Rezension: Rick Future 4 (Second Edition): Zeitsturm


Ein Rick Future Hörspiel zu rezensieren, ist jedes Mal eine besondere Herausforderung. Was Sven Matthias, Dane Rahlmeyer, Tim Gössler und die übrigen Mitglieder des Produktionsteams dieser Space Opera mit jeder neuen Folge leisten, ist nämlich nicht allein vor dem Hintergrund beachtlich, dass es sich um eine unkommerzielle Serie handelt. Vielmehr begeistert die Tatsache, dass RF seit Jahren auf einem solch hohen Niveau produziert wird, dass man inzwischen eigentlich schon von Perfektion im Bezug auf die jeweiligen Hörspiele sprechen muss. Ein perfektes Hörspiel freut natürlich die Fans, ist jedoch ein echtes Problem für den Rezensenten, denn zu einer Besprechung gehört schließlich auch immer ein gewisses Maß an kritischen Anmerkungen. Rick Future 4: Zeitsturm, die neueste Folge der Serie, die gestern ihre Premiere feierte und seitdem auf der offiziellen Website der Serie zum kostenlosen Download bereit steht, ist in dieser Hinsicht so etwas wie ein Rezensenten-Alptraum.

Auf der Wace Station herrscht Panik: Die mörderischen Nakrotianer sind an Bord und lauern in den Schatten auf ihre Opfer. Doch es droht noch eine andere Gefahr, denn eine Zeitwelle trifft die Station. Plötzlich werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durcheinander gewirbelt und das entstehende Chaos bedroht jedes einzelne Lebewesen auf der Station. Rick und seine Crew versuchen, das Schlimmste abzuwenden – doch die Zeit arbeitet gegen sie.

Dane Rahlmeyer hat Rick Future 4: Zeitsturm als eine Tour de Force angelegt, deren Dynamik die Hörerschaft von der ersten Minute an unwillkürklich in ihren Bann zieht. Der Autor erreicht dies, indem seine Story gleich mit einer Vielzahl an Handlungssträngen aufwartet, welche im Verlauf der Geschichte sich immer wieder kreuzen, ehe sie in einem explosiven Finale kulminieren. Wie es sich für den Abschluss eines Mehrteilers gehört, kennt der Plot in Sachen Dramatik kein Halten mehr und als ob die Zeitwelle und der bevorstehende Untergang der Wace Station die Figuren nicht schon genug in Atem halten würde, müssen sie sich auch noch der gruseligen Nakrotianer erwehren, die – Alien lässt schön grüßen – in dunklen Winkeln auf ihre nächsten Opfer warten. Was Dane Rahlmeyer hier geschrieben und Sven Matthias als Produzent zusammen mit den Sprecherinnen und Sprechern, sowie Komponist Tim Gössler inszeniert hat, ist zweifelsohne ein absolutes Action-Highlight mit Gruselfaktor. Es wäre jedoch absolut zu kurz gegriffen, würde man sich bei der Besprechung dieser Produktion allein auf die temporeiche Action konzentrieren, denn das Hörspiel ist darüber hinaus eine wichtige Charakterepisode. So manches von dem, was im weiteren Verlauf der Serie noch von großer Relevanz sein wird, deutet sich hier bereits an. Rick und Cassandra, Evi und Hubert, Huggins und Folib lauten die Paarungen, die Rahlmeyer gebildet hat, um durch die Interaktion der Figuren deren Beziehung zu einander näher zu beleuchten. Zudem sorgen die Verwerfungen im Zeitstrom dafür, dass man als Hörer Zeuge einschneidender Momente im Leben der Protagonisten wird. Von der Strategie des Autors für diese Episode profitieren neben den Hauptpersonen auch wiederkehrende Figuren wie Captain Huggins oder Jeff Parker. So darf der Fordianer Huggins in diesem Hörspiel zur Abwechslung einmal zum Action-Hero avancieren, der zudem noch den Lorbeer für den coolsten Spruch der Folge abräumt, und erstmals erfährt man etwas über den familiären Background von Jeff Parker, dem zielstrebigen und immer etwas verschlagenen Angestellten der Interstar Corporation. Indem er die Zeitwelle als Auslöser für die Flashbacks bzw. Flashforwards präsentiert, diese sich dadurch organisch in den Gesamtrahmen einfügen, schafft es Rahlmeyer, starke Charaktermomente und packende Action in diesem Hörspiel erfolgreich unter einen Hut zu bekommen.

