Rezension zu "Dark Space 2046 2.1: Neu Hamburg" (Michael Piotrowski & hoerspielprojekt)


Es war Ende August 2012, als Michael Piotrowski mit Der Flug der Draaken die erste Episode seines mehrteiligen Hörspiels Dark Space 2046 vorgelegte, die er in Kooperation mit der Community hoerspielprojekt realisiert hatte. Hatte man seinerzeit zunächst den Eindruck, es mit Military-SF zu tun zu haben, fand man sich als Hörer unvermittelt in einem dystopischen Polit-Thriller wieder. Seit dem 30. Juni 2013 ist nun die Fortsetzung Dark Space 2.1: Neu Hamburg als legaler kostenloser Download erhältlich. Mit seinem Erstling hatte Piotrowski die Messlatte für die folgenden Teile recht hoch gelegt – vielleicht etwas zu hoch, denn den Erwartungen wird die Fortsetzung nicht durchweg gerecht.

Wir erinnern uns: Im April 2024 unternimmt der Luftwaffenpilot Johann Brünning einen Testflug mit dem neuen Kampfjet Draaken (nicht zu verwechseln mit dem tatsächlich existierenden Flugzeug Saab Draken), der sowohl in den Lüften als auch im erdnahen Orbit operieren kann. Durch ein plötzlich auftretendes Phänomen in der Atmosphäre wird der Leutnant samt Fluggerät in die Zukunft des Jahres 2046 katapultiert, die einem Teil Europas zwar die politische Einigung in Form der Vereinigten Staaten von Nordeuropa gebracht hat, aber auch einen Überwachungsstaat, der durch das Büro für Staatsermittlung repräsentiert wird. Die Mitarbeiter dieser Stasi 2.0 interessieren sich brennend für Brünning, der dadurch zum Spielball einer Verschwörung von wahrscheinlich globalen Ausmaßen wird.

Wer sich nicht mehr so genau an den Plot der ersten Episode des Mehrteilers erinnern kann, dem hilft Autor Michael Piotrowski in einem ausführlichen Prolog noch einmal auf die Sprünge. Eigentlich müsste solch eine Einführung bei Fortsetzungen von Geschichten mit übergreifendem Handlungsbogen eine Selbstverständlichkeit sein, doch leider ist sie es bis heute im Hörspielbereich nicht. Da wir es bei Dark Space 2046 mit einer durchaus komplexen Erzählung zu tun haben, ist es umso erfreulicher, dass Piotrowski dem Publikum den Wiedereinsteig stark erleichtert. Die neue Episode knüpft nahtlos an den Vorgänger an und bietet im Verlauf ihrer ca. 61 Minuten durchaus gehobenen Unterhaltungswert. Johann Brünning kommt erstmals in direkten Kontakt mit einem hohen Vertreter des Büros für Staatsermittlung und seiner Frau Ina wird zur gleichen Zeit eine rätselhafte Nachricht aus der Vergangenheit zugespielt. Nach etwas verhaltenem Beginn zieht die Handlung im weiteren Verlauf vom Tempo her kräftig an und gipfelt in einem dramatischen Cliffhanger, der die Zuhörer hoffen lässt, auf die Fortsetzung nicht allzu lange warten zu müssen. Wenngleich die Produktion also durchaus ihre Highlights hat, ist sie aber leider kein reiner Hörgenuss.

Im Bezug auf die technische Umsetzung des Hörspiels hat sich Piotrowski (er zeichnet für Regie und Schnitt verantwortlich) viel Mühe gegeben und vor allem auf die räumliche Verteilung der Stimmen, ein facettenreiches Sounddesign und die stimmige Einbettung der Musik großen Wert gelegt. Insgesamt liefert er damit zum zweiten Mal in Folge eine überaus professionelle Arbeit ab. Diese Tatsache wird auch durch den Eindruck nicht geschmälert, gegen Ende sei schlicht vergessen worden, eine Sprechrolle zu besetzen. Ganz im Gegensatz zum sonstigen Stil werden nämlich plötzlich Sätze, die eigentlich von einer Ärztin gesprochen werden müssten, vom Erzähler übernommen. Man kann es als Stilmittel zur Auflockerung ansehen, doch sonderlich passen tut dies nicht.

Während der Regisseur und Cutter Piotrowski also überzeugen kann, gelingt ihm dies als Autor nicht in demselben Maße, denn er leistet sich gewisse Schnitzer in der Logik der Handlung, generiert Widersprüche oder Ungereimtheiten. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Dialoge, von denen bei näherer Betrachtung manche nur bedingt Sinn machen. Einem aufmerksam zuhörenden Publikum wird dies alles wohl kaum verborgen bleiben. Selbstredend können Fehler immer passieren, doch andererseits muss jedes Skript beim hoerspielprojekt von einem Lektor vor Produktionsbeginn freigegeben werden. Im aktuellen Fall sind derer sogar zwei. Leider sind entweder keinem von ihnen die Schwächen im Plot aufgefallen oder sie wurden auf die rein formale Kontrolle des Dialogbuchs verpflichtet. Wie dem auch sei, es zeigt sich erneut, dass Autoren stets Gefahr laufen, sich beim Erzählen ihrer Geschichte in jenen Fakten zu verheddern, die sie zuvor mit Sorgfalt etabliert haben.

Die Hauptrollen von Dark Space 2046 2.1: Neu Hamburg übernahmen erneut Dennis Radzuweit, Christiane Marx und Marcel Mander. Den verschlagenen Staatskommissar Kobap gibt Ernszt Dubitzky, Jamie Leaves ist als Maria Harkonsen zu hören und Marcel Ellerbrok führt mit einprägsamer Stimme durch das Geschehen. Es ist ein großer Cast, den Michael Piotrowski für diese Produktion brauchte und es ist ihm in der Tat gelungen, für jede Rolle eine geeignete Stimme zu finden, denn allen Beteiligten kann man attestieren, die jeweiligen Charaktere glaubwürdig verkörpert zu haben. Von Jan Kryzostaniak stammt der Soundtrack des Hörspiels, der sich nicht nur in die Grundstimmung einfügt, die durch das Skript definiert wurde, sondern diese gleichzeitig verstärkt und zudem eigene Akzente setzt. Abgerundet wird das Paket durch das Artwork, welches der Autor/Regisseur/Cutter Piotrowski höchstselbst beigesteuert hat. 

 
Dass Dark Space 2.1: Neu Hamburg bei aller Kritik als kurzweilige Fortsetzung des spannenden Auftakts einer groß angelegten Geschichte bestehen kann, verdankt das Hörspiel seinem guten Cast und Erfahrung Michael Piotrowskis in Sachen Abmischung. Seine Liebe zum Detail ist jederzeit deutlich hörbar. Die gleiche Akribie hätte das Skript in manchen Bereichen allerdings sicherlich stimmiger gemacht. So hinterlässt diese Produktion unterm Strich den Eindruck eines soliden Hörspiels mit Steigerungspotenzial.



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