Filmkritik: «Die Tribute von Panem - Catching Fire» (ab dem 21. November 2013 im Kino)


Mit der Literaturverfilmung Die Tribute von Panem – The Hunger Games kam letztes Jahr ein Film auf die Leinwand, den es einfach geben musste. Die Die Tribute von Panem-Romantrilogie von Suzanne Collins hatte sich zu diesem Zeitpunkt als einer der größten seit Harry Potter und der Twilight-Reihe herausgestellt, war in 51 Sprachen übersetzt und in 56 Länder verkauft worden. An so einem Print-Blockbuster konnte das Kino unmöglich vorbeigehen. Lionsgate und Studiocanal sicherten sich die Rechte, nahmen moderate 78 Millionen Dollar in die Hand und fast 700 Mio. Dollar kamen weltweit zurück. Nun startet mit Die Tribute von Panem – Catching Fire die Fortsetzung und wieder werden die Kassen klingeln, denn der neue Streifen gibt jenen, die den Vorgänger mochten, keinen Anlass, ihn nicht auch zu mögen. Wer hingegen vom Auftakt der Geschichte über das Reich Panem und die unbeugsame Katniss Everdeen nicht übermäßig angetan war, den wird auch Die Tribute von Panem – Catching Fire nicht zum Fan der Saga machen.

Katniss und Peeta haben die Hungerspiele überlebt. Doch viel mehr: Sie haben dem mächtigen Kapitol die Stirn geboten. Ihr Beispiel ermutigt die unterdrückte Bevölkerung in den Distrikten zur Rebellion gegen das Regime. Doch dann ändert Präsident Snow kurzerhand die Spielregeln und lässt alle bisherigen Gewinner bei den anstehenden Hungerspielen noch einmal gegeneinander antreten. Auch Katniss und Peeta werden in die Arena geschickt und müssen sich erneut dem Kampf ums Überleben stellen. Und langsam wird ihnen klar, dass sie in Wirklichkeit Teil eines viel größeren Plans sind…

Für Die Tribute von Panem – Catching Fire musste Gary Ross, der den Vorgänger inszeniert hatte, seinen Sessel räumen. Auf diesem nahm nun Francis Lawrence Platz, auf dessen Konto unter anderem der Film I am Legend mit Will Smith geht. Auch Drehbuchautor Billy Ray wurde ausgetauscht – statt seiner durfte nun Simon Beaufoy (Slumdog Millionär) zusammen mit Suzanne Collins das Skript zur Drehreife entwickeln. Merken tut man von diesen personellen Veränderungen und der Tatsache, dass dieses Mal 130 Millionen Dollar ausgegeben wurden, allerdings nichts, denn Die Tribute von Panem – Catching Fire verwendet die Bildsprache des Vorgängers, übernimmt jede Menge Handlungselemente und auch den Look des Vorgängers und nimmt zudem einen ähnlichen Verlauf wie der Vorgänger. Manche Szenen wirken, als hätte man Filmmaterial aus dem Vorgänger einfach in den Nachfolger hineinkopiert. Wieder findet ein Auswahlprozess statt, die Tribute reiten ins Kapitol ein, gehen ins Trainingslager, werden vom abgedrehten Moderator Caesar Flickerman interviewt und finden sich schlussendlich in der Spielzone/Arena wieder. Dieses Mal ist es ein Gebiet, das an einen tropischen Regenwald erinnert.

