Rezension: John Carter - Zwischen zwei Welten (Verkaufsstart am 19. Juli 2012)


Am 19. Juli 2012 kommt der SF-Abenteuerfilm John Carter - Zwischen zwei Welten aus dem Hause Disney auf DVD und Blu-ray in den Handel. Basierend auf der gleichnamigen Romanreihe von Edgar Rice Burroughs, erzählt der Film von dem ehemaligen Offizier John Carter, der bislang gelaubt hatte, alles schon erlebt und gesehen zu haben. Auf unerklärliche Weise findet er sich jedoch plötzlich auf dem geheimnisvollen Planeten Barsoom wieder und gerät dort in einen Konflikt epischen Ausmaßes. Auf seiner abenteuerlichen Odyssee durch eine fremde Welt, die am Abgrund steht, begegnet John Carter dem charismatischen Anführer Tars Tarkas und verliebt sich in die bezaubernde, selbstbewusste Prinzessin Dejah Thoris. Um Barssom zu retten, muss John Carter jene geheimnisvolle Macht besiegen, die hinter den Kulissen die Fäden zieht. Doch will er überhaupt in einem Krieg kämpfen, der nicht sein eigener ist?

Als John Carter im März diesen Jahres in die Kinos kam, wurde der Film schnell zum Gegenstand zahlreicher negativer Berichte, wobei sich deren Autoren zumeist darauf kaprizierten, die zweifelsohne suboptimale Vermarktung des Streifens seitens Disney aufs Korn zu nehmen, anstatt sich auf das eigentliche Werk von Regisseur John Stanton zu konzentrieren. So entstand der eigentlich absurde Eindruck, John Carter sei deshalb ein schlechter Film, weil es Disney nicht gelungen war, mit entsprechender Werbung ausreichend Zuschauer in die Kinos zu locken, um das Blockbuster-Budget von kolportierten 250 Mio. Dollar bereits am Box Office wieder einzuspielen. Wäre wirtschaftlicher Erfolg der Gradmesser für Qualität, dann müsste Blade Runner ein ganz mieser Film sein, denn seinerzeit fiel er an den Kinokassen durch. Wir wissen aber alle, dass die Wahrheit ganz anders aussieht. Tritt man John Carter - Zwischen zwei Welten jedoch vorurteilsfrei entgegen und fokussiert sich allein auf den Inhalt und die Machart des Films, dann stellt man schnell fest, dass Andrew Stanton, der zuvor mit Wall-E und Findet Nemo im Animationsbereich für Furore gesorgt hatte, mit John Carter ein tolles Realfilmdebüt gelungen ist, denn der Film kommt als spannendes und fantasiereiches Science-Fiction Abenteuer daher, das die heutigen technischen Möglichkeiten voll für sich zu nutzen weiß. 

Edgar Rice Burroughs schrieb den ersten ersten John-Carter-Roman vor 100 Jahren und entwarf Barsoom (wie seine Bewohner den Mars nennen) als eine lebensfeindliche Welt, in der Hochkulturen und barbarisch archaische Zustände genauso nebeneinander existieren, wie auch Wissenschaft und Magie. Eine perfekte Spielwiese für jede Menge Abenteuer, welche die Vorstellungskraft der Leser seit Jahrzehnten herausfordern und das Publikum begeistern. Dieser Linie folgt auch die Verfilmung John Carter, die als farbenprächtiges Leinwandabenteuer konzipiert ist, das Wert auf ein hohes Erzähltempo, jede Menge Action und zahlreiche Wechsel der Handlungsorte legt. Die Einführung der Figuren erfolgt einigermaßen schnörkellos, die Absichten der Charaktere werden mit einer Ausnahme recht schnell klar. Den notwendigen Spagat, dem Zuschauer die Welt von Barssom zu erklären und gleichzeitig eine spannende Geschichte zu präsentieren, schafft der Film sehr gut. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf, denn stets ist die Handlung im Fluss und neue Herausforderungen warten auf die Charaktere. Die Machtverhältnisse und weitere zum Verständnis notwendige Hintergründe erklären sich größtenteils aus der Handlung heraus, was immer die beste Methode der Informationsvermittlung in Filmen darstellt. Was dennoch an Expositionen nötig ist, wird in knapper Form abgehandelt, womit der Erzählfluss nicht länger als nötig aufgehalten wird. Ca. 130 Minuten ist John Carter lang und die Zeit vergeht sehr schnell, weil ständig irgendetwas maßgebliches passiert.

