Rezension: Triggers - Mission 2.1: Strömungen (Hoerspielprojekt)


Im kommerziellen Hörspielbereich sind Space Operas leider inzwischen zur Seltenheit geworden. Daher ist es um so erfreulicher, dass die freie Szene diesem Themenkreis der Science-Fiction immer noch die Treue hält. So erschien Mitte Dezember 2012 bei Hoerspielprojekt eine neue Folge der Serie Triggers mit dem Titel Triggers – Mission 2.1: Strömungen aus der Feder von Karl-Heinz Nehoda. Das Hörspiel hat eine Laufzeit von ca. 66 Minuten und Interessierte können es sich legal kostenlos von der Website von Hoerspielprojekt herunterladen.

Triggers handelt von den Abenteuern der Space-Force-Kadetten Erin Carter, Benjamin Ripley, Yuri Tupolev und Francesca Damato, die sich für ein spezielles Programm qualifiziert haben. Dieses wurde ins Leben gerufen, um angehende Raumfahrer möglichst früh praktische Erfahrungen im Außeneinsatz sammeln zu lassen. Zu diesem Zweck wurde das Quartett auf den Raumkreuzer Target unter der Führung von Captain Blake Sulaco abkommandiert.

In Triggers 2.1 sieht alles zunächst nach einem normalen Routineeinsatz aus, denn die S.F.S.. Target erhält den Befehl, die havarierte Raumsonde Ozma zu bergen. Doch bereits vor dem Start geschehen einige mysteriöse Dinge, denn zuerst wird Erin von einem giftigen Tier aus einer anderen Welt gebissen und anschließend verhalten sich Yuri und Seska mit einem Mal sehr seltsam. Dennoch bricht die Target zu ihrer Reise auf und kann die Sonde problemlos bergen. Dann jedoch bricht an Bord das Chaos aus und die Crew muss erschreckt feststellen, dass ein einzelner Kopf hinter all diesen mysteriösen Vorkommnissen steckt.

Bevor es um das Inhaltliche geht, sei kurz ein Wort über die Nummerierung der Folge verloren: Der Vorgänger bestand aus zwei Teilen, die darum durchaus nachvollziehbar mit 1. und 1.2 bezeichnet wurden. Das neue Hörspiel führt die Nummer 2.1, was suggeriert, dass es einen zweiten Teil der Geschichte geben wird. Dies stimmt sogar, denn die vorliegende Story ist in der Tat nicht in sich abgeschlossen, sondern wird im nächsten Hörspiel fortgesetzt – allerdings wird dieses (so geht es aus dem Klappentext hervor) dann die Nummer 3.1 tragen. Dies macht ohne weitergehende Erklärung nicht viel Sinn und vielleicht sollte man diese Nummerierung noch einmal überdenken, um dem Publikum die Orientierung zu erleichtern.

Was den Plot von Triggers 2.1 angeht, so muss man den Vorgänger nicht kennen, um dem Geschehen folgen zu können. Angeraten sei es aber, denn manche Animositäten zwischen den zentralen Charakteren werden erst vollends klar, wenn man sich noch einmal vor Augen hält, was im Serienauftakt alles passiert ist. Der Fokus liegt dieses Mal auf Yuri Tupolev, dessen Vergangenheit und Seelenleben näher ausgeleuchtet wird. Gleichzeitig gehen die Scharmützel zwischen Ripley und Carter weiter und man erfährt interessante Neuigkeiten über Seska Damato, welche die Figur in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die charakterliche Entwicklung der zentralen Figuren schreitet stetig voran, was in Triggers 2.1 auch sehr schön deutlich wird. In diesem Punkt konnte der Pilot seinerzeit nicht recht überzeugen, doch der Nachfolger kann hier sehr wohl punkten.

