Rezension: Mark Brandis - Triton-Passage (Folgenreich/Interplanar)


Wenn am 11. Januar 2013 Mark Brandis: Triton-Passage in die Läden kommt, ist es sechs Monate her, seit die Fans etwas von ihrem Weltraumhelden gehört haben. Eigentlich hatte man das neue Hörspiel bereits für November 2012 erwartet, doch produktionstechnische Gründe verhinderten dies, was zwischenzeitlich für etwas Unruhe unter den Anhängern sorgte. Auch die Ankündigung, dass Triton-Passage kürzer als gewohnt ausfallen und statt als Doppelfolge in Form einer Einzel-CD zur Veröffentlichung käme, wurde aufmerksam registriert. Seit dem Wechsel der Serie von Steinbach Sprechende Bücher zu Folgenreich hatte es dies mit Aktenzeichen: Illegal bislang lediglich einmal gegeben – und auch nur, weil man anschließend mit Operation Sonnenfracht/Alarm für die Erde einen satten Dreiteiler vorlegte. Da gerade die Möglichkeit, die Romanvorlagen von Nikolai v. Michalewski adäquat und mit großer Laufzeit umsetzen zu können, seinerzeit einer der entscheidenden Gründe der Produzenten für den Label-Wechsel gewesen war, müssen die produktionstechnischen Gründe schwerwiegend gewesen sein, denn von dieser Formel ist Interplanar sicherlich nicht leichten Herzens abgewichen.

Neben allen Schwierigkeiten hinter den Kulissen galt es zudem, eine inhaltliche Schwäche zu überwinden, mit der sich die Vorgänger Sirius-Patrouille und Lautlose Bombe zuletzt herumschlagen mussten. Zeichneten sich die Episoden der Serie bis dahin durch einen überzeugend ausgearbeiteten Spannungsbogen aus, so schien Skript-Autor Balthasar v. Weymarn das glückliche Händchen dafür etwas abhanden gekommen zu sein, denn das Publikum attestierte Sirius-Patrouille weitgehende Spannungsfreiheit und bemängelte an Lautlose Bombe, dass das Hörspiel in Teil 2 zwar mächtig aufdrehen, dafür aber zu viel Anlauf benötigen würde. Solche Kritik hatte es zuvor noch nicht gegeben und es war klar, dass darauf reagiert werden musste.

Triton-Passage spielt im Jahre 2133 und Mark Brandis wurde von der VEGA zur Raumflotte abkommandiert, wo er als Pilot des Raumschiffs Explorator unter dem Kommando von Commander. Elmar Busch seinen Dienst versieht. Die Mission des Schiffes besteht in der Beobachtung des Sterns Eta Carinae, von dem die Wissenschaftler erwarten, dass dieser sich bald in eine Hypernova verwandelt. Der Stern hat damit aber keine Eile, weshalb an Bord der Explorator seit 240 Tagen Langeweile angesagt ist. Dies ändert sich schlagartig, als Mark Brandis von einem gestrandeten Republikenschiff erfährt, das auf den Neptun abzustürzen droht. Natürlich will Brandis helfen, doch kommt er dadurch in einen Konflikt zwischen Gewissen und Pflicht, denn der offizielle Befehl ist unmissverständlich: Um keinen Preis darf die Explorator die Beobachtungsposition verlassen!

