Rezension: Die Barash-Tyr Chroniken 2: Der Teufel vom Gargenwald (hoerspielprojekt)


Am 10. Februar 2013 hatte das Hörspiel Die Barash-Tyr Chroniken 2: Der Teufel vom Gargenwald Premiere und steht seither zum legalen kostenlosen Download zur Verfügung. Diese Produktion verdient nicht zuletzt deshalb Beachtung, weil sie das selten gewordene Kunststück fertigbringt, sein Publikum dadurch zu überzeugen, dass sie in mancherlei Hinsicht anders ist, als viele es wahrscheinlich erwartet haben dürften.

Autor Thomas Kramer hatte in der Eröffnungsfolge der Saga (ich rezensierte sie hier) mit dem Magier Alexander Dyrer und der Zwergen-Kriegerin Solveig zwei Protagonisten eingeführt, diese sogleich auf eine spannende Mission geschickt und bei der Gelegenheit die Hörer mit einem Antagonisten in Form des mysteriösen Fremden als Abgesandten des ominösen „Inneren Zirkels“ vertraut gemacht. Man konnte also nach Episode 1 durchaus den Eindruck haben, die zentralen Elemente der Geschichte seien etabliert und der Fortgang der Story zumindest in den Grundzügen damit vorgezeichnet. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Anstatt auf diesem Weg einfach weiterzugehen, präsentiert Kramer in Folge 2 ein nahezu komplett neues Set an Figuren, mit dem Spruchweber Gent Van Hagen an der Spitze. Dieser ist unterwegs in das kleine Städtchen Gargweiler, um einer Frau namens Lovis die traurige Kunde vom Tode eines ihren alten Weggefährten, der zudem der Meisten Van Hagens war, zu überbringen. Zur gleichen Zeit erwacht im unweit des Ortes gelegenen Gargenwald eine uralte schreckliche Legende zu neuem Leben. Es dauert nicht lang, bis Van Hagen zusammen mit den Bewohnern von Gargweiler um sein Leben kämpfen muss.

Mit Die Barash-Tyr Chroniken 2: Der Teufel vom Gargenwald wird diese Fantasy-Erzählung um einen zweiten Handlungsstrang bereichert, der mit dem Plot rund um Dyrer und Solveig auf vielerlei Arten verknüpft ist, sich in diesem Hörspiel aber vorerst eigenständig entwickelt. In späteren Folgen, so viel dürfte klar sein, werden sich beide Stränge treffen und auf ein gemeinsames Finale hinsteuern. Als wäre diese Konstruktion für Hörspiel-Verhältnisse nicht schon komplex genug, setzt Kramer unbeirrt auch auf inhaltliche Tiefe und verlangt dem Publikum so ein hohes Maß an Aufmerksamkeit ab. Der Autor hält nichts von decompressed Stoytelling und daher sind die ca. 100 Minuten Laufzeit dieser Produktion neben zahlreichen unerwarteten Wendungen und obligatorischen Kampfszenen vor allem durch Dialoge gekennzeichnet, in denen derart viel an Hintergrundinformationen kommuniziert werden, dass all jene, die Hörspiele mehr so nebenbei hören, durchaus den Überblick verlieren können. Wer jedoch bereit ist, sich voll auf die Handlung zu konzentrieren, wird mit einer Reise in eine anspruchsvoll kreierte Fantasy-Welt belohnt, deren Potential noch lange nicht ausgeschöpft zu sein scheint. Sympathisch ist zudem, wie Kramer die Grenzen des Genres auslotet und gleichzeitig manche Mythen endlich wieder auf ihren ursprünglichen Kern zurückführt, welchen diese, nachdem Hollywood und die Mainstream-Literatur sie in der Mangel hatten, leider ansonsten inzwischen weitgehend verloren haben.

Umgesetzt wurde das Skript erneut von Marc Schülert, dem nicht nur eine makellose Abmischung gelungen ist, sondern auch eine eindrucksvolle Leistung in Sachen Regie, denn er holt aus der Besetzung in der Tat das Maximum heraus. Christian Michalak als Gent Van Hagen, Werner Wilkening als Bruder Benedikt, Dagmar Bittner als Sil'riel Morgentau und Felix Würgler als Konstantin Dumitru überzeugen auf ganzer Linie. Christiane Marx, Dorle Hoffmann, Martin Beyer, Paul Burghardt oder Tim Gössler sind darüber hinaus nur einige Namen aus dem umfangreichen Cast, der nicht nur eine hohe Qualität verspricht, sondern wirklich hält. Den Chronisten gibt erneut Christoph Memmert, der wieder souverän durch die Erzählung führt. Das Geschehen wird eingebettet in einen sehr atmosphärischen Klangteppich, der seine Wirkung auf den Hörer neben den zahlreichen Soundeffekten nicht zuletzt auch dem stimmungsvollen Soundtrack von Martin Stelzle und Michael Donner verdankt. Das Zusammenwirken aller Elemente schafft einen akustischen Rahmen, der die Handlung optimal unterstützt und gleichzeitig die Phantasie des Publikums beflügelt.


Die Barash-Tyr Chroniken 2: Der Teufel vom Gargenwald ist ein Hörspiel, das sein Genre und das Publikum ernst nimmt, indem es vor dem inneren Auge des Hörers eine komplexe Szenerie entfaltet und verdichtet, während es mit vielschichtigen Charakteren aufwartet, deren Schicksal so spannend wie unabsehbar ist. So bleibt nach dem Anhören dieses Produktion vor allem eines: große Neugier und ungeduldige Vorfreude auf die Fortsetzung, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.



Link: Download des Hörspiels bei Hoerspielprojekt.de 
 

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