Rezension: Lightstreams 09 - Deadline (Mindcrusher Studios)


Man kann Communties und Labeln der freien Hörspielszenen eigentlich gar nicht genug für den Aufwand und das Engagement danken, das sie in ihre Produktionen stecken. Nicht nur, dass sie ihre Hörspiele ohne jede Gewinnerzielungsabsicht herstellen und dem Publikum zum kostenlosen legalen Download überlassen, sie widmen sich auch weiterhin Erzählformen, die von den kommerziellen Anbietern inzwischen meistenteils vernachlässigt werden.

So zum Beispiel der Anthologie, die im Genre-TV mit Serien wie Twilight Zone und Outer Limits in den 1960ern ihren Höhepunkt erlebte, sich aber auch auf der Mattscheibe (abgesehen von Wiederholungen) rar gemacht hat. Auf dem Sektor der SF-Literatur findet man Geschichtensammlungen neueren Datums zumeist nur noch bei kleinen Verlagen. Das Hörspiel setzt zwar primär auf das Erzählen in Serie, doch in der Regel handelt es sich um Formate mit einem festen Stamm an Hauptfiguren. Kurzgeschichten mit wechselnden Charakteren sind hingegen für kommerzielle Label aus wirtschaftlichen Gründen (man denke nur an die große Zahl von Stimmen, die zu verpflichten wären) nicht von großem Interesse.

Hier schlägt die Stunde des freien Hörspiels, das sich um Produktionskosten und Umsatzzahlen nicht zu scheren braucht. Von den Mindcrusher Studios wurde vor einiger Zeit die anthologische Serie Lightstreams ins Leben gerufen, die im Stile Rod Serlings Geschichten aus den Grenzbereichen der Realität erzählt. Am 14. Oktober 2012 erschien die neunte Episode mit dem Titel Deadline, geschrieben von keinem Geringeren als Dane Rahlmeyer (Grüße aus Gehenna, Terra Mortis, Das dunkle Meer der Sterne, Rick Future).

Lightstreams 09 - Deadline handelt von einem Autor, der mit dem Cop Ace Knightley eine populäre Pulp-Figur geschaffen hat, die er nun Roman für Roman durch die berufliche und private Hölle schickt. Eines Abends taucht Ace leibhaftig bei seinem Schöpfer auf und verlangt eine Erklärung dafür, weshalb dieser ihm so viel Leid zugefügt hat. Der Schriftsteller kommt in arge Erklärungsnot, nicht zuletzt deshalb, weil Ace klarstellt, dass er ihn umbringen wird, wenn ihm dessen Antwort auf seine Frage nicht gefallen sollte.

Dane Rahlmeyer, von Beruf selbst Autor, dürfte wohl kaum Schwierigkeiten bereitet haben, sich beim Abfassen des Skripts in die Situation des Schriftstellers dieser Geschichte zu versetzen, denn immerhin ist auch er nicht gerade bekannt dafür, es den Charakteren in seinen Werken besonders leicht zu machen. Sehr schön arbeitet er zudem die komplexen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Autor, Verlag und Publikum heraus und zeigt deutlich, dass Schriftsteller, wollen sie am Markt erfolgreich sein, zumeist auf die Wünsche und Erwartungen des Publikums eingehen müssen. Das Resultat ihrer Arbeit entspricht daher nicht uneingeschränkt dem, was sie selbst unter guter Literatur verstehen. Ob der Autor wirklich seine Haut retten kann, wird so lange wie möglich offen gehalten, der Spannungsbogen ist absolut stimmig und das Finale überzeugt. Eine schöne runde Geschichte, die von Beginn an gleich zur Sache kommt und wegen der kurzen Laufzeit von 20 Minuten auf jeglichen erzählerischen Firlefanz konsequent verzichtet.

Andreas Otto ist in Deadline als Ace Knightley zu hören und verleiht seiner Figur zunächst jene Coolness, die man von einem solchen Charakter erwartet. Doch schnell wird klar, dass diese Attitüde nur Fassade ist. Wenn Ace minutiös aufzählt, was er alles Schreckliches durchmachen musste, treten Wut und Schmerz bis hin zur Verzweiflung an die Stelle der Abgeklärtheit, was von Andreas Otto eindringlich transportiert wird. Christian Senger als Autor fällt die Aufgabe zu, einen Charakter zu sprechen, der in mehrfacher Hinsicht am Scheideweg steht und sich unvermittelt damit konfrontiert wird, um sein Leben argumentieren zu müssen. So wie Senger diese Figur interpretiert, stellt man als Hörer schnell eine Verbindung zu ihr her und fiebert mit, was aus ihr wird. Eine Performance, die durchweg positiv im Gedächtnis bleibt. Bert Stevens hat einen kurzen aber gelungenen Auftritt als skrupelloser Verleger und als Bewahrer ist erneut Markus Raab mit seiner einprägsamen Stimme zu hören.

Auf technischer Seite zeichnet Kai Moosmann für Schnitt, Sounddesign, Musik und die Endabmischung verantwortlich. Er hat einen wirklich guten Job gemacht, denn der Cut gibt keinen Anlass zur Klage und auch in puncto Sounds gibt es nichts, was man verbessern müsste. Die Musik wird äußerst dezent eingesetzt, doch sie erreicht ihr Ziel, in entscheidenden Momenten die Handlung intensiv zu unterstützen. So muss es sein.


Lightstreams 09 - Deadline bietet spannende Unterhaltung im kompakten Format und macht darum richtig viel Spaß. Genre-Fans sei dieses Hörspiel, wie auch die übrigen Folgen der Serie, daher ans Herz gelegt.


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