Das Drehbuch, an dem neben dem Regisseur auch noch Mark Andrews und Michael Chabon mitschrieben, setzt auf eine überschaubare Zahl von Charakteren, mit einer zentralen Figur, die unfreiwillig in die Rolle des Retters einer fremden Welt gedrängt wird und dadurch schlussendlich wieder einen Sinn im Leben findet. Mit Taylor Kitsch fand man einen unverbrauchten Schauspieler für die Hauptrolle, der die unterschiedlichen Facetten des Charakters von John Carter glaubwürdig verkörpert. Ihm zur Seite stellte man mit Lynn Collins eine talentierte Partnerin, die Dejah Torris als eine sowohl starke, wie auch durchaus verletzliche Prinzessin vom Mars portraitiert. Die Beziehung zwischen den Hauptfiguren wird zügig entwickelt, wobei Missverständnisse und Reibereien erst überwunden werden müssen, ehe man den Kampf gegen die Schurken des Films in Form von Sab Than, Herrscher von Zodanga, und dem mysteriösen Matai Shang aufnehmen kann. Dominic West (Sab Than) gibt sich viel Mühe, doch seine Figur ist leider recht eindimensional und blass, weshalb er von Mark Strong etwas an die Wand gespielt wird, dessen Charakter wesentlich spannender ist, da Matai Shang eine eigene Agenda verfolgt und Sab Than für ihn nur eine Marionette darstellt. Ciarán Hinds gibt den stets mit sorgenvoller Mine umher laufenden Herrscher von Helium und wer genau hinsieht, wird Bryan Cranston als Offizier der Nordstaaten entdecken. Für die Rolle des grünhäutigen Tarks Tars Tarkas schlüpfte Willem Dafoe in den Motion-Capture-Anzug und musste teilweise auf Stelzen herumlaufen. Spaß hat ihm die Rolle nach eigenem Bekunden durchaus gemacht, wobei er ansonsten kaum zu erkennen ist. Im Originalton ist er zumindest zu hören.

Womit der Zeitpunkt gekommen ist, auf die Effekten zu sprechen zu kommen. Ihnen kommt sicherlich die Rolle des heimlichen Stars des Films zu, doch eben nicht mehr als diese, denn die opulenten CGIs und der Einsatz von 3D dienen nicht zur plumpen Effekthascherei, sondern werden konsequent genutzt, um die Story des Films eindrucksvoll zu unterstützen und den Zuschauer unmittelbar an den Ereignisse auf Barssom teilhaben zu lassen. Schaut man sich den Film an, dann wird einem klar, warum es so viele Jahre gedauert hat, bis eine adäquate Umsetzung der literarischen Vorlage von Edgar Rice Burroughs endlich in die Kinos kam. Vor 20 Jahren hätte man John Carter - Zwischen zwei Welten in der vorliegenden Art gar nicht machen können, denn die dafür notwendige Technik, beispielsweise das Motion-Capture, ist erst seit wenigen Jahren verfügbar. Nun ist sie es und man stellt sie in den Dienst der Geschichte, was man als Zuschauer nur zu dankbar registriert, da es inzwischen vielfach genau andersherum läuft.

John Carter erscheint als Single-DVD, auf der neben dem Film ein Audiokommentar und eine Featurette zu finden sind. Auf Blu-ray ist das Material hingegen umfänglicher. Außerdem wird die BD auch als 2-Disc-Set angeboten, das den Film in 2D und 3D enthält. Letzte Version ist sicher das Optimum, wobei festgehalten werden muss, dass der Streifen auch in 2D ein optisches Vergnügen ist. Bild- und Tonqualität konnten absolut überzeugen


John Carter - Zwischen zwei Welten ist klassische Abenteuer-SF im modernen Gewand und damit ein schöner Gegenentwurf zu den Zerstörungsorgien, die aktuell viel auf der Leinwand zu sehen sind. Der Film verkörpert den Geist einer positiven Science-Fiction, deren maßgebliche Triebkräfte der Reiz des Unbekannten und die Erforschung fremder Welten sind. Dieses Festhalten am Sense of Wonder ist es, das John Carter wohltuend aus der Masse hervorhebt. Wer den Film im Kino verpasst hat, oder von den negativen Berichten leider abgeschreckt wurde, hat nun die Chance, John Carter im Heimkino für sich zu entdecken. Wer dies tut, dem steht ein spannender Trip in eine faszinierende neue Welt bevor.


John Carter  © Walt Disney Studios Home Entertainment Germany.

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