerät zu einem Himmelfahrtskommando…

Es gibt Aspekte einer Mark Brandis-Produktion, über die man nur dann viele Worte verlieren muss, wenn man sich in Lobeshymnen ergehen möchte – so deutlich spielt die Serie bereits seit langer Zeit in Sachen Sprecherleistung, Sounddesign, Abmischung und Musik scheinbar mühelos in der Oberklasse. Auch dieses Mal ist es so, denn die Riege der Stammsprecher, angeführt von Michael Lott als Mark Brandis, liefert wieder eine tadellose Arbeit ab. Gleiches lässt sich auch für den Supporting Cast sagen, zu dem dieses Mal u.a. Tanya Kahana als Louise Demnitz und Philipp Brammer als Gaston Weygand gehören. Kahana (Hayden Panettieres deutsche Stimme in Heroes) nimmt dabei die ihre Rolle aus Mark Brandis: Sirius-Patrouille wieder auf. Brammer synchronisierte in Battlestar Galactica Alessandro Juliani (Felix Gaeta). Zudem war er in Stargate: Atlantis die deutsche Stimme von Rainbow Sun Franks (Lt. Ford).

Ebenfalls erneut über jeden Zweifel erhaben ist die Klangkulisse von Jochim C. Redeker, denn die Atmosphäre ist dicht, die Soundeffekte so detailreich wie stimmig und der Musikeinsatz passend auf die Handlung abgestimmt. Alle Elemente wurden mit großer Sorgfalt zu einem beachtlichen akustischen Raum abgemischt. Während sich Mark Brandis: Metropolis-Konvoi in puncto Umsetzung zum wiederholten Male Bestnoten verdient, kommt das Hörspiel in der Endabrechnung leider nicht über den Status einer gehobenen Mittelklasse hinaus. Und dies hat zwei Gründe: Die Produktion hat ein erhebliches Timing-Problem und Autor Balthasar v. Weymarn setzt zudem die falschen Prioritäten. Die Handlung ist erst wenige Minuten alt, als bereits feststeht, wie Mark Brandis die drohende Nahrungsmittelkatastrophe für Metropolis abwenden will. Dennoch vergeht eine ganze Zeit, ehe die Mission endlich startet. Diese Minuten sind es, die dem Hörspiel nach hinten raus fehlen und dazu führen, dass man das Publikum an zwei Highlights der Handlung - nämlich dem Piratenüberfall auf den Konvoi und die Desertion eines Frachterkommandanten - nicht direkt teilhaben, sondern eine Figur lediglich darüber berichten lässt. Als hochdramatische Szene bleibt daher einzig das Gefecht mit einem Weltraumkreuzer. Der Flug durch die Goldonische Sperre gleicht hingegen eher einem psychedelischen Trip, der in erster Linie akustisch eindrucksvoll und weniger von Dramatik geprägt ist. Schön gemacht ist er aber auf jeden Fall. Zum Ballast dieser Folge gehören ein Dialog, in dem minutiös die Besetzung der einzelnen Schiffe geklärt wird (obwohl dies für den weiteren Verlauf keine große Rolle spielt), die Einführung von Gaston Weygand (der nur gegen Ende gebraucht wird, wenngleich sein Talent bspw. auch Demnitz hätten zugeschrieben werden können) und eine Sequenz in Las Lunas, in der Romen und Brandis sich atypisch, weil komplett egoistisch, präsentieren. Wenn man bedenkt, was für diese Szenen unter den Tisch fallen musste, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass die Prioritäten besser anders gesetzt worden wären.

Man muss ihr fairerweise aber auch in aller Deutlichkeit attestieren, dass die Geschichte, nachdem sie einen Anlauf von ca. 25 Minuten genommen hat, anschließend gut Fahrt kommt, zweifelsohne bis zum Ende Unterhaltungspotential besitzt und ihre Hörerschaft darum bei der Fahne zu halten versteht. Geradlinigkeit im Erzählfluss wird dabei immer wieder kontrastiert durch Wendungen im Geschehen und der Plot lässt darüber hinaus sogar Raum für eine in dieser Form unerwartete humorvolle Einlage, bei der man sich das Schmunzeln absolut nicht verkneifen kann. Indem man den Bogen bis zum Bürgerkrieg (er fand statt in den Folgen 1 bis 4) zurückschlägt und Louise Demnitz ein weiteres Mal auftreten lässt, stärkt man intelligent die innere Geschlossenheit des MB-Universums. Es ist dieses Reservoir an Grundqualität, das Mark Brandis: Metropolis-Konvoi auszeichnet und deutlich macht, dass selbst eine MB-Folge, die nicht das gesamte Potential der Story ausnützt und daher etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt, sich immer noch wohltuend abhebt von dem vielen Mittelmaß, das dem Hörspielfan ansonsten heutzutage für sein Geld geboten wird.


Mark Brandis: Metropolis-Konvoi wird im Bezug auf die überzeugende Leistung der Sprecherinnen und Sprecher, das Sounddesign, die Musik und die Abmischung dem Ruf der Serie absolut gerecht. Die Handlung lässt einen hingegen etwas hungrig zurück, weil man als Hörer deutlich merkt, dass inhaltlich Luft nach oben besteht. 2013 war ein gutes Jahr für diese Hörspielserie – 2014 beginnt mit einem gewissen Dämpfer. Aber Heute ist bekanntlich nicht alle Tage...


 

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