Dem Spannungsbogen merkt man hingegen an, dass der Autor es nicht eilig damit hat, seine Geschichte zu erzählen. Über vierzig Minuten lang bleiben die Höhepunkte des Plots überschaubar und das Tempo eher im mittleren Bereich. Erst als der Antagonist sich zu erkennen gibt und seine Motive bzw. die Agenda deutlich werden, nimmt die Handlung ordentlich an Fahrt auf. Sobald die Handlung diesen Punkt jedoch erreicht hat, bietet sie jenes packende Drama im Weltall, das man von einer Space Opera erwartet. Der Anlauf allerdings, den es bis dahin gebraucht hat, könnte dem einen oder andren Hörer doch recht lang vorkommen. Reizvoll ist aber auf jeden Fall der große Gegenspieler, denn er ist clever, hat einen nachvollziehbaren Plan und stellt daher eine echt Herausforderung dar. Ihm beizukommen, dies ist jetzt bereits klar, wird nicht einfach sein. Triggers 2.1 klingt an einem dramatischen Punkt des Plots aus, der durchaus neugierig darauf macht, wie es mit der Crew der Target weitergehen wird.

Die Besetzung von Triggers 2.1 fällt mit insgesamt 25 Sprechrollen für eine unkommerzielle Produktion durchaus umfangreich aus. Die Kadetten werden erneut von Vera Bunk, Stefan Krombach, Marco Rosenberg und Katharina von Daake gesprochen, die allesamt eine glaubhafte Interpretation ihrer Rollen abliefern. Als Captain Sulaco ist wieder Marc Schülert zu hören, in dessen Stimme sowohl Autorität wie auch Einfühlungsvermögen mitschwingen. Mal nicht als Golwone Hubert (aus Rick Future), sondern als Dr. Van Gelder bereist Ralf Pappers das Weltall. Ronald Salert hinterlässt als Austin Priest einen sehr positiven Eindruck, wie auch Tanja Schmidt als Stimme der künstlichen Intelligenz der Sonde Ozma. Durch die Geschichte führt Anke Bullemer als Erzählerin. Was die Rollenvergabe angeht, so hatten die Produzenten eine glückliche Hand, denn der von ihnen zusammengestellte Cast kann über die gesamte Laufzeit die Erwartungen des Publikums absolut erfüllen.

Die Musik- und Soundkulisse von Michael Donner bzw. Erik Albrodt ist ordentlich, allerdings geht es an Bord der Target trotz einer ansehnlichen Crew und jeder Menge Technik immer noch recht ruhig zu. Hier wäre also noch Luft nach oben, zumal atmosphärische Geräusche auch als Orientierung für den Hörer dienen, wenn diesen Part nicht der Erzähler übernimmt. So ist in einer Szene, in der sich der Captain mit dem Doc via Funk/Video unterhält, wegen der zurückhaltenden Geräuschkulisse und der hier nicht eingesetzten Erzählerin zunächst nicht klar, dass sich Sulaco dabei auf der Brücke befindet. Dies stellt sich erst später heraus. Später im Hörspiel kommuniziert der Antagonist von außerhalb der Brücke mit dem Kommandanten, in der nächsten Szene ist er dort anwesend, ohne dass dies von der Crew großartig kommentiert wird. Wenn man schon eine Erzählerin hat, dann wäre hier ein guter Zeitpunkt gewesen, sie auch einzusetzen, um die Abläufe klarer zu machen und die Stimmung unter den Protagonisten ob der Tatsache, dass nun der Mistkerl die Befehle gibt, besser zu vermitteln. Nicht zuletzt auch, weil insbesondere die räumliche Verteilung der Stimmen sehr gut funktioniert, kann man - sieht man einmal von den genanten Aspekten ab - der gesamten Abmischung ansonsten ein hohes und zeitgemäßes Niveau attestieren.


Die Einordnung von Triggers – Mission 2.1: Strömungen kann nicht mehr als ein Zwischenfazit sein, denn der Rest der Geschichte, die mit Triggers – Mission 3.1: Die Eklipse-Verschwörung fortgesetzt wird, steht noch aus. Für den Moment lässt sich sagen, dass nach einer Phase des etwas zu langen Anlaufs ein durchaus spannender Einstieg in eine Story gelungen ist, die viel Potential besitzt und mit greifbaren Charakteren aufwartet, die an ihren Herausforderungen wachsen. Die genannten Kritikpunkte sollten den Fan der gepflegten Space Opera deshalb nicht davon abhalten, sich diese Produktion zu Gemüte zu führen. 


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