Die Umsetzung von Rahlmeyers anspruchsvollem Skript oblag wie gehabt Sven Matthias, der dieses Mal in puncto Abmischung und Sounddesign noch einmal über sich hinausgewachsen zu sein scheint, obwohl er bereits in der Oberklasse rangiert. Zwar gehörte eine sehr hohe atmosphärische Dichte auch immer schon zu den Markenzeichen von Rick Future, doch Rick Future 4: Zeitsturm gelingt das Kunststück, die Messlatte in dieser Hinsicht noch ein Stück höher zu legen. Getragen von einer überzeugenden Gesamtleistung des mit über dreißig Rollen sehr umfangreichen Casts und unterstützt durch einen von Tim Gössler eigens komponierten stimmigen und abwechslungsreichen Soundtrack (der übrigens am 19. September als separater kostenloser Download veröffentlicht wird), ist Sven Matthias ein akustisches Gemälde gelungen, das durch eine Vielzahl von kleinen Details besticht, die in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass die Geschichte so druckvoll und plastisch ans Ohr des Publikums transportiert wird. Was hier geboten wird, ist ganz großes Kopfkino, das auch verwöhnte Hörer begeistern wird. Damit es auch fürs Auge etwas gibt, hat Colin Winkler wieder ein sehr schönes Cover gestaltet.

Und was ist nun mit der Kritik? Gute Frage, denn unterm Strich findet sich nichts, was man wirklich negativ anmerken kann. Sicher, wie Rahlmeyer das Mysterium um den letzten Nakrotianer aufgelöst hat, ist vielleicht etwas kompliziert, doch in sich ist die Erklärung stimmig. Dass der Konflikt, den die Lichtgeborenen und die Alten Seelen [Korrektur: Wahren Seelen] austragen, in dieser Folge nicht über den Status einer Randbemerkung hinauskommt, könnte man erwähnen, doch schon in Folge 3 diente ihre Auseinandersetzung lediglich primär dazu, als Grundlage für den Zweiteiler zu fungieren, die Handlung in Gang zu bringen, ohne aber intensiv ausgeleuchtet zu werden. Dass sich daran auch in RF 4 nichts geändert hat, kann man mit Recht feststellen, aber es dem Autor nicht ernsthaft zu Vorwurf machen, wenn er seine Linie beibehält. Lassen wir es also dabei: Es findet sich nichts, was man grundlegend anders oder besser hätte machen sollen. Der Rezensent gibt an dieser Stelle schlicht auf.

Rick Future 4: Zeitsturm stellt inhaltlich wie auch von der Umsetzung her den vorläufigen Höhepunkt der ersten Rick Future-Staffel dar und schürt damit natürlich bei den Fans große Erwartungen an die kommende Episode 5, die den Titel Roter Sand tragen wird. Damit wäre dann das Projekt der Second Editions der Folgen der ersten Staffel von Rick Future nahezu abgeschlossen und die Macher können den Blick auf die vierte Staffel der Space Opera richten. Bei solchen Aussichten und angesichts der tollen Folge 4 bleibt einem nur zu sagen: Es ist eine gute Zeit, Fan von Rick Future zu sein.



Kommentare:

  1. Deine Worte zum Hörspiel kann ich nur bestätigen.

    Aber der "Rezensenten-Alptraum" ist amüsant.
    "Fachmännisch" gesehen bedeutet Kritik lediglich Beurteilung. Und die kann positiv wie negativ ausfallen.

    Kritik = Bemängelung hat sich im alltagssprachlichen Gebrauch zwar in vielen Bereichen durchgesetzt, würde ich als Kritiker - der Du als Rezensent ja bist - aber nicht so verwenden ;)

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    1. Hallo und vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Was die Verwendung des Wortes "Kritik" angeht: Ich sehe es auch so wie Du, dass "Kritik" zunächst einmals Beurteilung bedeutet. Als Rezensent bin ich Kritiker, beurteile bzw. kritisiere die ganze Zeit - unabhängig davon, ob ich mich nun positiv oder negativ äußere.

      In der Regel verwende ich den Begiff auch so, bin im aktuellen Fall ausnahmsweise davon abgewichen und habe die "alltäglichere Variante" gewählt, um die Einleitung etwas pointierter zu gestalten.

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