Ein Superheld im inhaltlichen Sturzflug: Filmkritik zu "Iron Man 3"


Wenn man sich die Entwicklung der Comicverfilmungen seit dem Jahre 2000 genauer anschaut, dann fällt auf, dass es keine Filmserie auf mehr als drei Filme am Stück gebracht hat, ehe aus Sicht der Studios (und häufig auch der Fans) ein Reboot nötig wurde. Spider-Man (Sony) erging es so, den X-Men (20th Century Fox) ebenfalls. Nun hat mit Iron Man ein weiterer Marvel-Superheld diese Wegmarke in seiner Kinolaufbahn erreicht, denn seit 2. Mai läuft Iron Man 3 offiziell in den deutschen Kinos. Wenngleich der Film mit bereits weltweit über 680 Mio. Dollar Einspielergebnis wirtschaftlich ein Riesenhit ist, stellt sich die Frage, ob sich die Fans nicht besser schon einmal beizeiten auf ein Reboot der Saga um den Mann in der Rüstung einstellen sollten, denn inhaltlich nähert sich die Filmreihe dem Nullpunkt.

Iron Man 3 spielt nach Marvel's The Avengers und Tony Stark (Robert Downey Jr.) legt sich dieses Mal mit dem Mandarin (Ben Kingsley) an, dem Kopf der Terrororganisation "Die Zehn Ringe". Die Quittung dafür folgt auf dem Fuß, denn der Terrorist zerstört das Leben von Tony mit rücksichtsloser Gewalt. Um jene zu beschützen, die ihm am nächsten stehen – allen voran Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) - besinnt sich Tony im Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Gegner auf seine Stärken, nämlich seinen Einfallsreichtum sowie seinen Instinkt. Doch bevor er ins Gefecht ziehen kann, muss er für sich zunächst noch eine wichtige Frage klären: Macht ihn der Kampfanzug zum Helden oder ist er ein Held in einer Rüstung?

Schätzungsweise 200 Mio. Dollar hat sich Marvel dieses Spektakel kosten lassen, dessen Plot auf der bekannten Comicgeschichte Iron Man: Extremis von Warren Ellis basiert. Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, und Don Cheadle sind wieder an Bord und mit Ben Kingsley, Guy Peace sowie Miguel Ferrer konnte man weitere namhafte Mimen verpflichten. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine überzeugende Comicverfilmung, doch das Endergebnis ist bei aller optischen Brillanz unterm Strich eher enttäuschend. Merkte man The Avengers an, dass Joss Whedon die Figuren seines Films liebte, so finden im Gegensatz dazu die Drehbuchautoren Shane Black (der auch Regie führte) und Drew Pearce den ganzen Film über keinen echten Zugang zu den Charakteren. Zwar etablieren die beiden den Mandarin zu Beginn durchaus eindrucksvoll als einen Osama Bin Laden des Marvel-Universums, doch ruinieren sie die Figur (immerhin einen der klassischen Gegner von Iron Man in den Comics) und damit seine Agenda im Verlauf des Streifens vollkommen. Stattdessen bieten Black und Pearce einen Schurken der Marke 0815 auf, dessen Motivation sich weitgehend mit jener der Bösewichte aus den vorangegangenen IM-Filmen deckt. Es ist unglaublich, welches Potential hier verschenkt wurde.

Der Hauptfigur Tony Stark ergeht es nicht besser, denn zwar ist es eine interessante Idee, Tony als Folge der Ereignisse in New York an einem post-traumatischen Stress-Syndrom leiden zu lassen, doch nimmt man sich wiederum nicht die Zeit, auf dieses durchaus ernste Thema in angemessener Weise einzugehen. Auch hier bleibt vieles im Ansatz stecken. Zudem wirkt die Chemie zwischen Pepper Potts und Tony Stark in diesem Film angestrengt, denn an die Stelle witziger Wortgefechte, wie man sie noch aus Iron Man in guter Erinnerung hat, treten dieses Mal nervende Streitereien, die eher an das Gezänk eines alten Ehepaars erinnern. Zwar gewährt man Pepper zwei starke Szenen, der Preis dafür ist jedoch, dass man die Figur zwischenzeitlich wieder auf den Status einer Damsel in Distress zurückstuft.

Neben den verschenkten Möglichkeiten im Bezug auf die Charakterzeichnungen machen dem Plot zusätzlich noch die zahlreichen logischen Hänger zu schaffen, die man selbst mit großem Wohlwollen kaum mehr ignorieren kann. Dies schließt leider auch die Darstellung der Extremis-Soldaten mit ein, die durch ihre Fähigkeiten zwar eine würdige Herausforderung für Iron Man darstellen, deren Konzept allerdings nicht zu Ende gedacht wurde: Mal regenerieren sie sich nämlich ziemlich rasch, obwohl sie im Zentrum einer gewaltigen Explosion standen, und später reicht dann ein Repulsor-Schuss, um einige von ihnen für immer aus dem Spiel zu nehmen. Der Dramatik wegen haben Drew und Pearce die Antagonisten derart mächtig gestaltet, dass ihnen anschließend einfach kein vernünftiger Weg mehr eingefallen ist, wie man sie wieder loswerden könnte. Es gibt allerdings Autoren, denen so etwas gelingt. Insgesamt hinterlässt die Handlung beim Zuschauer das Gefühl, vieles schon einmal gesehen zu haben – und zwar besser, inspirierter und mit mehr Interesse an den Charaktere und einer stimmigen Handlung umgesetzt.

Wenn also schon die Geschichte selbst nicht viel hergibt, dann müssen eben die Action-Szenen den Film retten. Für jenen Teil des Publikums, der hauptsächlich in den Film geht, um Iron Man kämpfen zu sehen, hält der Steifen eine ganze Reihe von Szenen parat, die alle auch sehr gut umgesetzt wurden. Hier sieht man, wo der Großteil des Budgets geblieben ist, denn tricktechnisch ist Iron Man 3 allererste Sahne und profitiert zusätzlich noch vom 3D, das in diesen Sequenzen seine Vorteile voll ausspielen kann. Schade nur, dass die Effekte dieses Mal zur Hauptattraktion erhoben wurden, anstatt sie in den Dienst einer packenden Geschichte zu stellen.


Von seinen Anlagen her hätte Iron Man 3 ein großer Film werden können, doch die Mut- und Konzeptlosigkeit der Autoren macht ihn zu einer Effekt-Revue, die in ihrer Harmlosigkeit absolut massenkompatibel ist. Im Hinblick auf die Entwicklung der Comicadaptionen in den letzten Jahren bedeutet dies einen herben Rückschritt, denn gerade Marvel hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass Superhelden-Filme inhaltlich dem Publikum deutlich mehr anbieten können, als CGIs und explosive Action. Für mehr hat es in diesem Falle leider nicht gereicht, weshalb nur zu hoffen bleibt, dass Iron Man 3, mit dem Marvel Studios die Phase 2 seiner Verfilmungen einleitet, nicht den Weg für die weiteren Streifen dieser Etappe vorzeichnet. Ende Oktober 2013, wenn Thor: The Dark World anläuft, werden wir wissen, wohin die Marvel-Filme inhaltlich steuern.

Iron Man 3 läuft seit dem 2. Mai 2013 in den deutschen Kinos.
 

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