Rezension: Cungerlan Folge 2: Flucht aus höchster Gefahr (erweiterte Neuauflage/Ohrland Verlag)


Seit gestern steht mit Cungerlan Folge 2: Flucht aus höchster Gefahr die nächste Episode der SF-Hörspielserie des Ohrland Verlags, basierend auf Geschichten und Figuren von Jerry Marcs, als erweiterte Neuausgabe in den Regalen. Nach dem furiosen Auftakt (siehe meine Rezension) musste man sich als Hörer nahezu unvermeidlich die Frage stellen, ob die Macher in der Lage sein würden, dieses Niveau auch im Bezug auf die Fortsetzung zu halten. Nach knapp 77 Minuten Spielzeit kann die Antwort nur lauten : Auf jeden Fall.

In der Dornensteppe von Umlumdrum treffen Bor Toth und der Shrill-Itzu-Meister Kentoka auf den Serhildan-Agenten Russel Lighthunter, der gerade den genialen Wissenschaftler Dr. Ponder Keen aus einem geheimen Forschungslabor befreit hat. Verfolgt von gefährlichen Dergern beschließt das Quartett, die beschwerliche Reise zur gefährlichen Grenzstadt Dharambo gemeinsam fortzusetzen. Von dort aus will man sich ins sichere Königreich Aramass absetzen. In Dharambo wird man Zeuge, wie der Profikämpfer Tarwilder durch einen Sieg gegen ein vierarmiges Monster neben einem beachtlichen Preisgeld das einzige Flugzeug weit und breit gewinnt. Mit dem Jet könnten die Helden ihre Reise gefahrlos fortsetzen. Die Sache hat allerdings einen Schönheitsfehler: Bor Toth und seine Gefährten sind pleite und Tarwilder denkt nicht im Traum daran, kostenlos seinen Hals für andere zu riskieren.


Cungerlan Folge 2: Flucht aus höchster Gefahr vereint den Plot der Folgen 1 und 2 der Erstausgabe, präsentiert diesen jedoch in weitreichend überarbeiteter Version: Eine ganze Reihe neuer Soundeffekte wurden eingefügt, die Musik ergänzt und die gesamte Produktion anschließend im EDK-Sound neu abgemischt. Das Konzept des Extrem Dynamischen Klangs sorgt dafür, dass Actionszenen deutlich mehr Druck im Gehör der Publikums entwickeln als vorher, oder Massenszenen, genannt sei als Beispiel Tarwilders Ringkampf, eine beeindruckende atmosphärische Dichte aufweisen. Der Plan von Ohrland, durch EDK den Hörer direkt an den Ort des Geschehens zu versetzen, geht voll auf. Details zum Unterschied zwischen einer konventionellen Abmischung und dem EDK-Verfahren kann man im 16-seitigen Booklet nachlesen. Den gelungenen Soundtrack steuerte erneut Robert Herrmann bei.

Die Geschichte führt mit Tarwilder, gesprochen von Tom Jacobs, und Knave Messa (Kerstin Kramer) zwei interessante neue Figuren ein, auf die man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr verzichten will. Ausgestattet mit jeder Menge Sarkasmus, Witz und Ironie erobern sie sich schnell ihren Platz in der Story und fügen dem bislang etablierten Ensemble neue Facetten hinzu. Der bodenständige Tarwilder bildet dabei einen reizvollen Gegenpol zum tugendhaften Russell Lighthunter – beide müssen sich erst noch zusammenraufen. Knave Messa wird aufgrund ihrer zierlichen Statur von niemandem ernst genommen, obwohl sie jede Menge auf dem Kasten hat, was sie auch jeden, ob er es nun hören will oder nicht, unablässig wissen lässt. Unterschätzen darf man die Kleine auf keinen Fall. Neben den Neuzugängen Tom Jacobs und Kerstin Kramer, sind Jo Weil, Bernd Rumpf, Peer Augustinski, Josef Tratnik und Heiko Obermöller erneut in den Hauptrollen zu hören. Der hochwertige Cast, abgerundet durch Nicole Engeln, Volker Wolf, Oliver Krietsch-Matzura, Dustin Semmelrogge und Sascha Schiffbauer, liefert eine tolle Mannschaftsleistung ab, an der es nun wirklich nichts auszusetzen gibt.

Cungerlan Folge 2: Flucht aus höchster Gefahr setzt auf eine spannende Geschichte mit reizvollen Charakteren, verfügt gleichzeitig aber über jede Menge schrägen Humor und nimmt sich zuweilen auch selbst nicht ganz für voll: So wird der politischen Korrektheit in zwei Szenen eine deutliche Abfuhr erteilt und eine Reihe von Klischees werden mit ironischem Unterton entweder bedient oder auf den Kopf stellt. Ob man zugunsten eines etwas flüssigeren Handlungsverlaufs in der zweiten Hälfte des Hörspiels auf den einen oder anderen Schlenker hätte verzichten sollen, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Da ständig irgendetwas passiert und zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen immer wieder hin und her gewechselt wird, vergeht die Zeit beim Anhören von Cungerlan 2 aber recht schnell. Die Produktion kommt einem kürzer vor, als sie es mit ihren ca. 77 Minuten in Wahrheit ist – bei Hörspielen leider absolut keine Selbstverständlichkeit.

Erneut rundet Ohrland die Produktion mit Bonusmaterial (dieses Mal ein Interview mit Tom Jacobs) und einem Booklet ab, das neben einigen schönen Illustrationen von Cover-Artist Steven Bagatzky den zweiten Teil des Lexikons zu Cungerlan enthält, in dem man Begriffe aus der Handlung nachlesen und darüber hinaus weitere Infos zu den Charakteren erhalten kann. Auf der Rückseite des Booklets findet sich zudem ein Wendecover für das Hörspiel.

Cungerlan Folge 2: Flucht aus höchster Gefahr ist die gelungene und von der Umsetzung her konsequente Fortsetzung des Serienauftakts. Die Erwartungen, die durch Folge 1 geschürt wurden, kann diese Produktion mehr als erfüllen und weckt damit bereits die Vorfreude auf den nächsten Teil der Cungerlan-Saga. Der Trip zum Planeten Cungerlan hat sich auch beim zweiten Mal wieder gelohnt.


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