Rezension: Mark Brandis - Raumposition Oberon (Folgenreich/Interplanar)


Wenn heute das neue Hörspiel Mark Brandis: Raumposition Oberon in die Läden kommt, dann ist es die inzwischen fünfundzwanzigste CD, die sich die Fans der Serie ins Regal stellen können. Da seine Abenteuer über längere Zeit in Doppelfolgen erzählt wurden, handelt es sich zwar nicht auch gleichzeitig um die fünfundzwanzigste Geschichte mit dem mutigen Raumfahrer, aber Brandis hat seit dem Serienauftakt Bordbuch Delta VII trotzdem jede Menge erlebt. Nun schlägt er ein neues Kapitel in seinem Leben auf, denn die von ihm ins Leben gerufenen Weltraumretter gehen an den Start. Und gleich der erste Auftrag hat es mächtig in sich.

Man schreibt das Jahr 2134 und Mark Brandis ist Vormann der neu gegründeten Raumnotretter. Ohne Ansehen der Nationalität soll geholfen werden. Noch ehe die neue Einsatzzentrale auf dem Mond eingerichtet ist, haben die Raumfahrer gleich alle Hände voll zu tun, denn die Republiken waren so kurzsichtig, eines ihrer Raumschiffes zu sprengen und dadurch in erdnaher Umlaufbahn eine Splitterwolke von tödlicher Geschwindigkeit entstehen lassen. Diese droht nun alles zu eliminieren, was ihr in den Weg kommt - unter anderem auch das Weltraumkloster Orbis. Kann Brandis die hilflosen Gläubigen rechtzeitig in Sicherheit bringen?

Die Mission steht unter einem enormen Zeitdruck, die Einsätze sind gefahrvoll, die Dramatik entsprechend hoch und Interplanar hat das alles im bewährten Mark Brandis-Mix aus menschlichem Drama und Action in Space mit einer Laufzeit von ca. 61 Minuten absolut spannend in Szene gesetzt. Brandis ist es gelungen, seine alten Weggefährten Torrente, Stroganow, Romen und Dr. Levi für die Mitgliedschaft in der Unabhängigen Gesellschaft zur Rettung Raumschiffbrüchiger (UGzRR) zu gewinnen, was die Anhänger der Hörspielserie sicherlich freuen wird. Tom O'Brien aus der vorangegangenen Folge Blindflug zur Schlange macht auch mit, sowie mit Kato und Thai sogar zwei Captains aus den Republiken. Wie zu erwarten war, läuft bei der Mission nicht alles wie geplant und erneut riskiert Brandis alles (nicht zuletzt auch das Leben seiner Kameraden), um den in Raumnot Geratenen zur Hilfe zu eilen. Diese erhalten in Person von Pater Connery und dessen Tochter Maria eine Stimme. Während der Pater mit einen Ansichten zum Sinn des Lebens und dem Weg zu Gott eine interessante Figur ist, gilt dies für seine Tochter nicht in gleichem Maße. Sie wird zum Love Interest von O'Brien aufgebaut und bleibt eigentlich nur deshalb im Gedächtnis.

Leider konnte es sich Balthasar v. Weymarn, dessen Manuskript auf Motiven des gleichnamigen Romans von Nikolai v. Michalewski basiert, nicht verkneifen, den in der Serie bereits arg strapazierten Stereotyp des halsstarrigen Befehlshabers erneut zu malträtieren. Es sind der aus Triton-Passage bekannte Commander Busch und der Controller eines Flughafens im australischen Darwin, die sich querstellen und dafür von Brandis verbal zusammenfalten lassen dürfen. Für Buschs Verhalten liefert man gegen Ende des Hörspiels eine Erklärung nach, die allerdings nicht sonderlich überzeugend wirkt. Auf die Idee, das übliche Klischee zu vermeiden, indem er dem australischen Flugplatzverantwortlichen Sinn machende Gründe (z.B. überfüllter Luftraum, belegte Landebahnen, schlechtes Wetter) an die Hand gibt, ist v. Weymarn leider nicht gekommen. Stattdessen macht er ihn zum begriffsstutzigen Sturkopf. Diese schwachen Charakterisierungen tun zwar der Spannung des Hörspiels keinen Abbruch, doch etwas mehr Variantenreichtum bei der Zeichnung der Nebenfiguren wäre dennoch wünschenswert.

Dass die Produktion über die gesamte Laufzeit ihre Dramatik aufrecht erhalten kann, verdankt sie neben der stringenten Erzählweise nicht zuletzt dem ausgezeichneten Cast, dem vorzüglichen Sounddesign und einer ideal auf die Handlung abgestimmten Musik. Neben den bekannten Stimmen von Michael Lott, Martin Keßler, Martin Wehrmann, David Nathan, Claudia Urbschat-Mingues, Dorothea Anna Hagena und Gerhart Hinze ist erneut Dietmar Wunder (u.a. Synchronstimme von Daniel Craig) als Tom O'Brien zu hören. Jürgen Thormann, der hier Pater Connery spricht, ist im Synchron unter anderem die feste Stimme von Michael Caine. Connerys Tochter leiht Maja Maneiro ihre Stimme. Robert Vogel, der als Journalist das SF-Genre seit vielen Jahren begleitet, darf als Sven Björnsen einen Gastauftritt absolvieren (inkl. im 24. Jahrhundert angeblich selten gewordenem Regionaldialekt). Jochim C. Redeker hat auch für diese Folge das Sounddesign und die Musik besorgt und schließt stilistisch an die bisherigen Hörspiele der Serie an. Die Aufgabenstellung, den Einschlag von Trümmerteilen in eine Raumstation akustisch erlebbar zu machen, kann er ebenso überzeugend meistern, wie auch die Herausforderung, die Atmosphäre der jeweiligen Szenen musikalisch zu unterstützen, beim Publikum Emotionen zu wecken und so an die Geschichte zu binden. Für das Artwork zeichnet erneut Alexander Preuss verantwortlich. Das Booklet enthält neben einigen Informationen über die Charaktere Pater Robert B. Connery, Maria Connery und Tom O'Brien auch einen Artikel zum Thema Weltraumschrott – eine Problematik, die bereits heute die Wissenschaftler stark beschäftigt. Für alle, die mehr darüber erfahren wollen, ist die Adresse einer Website der europäischen Weltraumorganisation ESA angegeben.


Während sich für Mark Brandis mit der Gründung der UGzRR so manches verändert hat, setzt Interplanar hinsichtlich der Umsetzung von Mark Brandis: Raumposition Oberon auf Kontinuität. Eine gute Entscheidung, denn die Stärken der Serie werden für das Ziel, der Hörerschaft spannende und kurzweilige Hörspielunterhaltung zu bieten, wirkungsvoll betont. Die Macher holen aus der Story raus, was drin ist, konzentrieren sich auf das Wesentliche und lassen dennoch den Charakteren genug Luft zum Atmen. Mark Brandis hat eine neue Aufgabe gefunden und man darf schon sehr darauf gespannt sein, wie es mit dem Vormann der UGzRR weitergeht, in der nächsten Folge, die den Titel [Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt, dass ich den hier verrate? Grins!] trägt.



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