Rezension: Die Barash-Tyr Chroniken 1: Eine ungewöhnliche Freundschaft (hoerspielprojekt)


Ehe am kommenden Sonntag (10. Februar 2013) mit Der Teufel vom Gargenwald die Fortsetzung bei hoerspielprojekt.de seine Premiere feiert, ist es wohl angebracht, im Vorfeld einen Blick auf die Eröffnungsfolge der Fantasy-Hörspielserie Die Barash-Tyr Chroniken zu werfen. Diese erschien unter dem Titel Die Barash-Tyr Chroniken 1: Eine ungewöhnliche Freundschaft mit einer Spielzeit von ca. 82 Minuten im Jahre 2011. Seitdem steht sie auf der Website von hoerspielprojekt.de zum legalen kostenlosen Download bereit. 

Zweifelsohne lassen sich Die Barash-Tyr Chroniken vom Setting her als Fantasy klassischer Prägung charakterisieren, angesiedelt in einer mittelalterlich anmutenden Welt, in der Magier, Zwerge, Kobolde und Orks Realität sind. Dreh- und Angelpunkt des Hörspiels sind der Magier Alexander Dyrer und die Zwergenkriegerin Solveig. Ersterer erwacht schwer verletzt und mit einem dunklen Schleier über seinen Erinnerungen im eisigen Norden, nahe dem Berg der Könige. Zusammen mit Solveig, die ihn findet und bei sich unterkommen lässt, bis seine Wunden verheilt sind, begibt er sich nach der Genesung auf eine Reise, die ihn Schritt für Schritt der Wahrheit über seine Mission und damit seinem Schicksal näher bringt. 

Betrachtet man sich dieses Hörspiel genauer, dann erweist es sich als zeitgemäßer Beitrag zum Genre, in dem neben traditionellen Motiven wie Ruhm und Ehre auch aktuelle Themen Platz haben. So steht zwar die Suche der zwei Hauptcharaktere nach der Krone des Großkönigs der Zwerge im Mittelpunkt des ersten Abenteuers, doch geht es gleichzeitig auch darum, wie hart sich Solveig als alleinstehende Frau aus einfachen Verhältnissen innerhalb der von Männern beherrschten Zwergen-Gesellschaft ihren gleichberechtigten Platz erkämpfen muss. Von einer Frauenquote halten die Zwerge nämlich nicht sonderlich viel, sondern wollen sich die Kriegerin vielmehr mit Verweisen auf etwaige Traditionen und Vorschriften vom Hals halten. Auch das Motiv des Misstrauens gegenüber Fremden bis hin zur offenen Ablehnung Andersartiger kommt mehrfach zur Sprache – die Verbindungslinie zur Rassismusproblematik unserer Tage ist deutlich sichtbar. Autor Thomas Kramer hat sich viele Details einfallen lassen, mit denen er die Gesellschaft der Zwerge in all ihren Facetten vor dem inneren Auge des Hörers lebendig werden lässt. Die Mühe zahlt sich aus, denn so wird dem Publikum die Identifizierung mit Solveig erleichtert und gleichzeitig der Boden für jenes politische Drama bereitet, das Kern des zweiten Erzählstrangs ist, der parallel zur Quest von Dyrer und Solveig etabliert wird und gleichzeitig den roten Faden bildet, der die einzelnen Folgen der Serie miteinander verbindet. 

Damit seine Geschichte funktioniert, nutzt Thomas Kramer erfolgreich das Buddy-Motiv. Er bringt mit dem zurückhaltenden Dyrer und der resoluten Solveig zwei sehr gegensätzliche Charaktere zusammen und schildert, wie sich zwischen den Beiden aus einer Zweckgemeinschaft im Laufe der Zeit eine Art von Freundschaft entwickelt. Die Dialoge zwischen dem Magier und der Kriegerin fallen dabei sehr humorvoll aus und bringen den Hörer regelmäßig zum Schmunzeln. Verbale Gefechte machen allerdings nur einen Teil des Reizes dieses sympathischen Gespanns aus, denn das Abenteuer, in welches Thomas Kramer seine Protagonisten in Die Barash-Tyr Chroniken 1: Eine ungewöhnliche Freundschaft verwickelt, stellt diese auch vor ganz handfeste Herausforderungen und gibt Solveig mehrfach die Gelegenheit, ihren Streithammer, genannt Schädelknacker, effektvoll zum Einsatz zu bringen. In Dyrer andererseits stecken mächtige Fähigkeiten, die dieser jedoch erst noch neu für sich entdecken muss. Einen Vorgeschmack darauf, was der Magier so drauf hat, bekommt man aber schon in dieser Folge. Man darf gespannt sein, was da noch so enthüllt wird. 

Den Magier Alexander Dyrer spricht Thomas Kramer selbst und interpretiert diese Charakter als eine würdevolle Person, die gleichzeitig aber nicht frei von Unsicherheit ist. Jessica von Haeseler darf als Solveig Hargadottir vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, meistert aber auch jene nachdenklichen Momente, die es für die Figur auch gibt. Für Grimbur Eisenschlag ist Markus Raab mit seinem satten Bass genau die richtige Besetzung, wie auch Michael Gerdes als Dwirosch Eisenruf, Robert Barkowski als Nabrag und Detlef Tams als windiger Händler Mercadir Kundenfreund überzeugen. Zudem sind noch Robert Frank als Friedwart Blätterbart Wurzelwort von und zu Halmstedt-Unterbaum, Markus Haacke als Daror und Marc Schülert als undurchsichtiger Strippenzieher im Hintergrund zu hören. Den Chronisten der Ereignisse gibt Christoph Memmert. Der Cast hat seine Rollen absolut im Griff, agiert mit viel Engagement und sorgt so dafür, dass man von einer sehr guten Gesamtleitung sprechen kann. Schnitt und Regie lagen in den Händen von Marc Schülert, der eine Abmischung mit viel Dynamik vorgenommen hat, die den Hörer schnell in das Geschehen hineinzieht. Das Sounddesign wartet mit sehr schön ausgewählten atmosphärischen und situativen Geräuschen auf, was sich sehr positiv auf die Wirkung der Handlung beim Publikum auswirkt. Abgerundet wird das Klangpaket durch die sowohl zum Genre wie auch jederzeit zur Handlung passende Musik von Martin Stelzle, die man sich auch losgelöst vom Hörspiel gerne anhören würde, wenn es einen separaten Soundtrack gäbe. Das Cover von Wolfram Damerius wurde von einer Szene aus dem Hörspiel inspiriert und gibt zudem einen optischen Eindruck von den Protagonisten. 


Man muss kein Fan des Genres sein, um an Die Barash-Tyr Chroniken 1: Eine ungewöhnliche Freundschaft seine Freude zu haben, denn die Story rund um die Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Individuen ist universell und viele Themen absolut aktuell. Gleichzeitig wird so viel an gut gemachter Action und augenzwinkerndem Humor geboten, dass auf diese Weise ein sehr kurzweiliges Hörspiel entstanden ist, das ein großes Publikum über den Kreis der Fantasy-Anhänger hinaus verdient hat.


Kommentare:

  1. Eine tolle Rezension, die einen guten Einblick in das Hörstück verschafft. Danke dafür! :)

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    1. Gern geschehen. Vielen Dank für Dein Feedback.

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