Hörspielbesprechung: Wayne McLair 02 - Der Revolvermann (Teil 1)


Es war Ende November 2012, als beim hoerspielprojekt eine neue Serie mit dem Titel Wayne McLair ihre Premiere feierte. Im Zentrum der Handlung steht der Meisterdieb Wayne McLair, ein gerissener und darüber hinaus zudem sehr charmanter Meisterdieb. Wayne Mclair 01 – Der Meisterdieb (hier meine Rezension)  erwies sich seinerzeit als eine überaus gelungene Produktion, die sowohl von der Geschichte her als auch von der Umsetzung überzeugen konnte. Nun schickt Autor Paul Burghardt den Langfinger in ein neues Abenteuer mit dem Titel Wayne McLair 02 – Der Revolvermann (Teil 1) mit einer Spielzeit von ca. 68 Minuten. Seit dem 6. Oktober ist es als kostenloser Download verfügbar.

Klappentext: Slypher ist wieder frei und sinnt auf Rache. Das interessiert Quinn allerdings nicht, er will sein Duell mit Mclair. Doch während sich Meisterdieb und Revolvermann einen erbitterten Kampf liefern, schnappt Slyphers Falle gnadenlos zu…

Ursprünglich hätte in der Überschrift dieses Artikels das Wort Rezension auftauchen sollen. Doch wie man einen Roman nicht wirklich rezensieren kann, den man nur zur Hälfte gelesen hat, so muss auch die Besprechung dieses Hörspiels, dessen abschließender Teil noch nicht vorliegt, einen anderen Charakter als den einer umfassenden Rezension annehmen. Es handelt sich also vielmehr um einen Zwischenstand oder besser gesagt: eine Bestandsaufnahme.

Die Handlung von Wayne McLair 02 – Der Revolvermann (1) knüpft quasi direkt an die des Serienauftakts an, denn seit dem Finale des Erstlings sind gerade einmal 24 Stunden vergangen. Die zentralen Charaktere McLair, der Gangsterboss Slypher, der Kopfgeldjäger Quinn und Inspector O'Neill von Scotland Yard haben einiges zu verarbeiten und reflektieren über die jüngsten Ereignisse. Dies tun sie ausführlich – sehr ausführlich. Zwar schafft es Paul Burghardt, diesen Teil seines neuen Hörspiels abwechslungsreich zu gestalten, indem er immer wieder zwischen den Handlungssträngen wechselt und sogar Dialoge ineinander verschränkt, doch kann der Autor dadurch nur bedingt die Tatsache überspielen, dass unterm Strich eigentlich nichts Neues passiert, sondern lediglich der Plot von Wayne McLair 01 noch einmal in gestraffter Form rekapituliert wird. Über mehr als 20 Minuten geht das so. Ein ziemlich langer Anlauf. Dieser Rezensent ist ein eindeutiger Verfechter von Einleitungen im Stile von „Was bisher geschah...“, doch sollte man diesen Job doch besser den ja vorhandenen Erzähler erledigen lassen. Er hätte in diesem Fall alle notwendigen Informationen innerhalb von kaum mehr als fünf Minuten vermittelt - die Akteure brauchen dafür beinah eine halbe Stunde. So lange dauert er nämlich, bis es zu einer Begegnung zwischen McLair und Quinn kommt, in der wichtige Weichen für den weiteren Verlauf der Handlung gestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Erzählung richtig Tempo auf und die Story mündet in einen Showdown zwischen den beiden Männer und einen Cliffhanger, dessen schiere Existenz Penny Powers, die Chronistin von Wayne McLair so wütend macht, dass sie sich schlicht weigert, die Credits zu verlesen. Dies will sie erst dann tun, wenn sie die gesamte Geschichte kennt. Die Hörerschaft, die ebenfalls gespannt darauf wartet zu erfahren, wie sich der Dieb aus seiner prekären Lage wohl befreien wird, hat die gute Penny sicherlich auf ihrer Seite.

Die Sprecherinnen und Sprecher hätten aufgrund ihrer Leistung allerdings eine zwischenzeitliche Nennung absolut verdient gehabt, denn was Paul Burghardt als Wayne McLair, Thomas Kramer als Aidan Quinn, Tanja Niehoff als Isabelle Chevalier, Lily Riard als Caitlinn Brown, Christoph Memmert als David D. Slypher, Marc Schülert als Kevin Riley, Marie Natusch als Eve, Roman Ewert als Arthur O'Neill und Michael Gerdes als Sir Arnold Henderson hier Gehör bringen, ist absolut überzeugend und besitzt einen hohen Unterhaltungsfaktor. Zum Cast gehören außerdem Andreas Hegewald, Robert Kerick, Christian Michalak, Jessica von Haeseler, Jens Ohrenblicker, Matthias Ubert, Anne Boddin, Pascal Runge, Alexander Wild, Matthias Bleibohm, Alexandra Begau und Ekkehardt Belle. Etwas unterbeschäftigt ist dieses Mal Felix Würgler als Erzähler. Ina Burkhardt leiht erneut Penny Powers ihre Stimme.

Deutliche Fortschritte macht in Wayne McLair 02 – Der Revolvermann (Teil 1) übrigens die Zeichnung der Figuren Slypher, Quinn und O'Neill. Hier lag eine der Schwächen des Serienauftakts und Paul Burghardt merzt dieses Manko nun mehr und mehr aus, indem er diesen Charakteren mehr Aufmerksamkeit schenkt und ihnen Ellenbogenfreiheit verschafft. Dies gelingt zwar nicht, ohne das die Akteure manchmal doch etwas recht geschwätzig wirken, doch gleicht der Autor, der auch für Schnitt und Regie verantwortlich zeichnet, dies nicht zuletzt dadurch aus, dass er die Dialoge in einen Klangraum einbettet, der sich gewaschen hat. Unterstützt durch einen stilvollen Soundtrack von Kevin McLeod entsteht durch die gekonnte und aufwändige Abmischung ein komplexes und facettenreiches Bild vor dem inneren Auge des Publikums, das einen unwillkürlich in die Szenerie einer viktorianisch anmutenden Steampunk-Kulisse versetzt. Besser kann man es wohl nur schwerlich machen. Dem Hörspiel gibt ein schön gestaltetes Cover bereits vor dem Hören ein passendes Gesicht.

Wie bereits eingangs gesagt, handelt es sich bei den gemachten Beobachtungen und Einschätzungen um eine vorläufige Bestandsaufnahme. Erst dann, wenn der abschließende Teil vorliegt, ist wird ein belastbares Fazit möglich sein. Wenn der Plot jedoch auf jenen Kurs bleibt, den er er in Wayne McLair 02 – Der Revolvermann (Teil 1) nach ca. der Hälfte der Laufzeit eingeschlagen hat, dann darf man sich jetzt schon auf eine spannende Fortsetzung freuen. Abgesehen von dem recht langen Anlauf ist der Auftakt des neuen Abenteuers in puncto Spannungsaufbau, Sprecherleistung und vor allem Abmischung durchaus gelungen und sei darum Hörspielfans als Hörfutter ans Herz gelegt.



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