Immer wieder ist zu beobachten, dass widrige Umstände besonders gute Produktionen hervorbringen. Auch Triton-Passage ist solch ein Fall, denn das Hörspiel stellt im Vergleich zu seinen Vorgängern einen Befreiungsschlag dar, da die Produzenten hier zu jenem Gleichgewicht aus menschlichem Drama, Space Opera und politischen Winkelzügen zurückfinden, welches kennzeichnend für die besten Folgen der Serie ist. Die Mission der Explorator wird rasch erläutert und die Tristesse an Bord atmosphärisch überzeugend vermittelt. Gradlinig dringt die Handlung anschließend zum Kern der Geschichte vor und führt diese konsequent anhand eines dieses Mal endlich wieder durchgängig packenden Handlungsbogens zu einem Finale, welches gleichzeitig ein Ausblick auf die nächste Folge ist. Dabei setzt der Plot zwar auf jede Menge Action, leuchtet die Figuren aber dennoch aus und verschafft ihnen dadurch charakterliche Tiefe. Auf bekannte Akteure müssen die Fans in dieser Episode zwar weitgehend verzichten, denn Brandis arbeitet mit einer komplett neuen Crew zusammen (das Bordsystem CORA mal ausgenommen), doch auch diese Besatzung hat ihren Reiz. Vor allem die junge Ingenieurin Minulescu ist mächtig gefordert und darf zeigen, dass sie mächtig was auf dem Kasten hat. Auch Lt. Wagner hat sein Highlight bei einem Außeneinsatz, wo hingegen Cmdr. Busch reichlich überflüssig ist, denn hier wird lediglich wieder einmal ein Betonkopf der Raumflotte präsentiert, dessen einzige Funktion darin besteht, Brandis das Leben schwer zu machen. Eine ähnliche Konstellation gab es erst vor kurzem in Sirius-Patrouille – und auch da war sie nicht sonderlich überzeugend. Die Republiken-Bürgerin Tuva Eidsvag rundet das Ensemble an neuen Charakteren ab und bleibt als eine interessante Figur im Gedächtnis, deren Schicksal gewisse inhaltliche Parallelen zu Grischa Romens Frau KoAi aus Aktenzeichen: Illegal aufweist. Dies stört aber nicht, sondern verdeutlicht vielmehr, wie die Republiken mit ihren Bürgern umzugehen pflegen. Politisch hat die Rettungsmission am Neptun nicht nur Auswirkungen auf die Weltpolitik, sondern sorgt auch für Wirbel innerhalb der Union, der auch nach dem Ende der Folge noch nicht ausgestanden ist. Politisches Handeln und Gewissen, so zeigt es auch diese Episode wieder, gehen nicht sonderlich gut Hand in Hand.

Umgesetzt wurde Triton-Passage mit einer Besetzung, zu der neben Michael Lott als Mark Brandis und Mira Christine Mühlenhof als Bordsystem CORA zudem Roman Kretschmer (Cmdr. Busch), Anastasia Conze (Lt. Minulescu), Urs Remond (Lt. Wagner) und Bettina Zech (Tuva Eidsvag) gehören. Gerhart Hinze ist erneut als John Harris dabei, während Dorothea Anna Hagena wieder Brandis' Frau Ruth O’Hara verkörpert. Claudia Urbschat-Mingues absolviert einen kurzen Auftritt als Dr. Rebecca Levy. Die Republiken werden vertreten durch Nao Tokuhashi als Captain Chen und Hongyu Zhu als Minister Wang Yao. Mit Dr. Egon Mildrich, gesprochen von Rüdiger Evers, kündigt sich neues Ungemach für Brandis an. An dem Cast der Serie gab es noch nie etwas auszusetzen und so ist es auch dieses Mal, denn alle Sprecherinnen und Sprecher liefern eine hochkarätige Leistung ab. Für Sounddesign und Musik zeichnet wie gehabt Jochim C. Redeker verantwortlich, der sich ordentlich ins Zeug gelegt hat, der Geschichte eine angemessene Klangkulisse zu verpassen. Wieder sind es die vielen kleinen liebevoll eingebauten Geräusche, die sehr viel zur Atmosphäre des Hörspiels und seiner Wirkung beim Publikum beitragen. Das Niveau der vorangegangen Folgen kann diese Produktion spielend halten, was auch für den Soundtrack gilt, der seit jeher eine der großen Stärken von Mark Brandis ist. Die Abmischung ist insgesamt eine runde Sache, die von der großen Erfahrung aller Beteiligten profitiert.


Mit Mark Brandis: Triton-Passage hat Interplanar nach zwei nicht vollständig gelungenen Geschichten wieder ein Hörspiel abgeliefert, das sich auf die Stärken der Serie besinnt, seine kürzere Laufzeit zum Vorteil nutzt und als abwechslungsreicher und vor allem spannender Beitrag zu MB-Saga daherkommt. Die einzelnen Aspekte des Plots wurden fein austariert und ergeben zusammen mit einer guten Besetzung und einer einnehmenden Klangkulisse eine Geschichte, die auch zu wiederholtem Anhören einlädt. Kürze kann eben doch sehr würzig sein.  


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