Rezension: Dark Space - Der Flug der Draaken (Michael Piotrowski & Hoerspielprojekt)


Auf dem kommerziellen Hörspielmarkt lassen sich Serien, die ihre Geschichten in abgeschlossenen Einzelfolgen erzählen, noch einigermaßen verkaufen. Mehrteiler mit übergreifendem Handlungsbogen haben es dagegen aktuell sehr schwer. Das Publikum tritt ihnen inzwischen mit großer Skepsis entgegen, denn in letzter Zeit wurden zu viele Serien wegen unzureichender Umsätze vorzeitig abgebrochen und die Hörer mit Storyfragmenten enttäuscht zurückgelassen. Freie Hörspiele tun sich da etwas leichter, da es bei ihnen nicht auf Verkaufszahlen ankommt, sondern primär auf den Durchhaltewillen der Macher und des Casts. Doch auch dies stellt eine große Herausforderung dar, der Michael Piotrowski sich nun gestellt hat. Sein Mehrteiler heißt Dark Space und die Pilotfolge Der Flug der Draaken steht seit dem 26. August 2012 beim Hoerspielprojekt zum kostenlosen Download bereit.

Wie immer in solchen Fällen, wenn nur der Anfang eines Mehrteilers, aber noch nicht das Werk als Ganzes vorliegt, ist es sehr schwierig, das Gehörte einzuordnen. Erschwert wird die Angelegenheit in diesem konkreten Fall zusätzlich durch die Tatsache, dass die Pilotfolge von Dark Space nach ungefähr der Hälfte der Laufzeit ihr Gesicht deutlich wandelt.

Autor Piotrowski, der zugleich auch Regisseur und Cutter der Produktion ist, hat seine Geschichte als Rückblende auf vergangene Ereignisse angelegt, die im Jahre 2024 ihren Anfang nehmen, als der deutsche Luftwaffenoffizier Johann Brünning zu einem Testflug mit dem neuen Jet RJB1 Draaken aufbricht. Nach etwas verhaltenem Beginn setzt der Autor voll auf Action und beschwört ein Desaster herauf, indem er den Flug der Draaken zur Katastrophe werden lässt. Wenn Jetturbinen aufheulen und zwischen den Kommandostellen hektisch hin und her gefunkt wird, weil die Beteiligten alles versuchen, das Unglück doch noch abzuwenden, fühlt man sich an die Filme von Regisseuren wie Roland Emmerich oder Michael Bay erinnert, in denen auch gerne jede Menge militärisches High-Tech-Spielzeug an den Start gebracht wird. Zu diesem Zeitpunkt glaubt man den Charakter von Dark Space schon zu kennen, wird jedoch unvermittelt eines Besseren belehrt, als Piotowski seine Geschichte in eine andere Richtung lenkt.

Pilot Brünning findet sich plötzlich in der Zukunft des Jahres 2046 wieder. Es ist eine dystopische Zukunft, die Europa zwar die politische Einigung, aber auch ein zensiertes Internet und eine Stasi 2.0 beschert hat, deren Häscher irgendwie brennend an Brünning interessiert sind. Ob und wie der Flug der Draaken und die gesellschaftlichen Veränderungen seit diesen Tagen mit einander zusammenhängen, bleibt vorerst im Dunkeln. Dass eine Verbindung besteht, kann man aber durchaus annehmen. Im zweiten Teil der Pilotfolge ist das Tempo nicht komplett raus, doch deutlich reduziert, weil dialoglastig der Fokus nun darauf liegt, die Personen und Zustände jener Ära einzuführen und zu erläutern. Zumindest bekommt man als Hörer einen ersten Eindruck davon, wie es dort anscheinend zugeht.

Innerhalb einer Laufzeit von insgesamt ca. 105 Minuten den Plot von Militay-SF hin zu einer anti-utopischen Zeitreisegeschichte umzusteuern, ist ein interessanter Spagat, den man sich erst einmal trauen muss. Schön, dass Piotrowski diesen Mut hatte und dafür auch einen Umbruch in der Stimmung des Hörspiels in Kauf genommen hat, der jedoch aufgrund des veränderten Settings nach der Hälfte der Pilotfolge nur konsequent ist. Nach dem Ende dieses Hörspiels bleiben naturgemäß sehr viele Fragen offen, doch es wurde so viel an ansprechenden Grundlagen gelegt, dass man als Hörer durchaus gespannt darauf ist, wie die Handlung sich wohl weiter entwickeln wird. Das Publikum neugierig zu machen, ist eine der Hauptaufgaben von Serienpiloten und dies macht Dark Space – Der Flug der Draaken sehr ordentlich.

Ganze 37 Sprechrollen waren für dieses Hörspiel zu besetzen. Ein wirklich opulenter Cast, der seine Größe allerdings einer Vielzahl an Nebenrollen verdankt, während der Löwenanteil der Takes auf die Hauptsprecher Dennis Radzuweit als Leutnant Johan Brünning, Marcel Mander als Kommodore Ehrenberg und Christiane Marx als Ina Brünning entfallen. Gerade zu Beginn der Handlung müssen sich manche Sprecher erst noch in ihren Rollen einfinden und wirken teilweise etwas unterkühlt, doch dieses Problem legt sich mit zunehmender Dauer des Hörspiels. Einzig der Erzähler, gesprochen von Marcel Ellerbrok, bleibt die ganze Zeit über seltsam distanziert, was an manchen Stellen einfach nicht zu der Handlung passen will, die gerade geschildert wird. Dies war jedoch eine bewusste Entscheidung des Regisseurs, der ihn so haben wollte. So betrachtet, gibt es auch an Ellerbroks Leistung nichts auszusetzen. Insgesamt kann man dem Cast eine wirklich ansprechende Leistung bescheinigen, die überzeugen kann. Viel Wert wurde zudem auf die Klangkulisse gelegt und gerade der erste Teil des Hörspiels profitiert von den zahlreichen Soundeffekten, die hier durchaus eindrucksvoll zum Einsatz kommen. Im Zusammenwirken mit der Musik, die ansonsten recht unauffällig bleibt, wird so ein akustischer Teppich gewebt, der den Hörer direkt an der Handlung teilhaben lässt. Analog zur Handlung, sind die Effekte im zweiten Teil weniger gefordert, doch selbst dann werden sie stets passend zum Einsatz gebracht.


Dark Space – Der Flug der Draaken ist spannende Beginn eines interessanten SF-Mehrteilers, dessen Pilotfolge sich bereits erzählerisch sehr facettenreich präsentierte. Darum darf man sich von der Fortsetzung mit Sicherheit einiges erwarten.


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