Der Plot der Films entspinnt sich gradlinig und obwohl Die Tribute von Panem – Catching Fire satte 146 Minuten lang ist, geht die Zeit doch recht schnell um, weil der Regisseur Leerlauf weitgehend vermeiden konnte. Treibendes Motiv des Films ist das Aufbegehren der Distrikte gegen das Kapitol – jene Revolution, die Katniss und Peeta durch ihren Ungehorsam während der Hungerspiele im ersten Teil angestoßen haben. Präsident Snow, ist sich der Lage wohl bewusst und handelt so, wie sich Despoten, die ihre Macht erhalten wollen, eben verhalten: Er lässt Katniss und Peeta öffentlich auftreten, damit das Volk seinen Unmut offen äußern kann - was im Fernsehen, das der Staat kontrolliert, live übertragen wird. Und weil ein Auftritt nicht reicht, muss man das Paar durch das ganze Reich touren. Jedes Mal mit den gleichen Konsequenzen, die in offenen Widerstand gegen das Regime münden. Der Präsident schickt zwar Truppen, um die Massen niederzuknüppeln, aber den eigentlichen Motor des Aufruhrs legt er nicht still. So verhält sich natürlich kein cleverer Diktator, aber der Film wäre bereits nach 20 Minuten vorbei, wenn der Machthaber seine Macht nicht einfach nur besitzen würde, sondern sie auch effektiv zu verteidigen wüsste. Da die Welt, die Suzanne Collins in ihrer Trilogie entworfen hat, ohnehin keinem Probability Check standhalten würde, ist dies unterm Strich aber ohne Belang, denn es geht ja in diesem Film um Katniss, ihre Beziehung zu Peeta, ihr Verhältnis zu Gale, ihre Sorge um ihre Mutter und um ihre Schwester Primrose. All dies entwickelt der zweite Panem-Film weiter und bemüht sich um eine Vertiefung der Figuren, wovon besonders Peeta Mellark profitiert, der nun ein wesentlich interessanter Charakter als früher ist.

Josh Hutcherson überzeugt in der Rolle des sich den Verhältnissen mal anpassenden, mal widersetzen Peeta, wie auch Jennifer Lawrence, die mit einer einwandfreien Leistung den Film als Hauptdarstellerin trägt. Für ihre Darstellung der neurotischen Tiffany in Silver Linings erhielt sie den Oscar, den Golden Globe und den Screen Actor Guild Award als Beste Hauptdarstellerin - und wenngleich die Dreharbeiten zu Die Tribute von Panem – Catching Fire sicherlich physisch anstrengend waren, so ist Lawrence in diesem Film schauspielerisch nicht sonderlich gefordert. Immer wieder muss sie die gleiche Mimik und Gestik zur Schau stellen, wobei sie mir drei bis vier unterschiedlichen Gesichtern locker auskommt. Während Stanley Tucci als TV-Star Caesar Flickerman wieder richtig Spaß macht, weil er erneut total übertrieben agieren darf und Woody Harrelson, Lenny Kravitz sowie Elizabeth Banks da weiter machen, wo sie im letzten Film aufgehört haben, ist es erschreckend zu sehen, was Donald Sutherland und Philip Seymour Hoffman darbieten. Der große Donald Sutherland ist nur noch ein Schatten seiner selbst – müde und ohne Ausstrahlung, weshalb fehlt der Figur des Präsidenten Snow auch jegliche Bedrohlichkeit fehlt, die dieser Mann eigentlich ausstrahlen soll. Philip Seymour Hoffman andererseits mimt sich unmotiviert und fast deplatziert durch den Film, so als würde er sich noch während der Dreharbeiten fragen, wieso die Produzenten unbedingt ihn die Rolle des Plutarch Heavensbee haben wollten. Hoffmans Potential, das er eindrucksvoll in Capote unter Beweis stellen konnte, rufen sie nämlich bestenfalls nur ansatzweise ab.

Die Tribute von Panem – Catching Fire fungiert als Brücke zwischen dem Auftakt und dem Finale der Panem-Saga und aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet funktioniert der Film absolut. Er greift die Fährten auf, die der erste Film hinterlassen hat und spinnt den Faden ein Stück weiter, um das Publikum dann neugierig auf den Ausgang der Geschichte vorerst zu entlassen. Alle Elemente, die in Die Tribute von Panem – The Hunger Games funktioniert haben, finden sich auch in der Fortsetzung wieder und darum dürfte Die Tribute von Panem – Catching Fire die Erwartungen der Fans absolut erfüllen. 

Die Tribute von Panem - Catching Fire läuft ab dem 21. November 2013 in den deutschen Kinos.

Kommentare:

  1. Ich denke, dass Sutherland und Hoffman im Film nicht so schlecht funktionieren. Ich vermute, du hast die Bücher gelesen, was ich nicht getan habe. Vielleicht wurden sie im Buch anders dargestellt. Ich finde es überhaupt nicht notwendig, dass Sutherland besonders bedrohlich daherkommt. Es kommt schon heraus, dass er der Bösewicht ist, aber er spielt diesen eben recht dezent, was mir allerdings ganz sinnvoll erscheint...

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    1. Ich kenen die Romane nicht. Meine Einschätzung beruht daher einzig auf dem Film. Es ist aber schön, auch mal eine andere Einschätzung zu hören/lesen. Danke dafür!

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