Rezension: Humanemy 3 - Der Hacker (Lindenblatt Records)


Abergläubisch sind sie offenbar nicht, die Leute von Lindenblatt-Records. Ansonsten hätten sie es wahrscheinlich vermieden, die dritte Episode der Hörspielserie Humanemy, die auf den Titel Humanemy 3: Der Hacker hört, am Freitag, dem 13. September 2013 in die Läden zu bringen. Und in der Tat war das Datum kein schlechtes Omen, denn auch das vorletzte Kapitel dieses Vierteilers ist ein Treffer.

Teaminterne Unstimmigkeiten führten im Finale von Humanemy 2: Der Fahrer zu einem schrecklichen Desaster. Zu allem Überfluss erweisen sich zudem die gestohlenen Daten als nicht vollständig und der Auftrag ist daher vorerst gescheitert. Das Chamäleon und seine Partner wollen und vor allem können nicht aufstecken, organisieren sich darum neu und arbeiten fieberhaft an einem Plan B. Doch ihnen geht die Zeit aus, die Regierung sitzt ihnen im Nacken und die Stimmung darum zum Zerreißen gespannt. Sie müssen alles auf eine Karte setzen und begeben sich in die dunkelsten Schatten der Stadt.

Nachdem sie ihre Geschichte in den ersten beiden Episoden zügig vorangetrieben haben, treten Stefan Lindner und Johnny Witterman in Humanemy 3: Der Hacker ordentlich auf die Bremse. Allerdings ist es beileibe nicht so, dass der Handlung die Puste ausgegangen wäre, sondern es sind die Charaktere, die Zeit brauchen, um bisherigen Ereignisse zu verarbeiten, ihre Planungen den neuen Verhältnissen anzupassen und Vorbereitungen für den – so hoffen sie zumindest – erfolgreichen Abschluss ihres Auftrags zu treffen. Die Autoren ihrerseits nutzen die Verschnaufpause dazu, tief in die Psychologie von Bones einzusteigen. Nach dem Chamäleon in Episode 1 und dem Fahrer in Humanemy 2 steht, steht nämlich dieses Mal der Hacker des Teams im Mittelpunkt des Geschehens. Die Charakterisierung von Bones als sensiblen und mit Komplexen beladenen Mann, den seine Schüchternheit und Unsicherheit im Umgang mit realen Menschen in die Anonymität der künstlichen Realität des Cyberspace getrieben hat, ist absolut gelungen. Dies macht Bones zu einer faszinierenden Figur, die im Laufe der 74 Minuten Spielzeit zudem immer mehr an Statur gewinnt, denn je länger das Hörspiel dauert, umso weniger ist man sich als Hörer über Bones' wahre Absichten im Klaren und brennt darauf zu erfahren, wohin ihn sein Weg noch führen wird. Als Projektionsfläche für Bones' inneren Aufbruch dienen nicht nur das Chamäleon und Center, sondern auch Melinda, eine neue Figur, die Lindner und Wittermann im Verlauf der Handlung einführen und die das Team ab jetzt verstärkt. Mehr noch als die beiden Männer bekommt sie, die den Hacker schon lange kennt, Bones' veränderte Einstellung zu spüren und zu beobachten, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen den beiden zu verschieben beginnt, ist überaus reizvoll. Dass die Dame, die sich ihrer Haut sehr gut zu wehren weiß, mit Sicherheit eine eigene Agenda verfolgt, darf man als nahezu sicher annehmen.

Doch nicht nur der Charakter von Bones wird in dieser Folge näher ausgeleuchtet, sondern auch die Welt, in der Humanemy spielt, erfährt eine spannende neue Komponente, weil die Gruppe um Lennart, das Chamäleon, ihr gewohntes Territorium verlassen und in die Unterstadt absteigen muss, wo sich eine Parallelgesellschaft mit eigenen Regeln und Machtverhältnissen etabliert hat. Wie es dort zugeht, wird plastisch und detailreich ans Ohr des Publikums transportiert und schnell wird eines klar: Dies ist kein Platz, an dem man sich freiwillig aufhalten möchte. Das Zepter dort führt ein Mann namens Picard und Harald Friedlin liefert eine ganz große Show bei dessen Verkörperung, denn der Sprecher schafft es, übergangslos zwischen den Gemütszuständen dieses zutiefst schizophrenen Mannes hin- und herzuschalten. Verglichen mit Picard war Roderick Usher aus Poes Der Untergang des Hauses Usher bei geradezu beneidenswerter geistiger Gesundheit. Der Rest des Kroppzeugs, das sich in der Unterwelt herumtreibt, ist aber auch nicht viel besser und gerade jene Figur, die im Booklet als Psycho geführt wird, trägt ihren Namen absolut zurecht. Humanemy richtet sich an ein Publikum ab 16 Jahren und das nicht ohne Grund, denn Zartbesaitete oder jene, die Anstoß an teils recht drastischer Ausdrucksweise nehmen, sind hier definitiv falsch. Zwar unterscheidet sich Humanemy 3: Der Hacker in mancher Weise von seinen Vorgängern, dem kompromisslos harten Stil der Serie bleibt aber auch diese Folge treu.

Bereits in den vorangegangenen Episoden wusste Humanemy mit einem guten und ausgewogenen Cast zu überzeugen und Folge 3 knüpft an diese Tradition an, denn nicht nur sind Stefan Linder, Thomas Linder und Johnny Witterman (Bones, Lennart, Center) mit großer Spielfreude bei der Sache, sondern auch für die neuen Charaktere wurden interessante Stimmen gewonnen. Rike Stief als Melinda, Inga Bramm als Penelope und der bereits genannte Harald Friedlin als Picard machen richtig Spaß und bleiben nachhaltig im Gedächtnis, wie auch Nico Gessler als Tombstone und Sascha Schemmer als Psycho. Ein Wiederhören hingegen gibt es mit Jo Hempel (Herr Schmidt) und Lukas Linder (Tanto). Im Intro fordert erneut Oliver Mink dazu auf, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Kontinuität herrscht auch in Sachen Soundkulisse, Musik und Abmischung, denn das hohe Niveau, auf dem sich die Serie bislang schon bewegte, kann auch von dieser Produktion gehalten werden. Der Score ist abwechslungsreich, die Atmosphäre sehr dicht und alles wird druckvoll - aber auch mit Gespür für gelegentliche ruhigere Momente - ans Ohr des Hörers transportiert. So muss es sein und nur so macht es Laune.


Mit Humaneny 3: Der Hacker legt Lindenblatt-Records ein Hörspiel vor, das den Faden der ersten beiden Teile aufnimmt, ihn jedoch nur ein wenig weiterspinnt, damit sich die Figur Bones freischwimmen und die Welt von Humanemy um eine reizvolle neue Facette – der Unterwelt - erweitert werden kann. Beides gelingt uneingeschränkt und damit ist der Boden für die abschließende Episode dieses Vierteilers bereitet, die im Dezember 2013 in den Handel kommen soll. Man darf gespannt sein.

Humanemy 3: Der Hacker ist auf CD und als MP3-Download im eigenen Shop von Lindenblatt-Records erhältlich, zudem auch bei Pop.de und Amazon.


Link 1: Website der Lindenblatt-Records

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